Space-View Filmguide: Thor

Thor

Fakten

Originaltitel: Thor
USA, 2011
Kinostart: 28.04.2011 (FSK: 12)

Genre

Action, Fantasy

Kurzübersicht

Thor (Chris Hemsworth) ist der Sohn des weisen und mächtigen Königs Odin (Sir Anthony Hopkins), der im Gegensatz zu seinem Bruder Loki (Tom Hiddleston) den Hammer dem Verstand vorzieht. Vor über 1000 Jahren war es Odin, der den Menschen zu Hilfe eilte, als Eisdäonen die Welt des Nordens zu unterjochen versuchten, woraufhin die Legenden der nordischen Götter entstanden. Nun, da Odin am Ende seines Lebens steht, muss er entscheiden, welcher seiner Söhne seinen Thron im Reiche Asgard besteigen wird. Als Eisdämonen versuchen ein Artefakt aus Odins Reich zu stehlen und Thor eigenmächtig zu einer kleinen Strafexpedition aufbricht, bleibt Odin keine andere Wahl als Thor aus seinem Reich zu verbannen, will er den brüchigen Frieden mit den Däonen bewahren. Er raubt ihn seiner Kräfte und schickt ihn in die Welt der Menschen mitten in die Einöde New Mexicos, wo Thor auf die Wissenschaftlerin Jane Foster (Natalie Portman) trifft, die sich des offenbar verwirrten Obdachlosen annimmt. Doch im fernen Asgard spinnt Loki eine Intrige: Er muss sich Thors ein für allemal entledigen, will er den Thron Asgards tatsächlich besteigen, denn trotz der Verbannung, glaubt Loki, wird Odin einen möglicherweise geläuterten Thor eines Tages doch noch zum König ernennen. Odin liebt Thor. Aber liebt er auch Loki?

Review

Kenneth Brannagh hat in den 1990er-Jahren mit bedeutenden Shakespeare-Adaptionen wie „Henry V.“ oder „Hamlet“ eindrucksvoll das Werk des englischen Dichters filmisch für das Kino der Gegenwart aufgearbeitet. Nach einigen eher ruhigen Jahren, in denen Brannagh mehr vor als hinter der Kamera stand, meldet sich der britische Regisseur genauso eindrucksvoll mit einer Literaturverfilmung auf der Leinwand zurück: „Thor“ lautet der Titel seines Werkes. Gut, „Thor“ ist streng genommen keine Arbeit Shakespeares, eigentlich basiert Brannaghs neueste Regiearbeit auf den Arbeiten der Comic-Legende Stan Lee – doch diese Petitesse scheint Brannagh beim Dreh seines neuen Filmes nicht wirklich interessiert zu haben. Statt dessen hat er für 150 Millionen Dollar ein Drama auf die Leinwand gezaubert, für das er mit Sicherheit ein Lob Shakespeares geerntet hätte!

Natürlich bietet „Thor“ große Effekte, Hollywood lässt die Muskeln spielen und natürlich kommt auch „Thor“ in 3-D in die Kinos. Die 150 Millionen Dollar Produktionskosten sind deutlich auf der Leinwand zu sehen. Brannagh aber hat sich von dem Budget nicht überrollen lassen. Er überrascht vielmehr als Regisseur, der Effekte sehr stilvoll einzusetzen vermag und bleibt bei alledem ein Schauspielerregisseur. Die Besetzung der Hauptrolle mit dem unbekannten Australier Chris Hemsworth entpuppt sich als Glückfall. Seine Wandlung vom arroganten Königssohn zum Menschen, der bereit ist sein Leben für jene zu opfern, die er liebt, ist mehr als nur eine dem Genre geschuldete Wandlungsgeschichte. Hemsworth füllt sie mit zarter Seele. Dass Sir Anthony Hopkins einen veritablen König bietet, steht außer Frage, Natalie Portman gibt die sympathische Querdenkerin. Als die Entdeckung des Filmes aber darf der Brite Tom Hiddleston betrachtet werden, dessen Lokidarstellung, hin- und hergerissen zwischen seiner unerwiderten Liebe zum Vater, selbstzerstörerischen Zweifeln und einer oftmals schier bodenlosen Skrupellosigkeit – shakespearesken Königsmördern zur Ehre gereicht.
Im Zeitalter hektischer Schnitte gönnt Brannagh seinem Megaspektakel ungewöhnlich ruhige Momente, lässt Schauspieler miteinander interagieren, lässt die Kamera auf sie gerichtet und zieht sich als Regisseur fast vollständig aus der Szenerie zurück. Der emotional aufwühlende Soundtrack von Brannaghs Hofmusiker Patrick Doyle erschafft akustische Atmosphäre; obschon als Sommerblockbuster geplant und obwohl es kracht und knirscht wirkt „Thor“ niemals laut. Die Idee, ein großes 3-D-Sommerspektakel von einem Mann wie Kenneth Brannagh inszenieren zu lassen, mag Genrefans im Vorfeld ebenso irritiert haben wie die Freunde seiner frühen Werke. Aber Brannagh hat es wirklich geschafft: Er hat einen großen Film abgeliefert.

PS: Für das Jahr 2012 ist der Start der Comicverfilmung „The Avengers“ geplant, der mehrere Figuren des Marvel-Comicuniversum, unter anderem Thor, Hulk und Iron-Man zusammenführen wird. Ohne zu viel zu verraten: Nach dem Abspann von „Thor“ gibt es genau dazu noch eine Szene. Also: Abspann durchhalten. Es lohnt sich!

geschrieben von: Christian Lukas