Originaltitel: Die Tür mit den 7 Schlössern
Deutschland, Frankreich, 1962
Kinostart: unbekannt (FSK: 16)
ca. 95 Min.
Thriller
Innerhalb kürzester Zeit sind in London zwei Morde geschehen. Zwei ähnliche Schlüssel, von denen man einen bei jedem Toten fand, scheinen der Schlüssel zur Lösung des Falls zu sein. Inspektor Dick Martin und sein Assistent Holms finden heraus, dass es insgesamt sieben Exemplare gibt, die Lord Selford kurz vor seinem Tod verschickt hat. Sie ermöglichen den Zugang zu seinem immensen Erbgut. Die Suche nach der Tür mit den passenden Schlössern führt Martin und Holms auf das Anwesen der Selfords und in ein unheimliches, altes Gemäuer, in dessen Keller ein seltsamer Arzt genetische Experimente durchführt.
Manch einer sagt: Kennt man einen „Wallace“, kennt man sie alle. Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Verwirrende Ereignisse, scheinbar unlösbare Rätsel, Schüsse und Schreie in der Nacht, Verfolgungsjagden im Nebel und unheimlich Maskierte, Bucklige und Entstellte, die im London dieser Filmreihe in jeder dunklen Ecke sitzen, bilden stets wiederkehrende Motive und Themen. Der Schurke ist immer derjenige, der sich am wenigsten verdächtig gemacht hat. Und das schöne, hilflose und naive Mädchen, das bevorzugt durch nächtliche Nebelschwaden oder sturmgepeitschte Alleen stolpert, fällt am Ende dem unerschütterlichen Mann von Scotland Yard oder dem edelmütigen Privatdetektiv in die Arme.
Selbstverständlich blieb auch die zehnte Edgar-Wallace-Produktion der Rialto Film diesem Muster treu. Hier geht es um sieben Erbschleicher, die untereinander morden und Opfer ihrer Habgier werden. Doch damit nicht genug. Dieses Grundkonzept der Handlung bildet nur die notwendige Plattform für das unvermeidliche Aufgebot an finsteren Ganoven, einem wahnsinnigen Wissenschaftler und einer Grauen erregenden Monstergestalt, die sich in dunklen Gassen oder mit Spinnweben verhangenen Gängen und Grüften tummeln.
Das Drehbuch basiert lose auf dem Roman „Die Tür mit den sieben Schlössern” (engl. „The Door with Seven Locks“) aus dem Jahr 1926 von Edgar Wallace. Einen ersten Entwurf für die Verfilmung verfasste Dr. Hanns Wiedmann unter dem Pseudonym Johannes Kai. Für den Produzenten Horst Wendlandt schien das Projekt in Wiedmanns Vision indes zu kostspielig – der erste Drehbuchentwurf enthielt mehrere Schauplätze rund um den Globus und ein verheerendes Feuer in Selford Manor. Daher bekam Harald Giertz-Petersson den Auftrag, das Ganze zu straffen und kostengünstiger zu gestalten. Zuletzt legte noch Constantin-Produktionschef Gerhard F. Hummel Hand an, dann erst durfte Alfred Vohrer den Film realisieren.
Die Innenaufnahmen entstanden in den Berliner UFA Studios, die Außenaufnahmen im Bezirk Berlin-Tempelhof und auf der Pfaueninsel im Berliner Wannsee. Die Londoner Kulisse wurde – wie üblich – aus Archivaufnahmen zusammengeschnitten.
Heinz Drache gab sein Debüt als Inspektor Dick Martin, routiniert begleitet von Eddi Arent in der Rolle des kauzig-komischen Kriminalassistenten Holms. Siegfried Schürenberg löste Ernst Fritz Fürbringer als Sir John, Chef von Scotland Yard, ab. Die Neulinge Drache und Schürenberg liefern überzeugende Schauspielleistungen ab und empfahlen sich zu Recht für weitere Auftritte in Wallace-Filmen.
Bemerkenswert in „Die Tür mit den 7 Schlössern“ sind überdies Pinkas Braun als wahnsinniger Wissenschaftler und Ady Berber, der wie eine modernere Version von Frankensteins Monster daherkommt. Die Wallace-Ikone Klaus Kinski tritt als linkischer Unterweltsspitzel Pheeny in Erscheinung und wird bedauerlicherweise schon nach wenigen Minuten ermordet. Die Rolle des dubiosen Wissenschaftlers war übrigens zuerst mit Klaus Kinski besetzt worden. Als Pinkas Braun für die Produktion gewonnen werden konnte, erhielt er zunächst einen Vertrag für die Rolle des Pheeney. Später wurden Kinski und Braun dann gegeneinander umbesetzt.
Zu trauriger Berühmtheit ist der Film auch wegen eines technischen Fauxpas gekommen. Bei der ersten Fernsehausstrahlung wurde die Eröffnungssequenz aus Zeitmangel entfernt, und dieser bedauerliche Umstand setzte sich bei späteren Wiederholungen fort. Ähnliches widerfuhr den Filmen „Der Hexer“ und „Neues vom Hexer“. Doch sowohl mit als auch ohne die ersten Filmminuten, in denen Einzelheiten zum Tod des ersten Opfers zu sehen sind, ist „Die Tür mit den 7 Schlössern“ ein überzeugender Edgar-Wallace-Film mit einer spannenden Kriminalgeschichte, die gekonnt zwischen Gruseleffekten und Humor changiert.
Wussten Sie schon …? Zum ersten Mal beteiligte sich eine französische Firma, Les Films Jacques Leitienne, an den Produktionskosten eines Edgar-Wallace-Krimis der Rialto. Diese Beteiligung beschränkte sich jedoch nur auf die Finanzierung des Films. Laut FSK-Karte gilt dieser Beitrag der Reihe als rein deutsche Produktion. Siegfried Schürenberg, die Neubesetzung des Sir John, zählte seinerzeit zu den meistbeschäftigten Synchronsprechern Deutschlands. Er sprach unter anderem die Texte von Clark Gable als Rhett Butler in „Vom Winde verweht“ (1939) und die des Tigers Shir Khan in Walt Disneys Zeichentrickfilm „Das Dschungelbuch“ (1967). Frisch zitiert: „Um einen strapazierten Wallace zu beschreiben, gebraucht man am besten einen strapazierten Slogan: Es ist unmöglich, von einem echten Edgar-Wallace-Krimi nicht gefesselt zu sein.“ – Westdeutsche Rundschau, 23.06.1962