
Originaltitel: Capricorne One
USA, 1978
Kinostart: 03.08.1978 (FSK: 12)
ca. 123 Min.
Science Fiction, Thriller
Kurz vor dem Start der ersten bemannten Mars-Mission werden die drei Astronauten heimlich aus dem Cockpit geholt und in eine abgelegene Lagerhalle verfrachtet. Sie erfahren, dass das Überlebenssystem der Rakete defekt ist, sodass sie niemals lebend am Mars angekommen wären. Allerdings sind Kreise der US-Regierung nicht bereit, diese Panne gegenüber der Weltöffentlichkeit einzugestehen. Der Imageverlust wäre zu groß. Kurzerhand werden die Astronauten dazu gezwungen, an einer gigantischen Scharade teilzunehmen, die die Öffentlichkeit täuschen soll. Ein zynischer Journalist aber kommt dem Treiben zufällig auf die Spur.
„Unternehmen Capricorn“ ist als Verschwörungsthriller längst ein Klassiker. Er ist spannend, er ist rasant. Vor allem aber lebt er von seiner erdrückend realen Atmosphäre. Die Handlung ist nicht in eine weit entfernte Zukunft gelegt. Sie spielt im Hier und Jetzt (in diesem Fall 1978). Die Astronauten sind Familienväter, Wissenschaftler, Piloten – aber keine Überhelden mit Zahnpastalächeln. Der Schurke ist kein Dr. Evil, der die Welt zerstören will, sondern ein Mann, der glaubt, das Richtige zu tun. Und der Held ist eigentlich ein zynischer Anti-Held, der nur an das Schlechte im Menschen glaubt und daher von dem, was er entdeckt, alles andere als überrascht ist.
„Unternehmen Capricorn“ ist ein Film, den jeder Thrillerfan mit einer Liebe für Sci-Fi einmal im Leben gesehen haben muss.
Könnte eine Regierung den Flug zu und die Landung auf einem anderen Himmelskörper vortäuschen? Würden bei einem solchen Vorhaben alle Beteiligten mitmachen und dichthalten? Und was würde mit denjenigen geschehen, die das nicht täten?
Spätestens seit 2001 ranken sich solche Fragen und Theorien um die Mondlandungen der Amerikaner. Fox strahlte im Februar dieses Jahres in den USA eine „Dokumentation“ namens „Conspiracy Theory: Did We Land on the Moon?“ aus. In diesem Beitrag wurde anhand zahlreicher vermeintlicher Fakten angezweifelt, dass die Mondlandungen tatsächlich jemals stattgefunden haben. Die amerikanische Regierung soll die Krönung des bemannten Raumfahrtprogramms nur vorgetäuscht haben, um das Wettrennen um die „Eroberung“ des Weltalls mit der damaligen UdSSR zu gewinnen. Nachdem die Russen mit Sputnik bereits 1957 den ersten Satelliten im All hatten, hinkten die USA nämlich auf diesem Gebiet hinterher.
Die einzelnen Punkte der Verschwörungstheorie wurden zwar beispielsweise durch die NASA (siehe zum Beispiel http://science.nasa.gov/headlines/y2001/ast23feb_2.htm ) entkräftet, die Idee des „Moon Hoax“ spukt aber immer noch in den Köpfen vieler Menschen herum. Diese Idee ist allerdings nicht neu, schon knapp 25 Jahre früher ging es in dem Film „Unternehmen Capricorn“ um eine solche „gefakte“ Landung – allerdings nicht auf dem Mond, sondern auf dem Mars.
Das Drehbuch zu „Unternehmen Capricorn“ stammt von Peter Hyams, der auch Regie führte. Er schrieb auch die Drehbücher zu den SF-Filmen „Outland“ (mit Sean Connery) und „2010“, in beiden Fällen führte er ebenfalls Regie sowie auch bei „Presidio“ (ebenfalls mit Connery), „Timecop“, „Das Relikt“ und „End of Days“ (mit „Governator“ Arnold Schwarzenegger).
In den Hauptrollen waren Elliott Gould und James Brolin zu sehen (kleines Detail am Rande: Gould war der erste, Brolin ist der zweite Ehemann von Barbra Streisand).
