Space-View Filmguide: Die Tote aus der Themse

Die Tote aus der Themse

Fakten

Originaltitel: Die Tote aus der Themse
Deutschland, 1971
Kinostart: 01.04.1971 (FSK: 16)
ca. 89 Min.

Genre

Thriller

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Kurzübersicht

Myrna Ferguson hat eine sehr illustre Karriere. Einerseits arbeitet sie als Tänzerin in den schattigeren Vierteln der Themsenmetropole, andererseits ist sie aber auch Mitglied eines großen Drogenschmuggler-Konsortium, welches sie undercover und im Geheimauftrag von Scotland Yard ausspioniert. Klar, dass dies nicht lange gut geht, doch als sich Inspektor Craig von Scotland Yard des Falles annimmt, stößt er auf ein Rätsel, scheinen die unbekannten Strippenzieher doch bestens über seine nächsten Schritte informiert zu sein. Gemeinsam mit Danny, der attraktiven Schwester der Verstorbenen, will Craig die Täter dingfest machen.

Review

Bitte, geht doch. „Die Tote aus der Themse“ ist der halbwegs passable Versuch der Rialto Film, ihr driftendes Wallace-Franchise in neue und deutlich zeitgemäßere Fahrwasser zu geleiten, ohne dabei die Fans zu vergraulen.
Der Schreck bei der Produktionsfirma Rialto Film saß tief, als „Das Gesicht im Dunkeln“, ihr Versuch, die erfolgreiche Edgar-Wallace-Filmreihe auf internationales Niveau zu heben, 1969 böse in die Binsen ging. Das unerwartet geringe Einspielergebnis des Klaus-Kinski-Vehikels vor Augen, zog Produzent Horst Wendlandt die Notbremse und legte alle weiteren Planungen für Wallace auf Eis. Zwei Jahre lang sollte sich Rialto nicht mehr an die Serie trauen. Zwei Jahre, in denen andere ihr Glück mit dem Franchise versuchten. Nachdem Artur Brauners CCC-Studios mit „Der Teufel kam aus Akasava“ und Trash-Filmer Jess Franco den größten Flop in der Geschichte der Wallace-Filme hingelegt hatten, gelang es Rialto mit „Die Tote…“, sich wieder mehr auf die Kernqualitäten der Reihe zu konzentrieren.
Vorbei schien die Zeit der internationalen Co-Produktionen, die Ende der sechziger Jahre noch als non plus ultra gegolten hatten. Rialto blieb bei seinen Leisten und konzentrierte sich auf inländische, bewährte Wallace-Mimen und eine Geschichte, die in leicht abgewandelter Art auch vor zehn Jahren hätte verfilmt werden können. Einzig die Bildsprache des neuen Werks zeugte davon, dass der Zahn der Zeit und die Mode auch an dem biederen Schlachtschiff unter den deutschen Kinoserien nicht spurlos vorüber ging. Statt sich wie früher in einem Studio einzumieten und in Kulissen zu drehen, ging Rialto diesmal aus dem Haus und drehte in realen Bauten und Wohnungen. Für die Szenen in den Büros von Scotland Yard mussten sogar die Geschäftsräume der Produktionsfirma selbst herhalten. Außerdem steckte man mehr Geld in Außendrehs und erlaubte es Regisseur Harald Philipp, übrigens erstmals bei Wallace im Einsatz, sogar, größere und handlungsrelevante Szenen vor Ort in London zu inszenieren.
Das Drehbuch stammte – keine Experimente, bitte – diesmal von Horst Wendlandt selbst, der dafür unter dem Pseudonym H.O. Gregor arbeitete. Wie bei Wallace üblich, stand es Philipp frei, Details aus drehtechnischen Gründen zu überarbeiten, was auch geschah. Die Fans freuten sich über die Rückkehr von Siegfried Schürenberg als Scotland-Yard-Chef Sir John. Die Figur war eigentlich schon vor mehreren Filmen verrentet worden, doch da zum einen mittlerweile auch Johns Amtsnachfolger Sir Arthur (gespielt von Hubert von Meyerinck) die Serie verlassen hatte und Schürenberg zum anderen bereits im Vorjahr in der Konkurrenzproduktion „Der Teufel kam aus Akasava“ den dort Sir Phillip benamsten Boss des Yard gegeben hatte, durfte John zurückkehren. Schauspieler Werner Peters, der die Rolle des Fleischimporteurs William Baxter verkörperte, verstarb kurz nach Premiere des fertigen Filmes während der Promotiontour in Wiesbaden.
„Die Tote aus der Themse“ gelang der Rialto eigentlich recht gut. Der Film knüpfte bewusst und zum Großteil erfolgreich an einigen bewährten Konzepten der Serie an, und Harald Philipps Regie sorgte darüber hinaus für frischen Wind. Leider gelang ihm die Inszenierung aber phasenweise sehr langatmig und insbesondere das Finale, eigentlich ja der Höhepunkt eines Krimis, enttäuscht in der Schlichtheit seiner Darstellung ein wenig. Dafür entschädigt allerdings der letztmalig von Peter Thomas komponierte Filmsoundtrack. Mit „Die Tote aus der Themse“ legte Rialto wieder einen Erfolgsfilm hin, der weitere Teile der Serie rechtfertigte.

Wissenswertes

Wussten Sie schon …? Wendlandts Pseudonym ist nicht schwer zu knacken, besteht es doch aus seinen drei Vornamen: Horst Otto Gregor. Sein Arbeitstitel des Filmes war „Engel des Schreckens“. Seine Weltpremiere feierte dieser 29. Rialto-Wallace am 30. März 1971 in Mainz, wo die Reiß-Kinobetriebe aus München, in denen schon andere Wallaces debütiert hatten, ebenfalls einige Leinwände bespielten – übrigens bis in die 1990er Jahre. Harald Phillip war Besuchern der beliebten Winnetou-Filme nach Karl May vertraut, die ebenfalls im Verleih der Constantin liefen. Philipp hatte auch „Winnetou und das Halbblut Apanatischi“ (1966, ebenfalls mit Danny-Darstellerin Uschi Glas) und „Der Ölprinz“ (1965, mit dem Wallace-erfahrenen Stewart Granger) inszeniert. Frisch zitiert: „‚Die Tote aus der Themse’ gehört zu den Spätwerken der Edgar Wallace-Reihe und hier hat man bei der Besetzung leider völlig daneben gegriffen. Hansjörg Felmy mag einen prima ‚Tatort’-Kommissar abgegeben haben, zum britischen Inspector taugte er nicht. Und auch Uschi Glas wählte man wohl vorwiegend deshalb, weil sie gerade bei der Jugend angesagt war.“ - Moviemaster.de

Hauptdarsteller

  • Danny Fergusson Uschi Glas
  • Inspektor Craig Hansjörg Felmy
  • William Baxter Werner Peters
  • Milton Farnborough Harry Riebauer
  • David Armstrong Vadim Glowna
  • Sir John Siegfried Schürenberg
  • Doctor Ellis Günther Stoll
  • Susan Petra Schürmann
  • Anthony Wyman Friedrich Schoenfelder
  • Kitty Ingrid Steeger
  • Louis Stout Ivan Desny

Film-Crew

  • Regie Harald Philipp
  • Drehbuch H.O. Gregor
  • Drehbuch Harald Philipp