Space-View Filmguide: Tod auf dem Nil

Tod auf dem Nil

Fakten

Originaltitel: Death on the Nile
Großbritannien, 1978
Kinostart: 13.12.1978 (FSK: 12)
ca. 140 Min.

Genre

Thriller

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Kurzübersicht

Lady Linnet Ridgeway ist eine gute Partie. Das findet auch Simon Doyle, der Verlobte von Linnets Freundin Jacqueline, und löst für eine Zukunft mit ihr seine Beziehung auf. Als die beiden Turteltauben in Ägypten nur durch Zufall einem Mordanschlag entgehen und auch noch Jacqueline auftaucht, fängt es in den kleinen grauen Zellen des belgischen Meisterdetektivs Hercule Poirot zu arbeiten an, der ebenso zufällig zugegen ist. Auf einer Dampferfahrt über den Nil kommt es zum Äußersten: Linnet wird ermordet. Poirot nimmt die Ermittlungen auf und muss schon bald feststellen, dass eigentlich jeder ein Motiv für die Tat hat.

Review

Wer nach dieser Inhaltsangabe ein „Mord im Orient-Express“-Deja vù hat, hat noch etwas – nämlich mein Verständnis. Die Parallelen sind aber auch zu offensichtlich: Während einer Reise, in einem von der Außenwelt quasi abgeschlossenen Transportmittel, wird ein Gewaltverbrechen begangen. Hercule Poirot befindet sich unter den Reisenden und kann den Täter ermitteln, da die Reise weitergeht und niemand der Verdächtigen aussteigen kann. Witzigerweise stammt das Drehbuch zu „Mord auf dem Nil“ von Anthony Shaffer, der 1974 auch schon das Script für Sidney Lumets Poirot-Verfilmung „Mord im Orient-Express“ überarbeitete.
Ob sich Agatha Christie dieser inhaltlichen Ähnlichkeit bewusst war, als sie 1937 den Roman „Murder on the Nile. A Poirot Novel“ publizierte? Vermutlich. Zum einen galt Dame Agatha Mary Clarissa, Lady Mallowan, so ihr voller Titel, in ihren belletristischen Mordsgeschichten als sehr analytische Planerin, und zum anderen war der Vorgänger „Mord im Orient-Express“ gerade mal drei Jahre her. Es stimmt schon, Christie arbeitete bei der Konzeptionierung ihrer Krimis sehr gewissenhaft und strukturiert. Das Verbrechen selbst, sozusagen der Nukleus der Geschichte, war etwas, das unter kunstvoll ineinander verschachtelten Nebensträngen und Theorien begraben und versteckt wurde – bis der Held am Ende den roten Faden findet und die Wahrheit aufdeckt.
Der Held, das ist im Falle dieses Filmes Sir Peter Ustinov. Die britische Schauspiellegende schlüpfte für insgesamt zwei Kinoproduktionen in die Rolle des cleveren, wenn auch ein wenig exzentrischen Hercule Poirots – wobei „Mord auf dem Nil“ der erste dieser Filme darstellt. John Guillermin („Die Brücke von Remagen“, 1969; „King Kong“ 1976) inszenierte ihn als bildgewaltiges Schaulaufen der Stars vor exotischer Kulisse. Mit an Bord des „Todesdampfers“: renommierte Größen wie David Niven (als Poirots Sozius Colonel Johnny Race), Bette Davis (als Gesellschaftsdame Marie Van Schuyler), Mia Farrow (als Jacqueline De Bellefort) und und und. Angela Lansbury, die hier in einer Nebenrolle zu sehen ist, sollte Jahre später auf eigene Art zu detektivischen Ehren kommen, spielte sie doch die Hauptrolle der Jessica Fletcher in der betulichen TV-Krimiserie „Mord ist ihr Hobby“. Deren Originaltitel „Murder She Wrote“ verweist auf „Murder She Said“, einen Agatha-Christie-Roman (dt.: „16 Uhr 50 ab Paddington“).
Betulich ist auch Guillermins Film. Um das Personal für den Zuschauer übersichtlicher zu halten, hat Shaffer die dramatis personae gründlich zusammengestrichen und mehrere Figuren des Romans entfernt. Dadurch gewinnt „Mord auf dem Nil“ an Klarheit – was bei einer Gesamtlänge von 134 Minuten auch von großer Wichtigkeit ist –, verliert aber spürbar an Drive. Allzu große Spannung darf man von ihm nicht erwarten.
Wie prestigeträchtig Guillermins Produktion ist, lässt sich auch an ihrer Wirkung feststellen, denn Film wie Darsteller erhielten nach der Kinoauswertung von „Mord auf dem Nil“ zahlreiche Preise; die Kostümbildner wurden sogar mit dem Oscar prämiert. Nino Rota, weltberühmter Komponist (u.a. „Der Pate“), ging leider leer aus, obwohl sein Score Größe beweist und die weite Welt zu atmen scheint.

Wissenswertes

Wussten Sie schon …? Für die zehnte Staffel der TV-Serie „Agatha Christies Poirot“ mit David Suchet in der Titelrolle wurde „Mord auf dem Nil“ im Jahr 2004 erneut verfilmt – an den gleichen Schauplätzen: in den Tempelanlagen von Karnak und Abu Simbel, sowie an Bord der SS Soudan, die ein weiteres Mal als SS Karnak der Romanvorlage dienen musste. Die Serie ist ein wahrer Dauerbrenner im britischen TV und wird noch heute produziert, nahezu 20 Jahre nach ihrem Start. Die Produzenten des 1978er Films waren vom Erfolg der Produktion begeistert und verpflichteten Teile ihres dream teams gleich für eine Fortsetzung. 1982 kam Sir Peter Ustinov mit „Das Böse unter der Sonne“ (Evil under the Sun) abermals als Poirot in die Lichtspielhäuser, wieder nach einem Christie-Roman und dessen Adaption durch Anthony Shaffer. Dame Agatha selbst war von den Verfilmungen ihrer Werke nie sonderlich angetan. Dafür hatten Schauspielerin Margaret Rutherford und ihre „Miss Marple“-Filme der 1960er Jahre gesorgt. Sie hatten sich der Marple-Figur und einiger Handlungselemente aus Christies Werken bedient und mit ihnen ganz eigene, eher humoristische Geschichten erzählt. Christie selbst adaptierte ihren Roman Mitte der 1940er Jahre für die Theaterbühne, 1946 erreichte die Inszenierung sogar New York. Einzig ihrer Hauptfigur war die Autorin in der Zwischenzeit überdrüssig geworden und wollte das Stück am liebsten ganz ohne Poirot gestalten.

Hauptdarsteller

  • Hercule Poirot Peter Ustinov
  • Louise Bourget Jane Birkin
  • Linnet Ridgeway Lois Chiles
  • Marie Van Schuyler Bette Davis
  • Jacqueline De Bellefort Mia Farrow
  • James Ferguson Jon Finch
  • Rosalie Otterbourne Olivia Hussey
  • Andrew Pennington George Kennedy
  • Salome Otterbourne Angela Lansbury
  • Simon Doyle Simon MacCorkindale
  • Colonel Johnny Race David Niven
  • Miss Bowers Maggie Smith
  • Dr. Ludwig Bessner Jack Warden
  • Barnstaple Harry Andrews
  • Manager I.S. Johar
  • Sterndale Rockford Sam Wanamaker
  • Lehrerin Barbara Hicks
  • Dienstmädchen Celia Imrie
  • Ägypter Andrew Manson

Film-Crew

  • Regie John Guillermin
  • Drehbuch Anthony Shaffer