Elliott Gould spielt überaus überzeugend den Zeitungsjournalisten Robert Caulfield, der dem Mars-Schwindel dank seiner Neugier und seinem Ehrgeiz letztlich auf die Schliche kommt.
Gould hat in weit über 150 Fernseh- und Kinoproduktionen mitgewirkt, darunter „L. A. Law“, „The Twilight Zone“, „MASH“, „American History X“ und „Ocean’s Eleven“. Comedy-Fans kennen ihn als Jack Geller, den Vater von Monica und Ross aus „Friends“.
James Brolin war kaum weniger fleißig, auch er hatte weit mehr als 100 Engagements in Film und TV. Seine bekanntesten dürften die des Peter McDermott in der Serie „Hotel“ und die des Lt. Col. Bill ‚Raider’ Kelly in „Pensacola“ sein. 2003 war er in der TV-Produktion „The Reagans“ als der kürzlich verstorbene Ex-Präsident Ronald Reagan zu sehen. In „Unternehmen Capricorn“ spielt Brolin Colonel Charles Brubaker, den „Anführer“ der Astronauten, der die Flucht der Astronauten einleitet.
Hal Holbrook ist als skrupelloser Missionsleiter Dr. James Kelloway zu sehen. Holbrook ist ebenfalls ein sehr erfahrener Schauspieler, er spielte beispielsweise Rollen in „Die Firma“, „Wall Street“, „Fackeln im Sturm“ und „Outer Limits“.
O. J. Simpson spielt neben Sam Waterston den dritten Astronauten. Simpson war damals noch eher als Footballspieler bei den Buffalo Bills bekannt, denn als Schauspieler oder als Angeklagter in einem Mordfall, entsprechend kann auch seine schauspielerische Leistung nicht sonderlich überzeugen. Sehr sehenswert ist hingegen Telly „Kojak“ Savallas als kauziger Pestizid-Doppeldecker-Pilot.
Die Konstellation der Figuren im Film ist interessant, wenn auch nicht ganz neu: Während Gould eher einen Antihelden verkörpert (den etwas schmierigen, zynischen und ständig rauchenden Reporter), ist Brolin in einer ziemlich stereotypen Heldenrolle (der mutige, ehrliche und prinzipientreue Astronaut) zu sehen. Ein cleverer Schachzug des Autors/Regisseurs, denn so bietet der Film dem Publikum zwei mögliche Identifikationsfiguren – außerdem gibt gerade die Figur des Zeitungsmanns Caulfield dem Film Würze.
Auch wenn „Unternehmen Capricorn“ nicht ganz den heutigen Sehgewohnheiten entspricht – es gibt teilweise minutenlange Dialoge, keine schnellen Schnitte und dazu Verfolgungsjagden, die man heutzutage natürlich besser kennt – ist der Film sehenswert, unterhaltsam und spannend. Er kam 1978 in die Kinos, in einer Zeit, in der die Amerikaner ihrer Regierung – insbesondere wegen des Watergate-Skandals – eine ordentliche Portion Misstrauen entgegenbrachten. Genau diese Paranoia spiegelt der Film – wie viele andere Filme der 1970er Jahre – wider: In „Unternehmen Capricorn“ wird nicht nur die Reise zum Mars erfunden, auch die teilnehmenden Astronauten werden mit dem Leben ihrer Angehörigen erpresst, und Menschen, die die Wahrheit kennen oder auch nur ahnen, räumt man einfach aus dem Weg. Auf dem Gebiet der Verschwörungsfilme ist „Unternehmen Capricorn“ ein Vorreiter und kann daher durchaus als Ahne von Akte X und Co. angesehen werden. Wegen der Parallelen zum aktuellen „Moon Hoax“ ist „Unternehmen Capricorn“ auch und besonders heute sehr zeitgemäß. Entweder war Peter Hyams einfach ein Visionär, oder die Redakteure des Fox-Beitrages haben seine Idee „wieder aufgegriffen". Interessant ist noch die Tatsache, dass der Film mit voller Unterstützung der NASA gedreht wurde, obwohl die im Film nicht sonderlich gut wegkommt.