Originaltitel: Der Unheimliche Mönch
Deutschland, 1965
Kinostart: unbekannt (FSK: 16)
ca. 87 Min.
Thriller
Schloss Darkwood in England ist kein guter Ort, besonders nicht nach dem Tod des Schlossherrn. Denn nun streiten sich seine Nachfahren ums Erbe. Zuerst muss der Notar sterben, damit ein Unbekannter das ungeliebte Testament an sich bringen kann, dann geht es Gwendolin, der Enkelin und Haupterbin des Verstorbenen, ans Leder. Doch Gwendolin überlebt – obwohl der „unheimliche Mönch“ in Darkwood umhergeht und mehr und mehr Menschen mit seiner sirrenden Peitsche tötet. Wer steckt hinter der Maske, und was hat Gwendolins zu Unrecht in Haft sitzender Vater mit den ganzen Geschehnissen zu tun? Inspektor Bratt ermittelt.
Hein Drache durfte nicht. Er, der als Hauptdarsteller für „Der unheimliche Mönch“ vorgesehen war, hatte gerade erst in „Neues vom Hexer“ brilliert – und jener Film war doch stark hinter den kommerziellen Erwartungen zurückgeblieben. Also fand die Produktion, man solle dem Publikum eine Drache-Pause auferlegen und besetzte die Rolle kurzerhand um. Neuer Inspektor wurde der damals immens populäre Harald Leipnitz. Der Schauspieler aus Wuppertal hatte die Theaterbühnen verlassen und war zum Film gegangen, wo er für Rialto in „Der Ölprinz“ Erfolge feierte. Für die Wallace-Reihe war er schon in „Die Gruft mit dem Rätselschloss“ (1964) zu sehen gewesen, nun durfte er wieder ran.
Grit Böttcher konnte nicht. Die Schauspielerin war eigentlich für die Rolle der Mary vorgesehen – keine handlungstragende Figur des Streifens, aber immerhin –, erkrankte aber vor Drehbeginn. Die Produzenten sahen sich nach einem Ersatz um und fanden die damals noch unbekannte Ursula „Uschi“ Glas, die hiermit den Grundstein für ihre Karriere legte.
Harald Reinl wollte nicht mehr. Das Regietalent, dessen Name in diesen Tagen allein schon für Qualität und einen sicheren Kassenerfolg stand, legte mit „Der unheimliche Mönch“ seine Wallace-Abschiedsvorstellung hin. Reinl hatte für die Karl-May-Filme mit Pierre Brice gearbeitet, die neuen „Dr. Mabuse“-Krimis inszeniert und sollte sich später auch noch an den Jerry-Cotton-Produktionen und einigen Teilen der „Die Lümmel von der ersten Bank“-Serie mit Hansi Kraus versuchen, kannte sich also bestens mit Filmreihen aus. So ist es auch nicht verwunderlich, dass „Der unheimliche Mönch“, allen Drehbuch-Absurditäten zum Trotz, ein veritabler Erfolg wurde und bis heute zu den absoluten Klassikern der Serie gehört.
Das Drehbuch von Joachim J. Bartsch und Alfred Denger („Der Ölprinz“) war laut Papier eine Überarbeitung der Romanadaption durch Harald G. Petersson, ging aber so stark eigene Wege, dass eigentlich kein direkter Bezug zu einem einzigen Wallace-Roman mehr festzumachen ist. Dieser Film lebt von seiner Atmosphäre und von den optischen wie narrativen Manierismen, welche die Wallace-Filme längst zu einer eigenen Welt mit eigenen Regeln und Gesetzmäßigkeiten gemacht haben. Man könnte das Malen nach Zahlen nennen, oder eben Kult.
Auch Reinl-Gattin Karin Dor, hier in der Rolle der Gwendolin zu sehen, nahm nun ihren Wallace-Abschied – und bewies damit sehr gutes Timing, wartete doch eine – wenn auch überschaubare – internationale Kinokarriere auf die beliebte Schauspielerin aus Wiesbaden. Schon zwei Jahre später glänzte sie an der Seite von Sean Connery im James-Bond-Streifen „Man lebt nur zweimal“ (Regie: Lewis Gilbert) und spielte 1969 für Alfred Hitchcock und Universal Pictures in der Leon-Uris-Verfilmung „Topas“ mit.
Für den „Mönch“ drehte Rialto ein weiteres Mal London in Norddeutschland. Im Oktober und November 1965 doubelte Schloss Hastenbeck (in der Nähe von Hameln) für das fiktive Darkwood, und der Hafen von Hamburg-Harburg war deutschen Kinogängern ohnehin schon als Docks von London bekannt. Dennoch drehte das Team auch establishing shots in der Themsenmetropole, welche dann – recht wahllos, um ehrlich zu sein – in den Film hineingeschnitten wurden. Schon einen Monat nach Drehschluss feierte der letzte Reinl-Wallace in Saarbrücken seine Weltpremiere. Er sollte sich auf eine lange Kinolaufzeit einrichten.
Wussten Sie schon …? Eddi Arent kam nicht oft in den Wallace-Filmen dazu, einmal nicht den dummen August und Mann für alle Scherze zu spielen. Auch dies macht den „unheimlichen Mönch“ besonders. Die Musik des Filmes stammte ein weiteres Mal von Peter Thomas – schlicht der Legende unter den deutschen Film- und TV-Komponisten. Aus Thomas Feder entsprangen Melodien zu „Raumpatrouille“, zu Karl-May-Produktionen und Jerry-Cotton-Filmen. Insgesamt gehen weit über 70 Filmscores auf seine Arbeiten zurück. Aufgrund der düsteren Atmosphäre und der Morde stufte die FSK den „unheimlichen Mönch“ am 10.12.1965 ab 16 Jahre ein und versah ihr den Zusatz „nicht feiertagsfrei“. Bis zur TV-Auswertung (Erstausstrahlung am 26.12.1988 auf Sat.1) hatte sich diese Einschätzung entweder geändert, oder das Privatfernsehen sendete eine geschnittene Fassung. Frisch zitiert: „‚Der unheimliche Mönch’ gehört zu den Klassikern der legendären Edgar-Wallace-Reihe der ‚Constantin’. Wabernder Nebel, unheimliche Gestalten, niemandem kann man trauen. Die sechste (und letzte) Wallace-Regie-Arbeit von Reinl wurde auch kommerziell einer der größter Wallace-Erfolge wenngleich mich Joachim Fuchsberger, Heinz Drache und Klaus Kinski hier gleich einige der Protagonisten der Serie fehlten.“ - Moviemaster.de