Space-View Filmguide: Die üblichen Verdächtigen

Die üblichen Verdächtigen

Fakten

Originaltitel: The Usual Suspects
USA, 1995
Kinostart: 18.01.1996 (FSK: unbekannt)
ca. 105 Min.

Genre

Action, Thriller

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Kurzübersicht

Roger „Verbal“ Kint hat ein Problem. Der Kleinganove war an einem Coup beteiligt, der offensichtlich einige Nummern zu groß für ihn war. Gemeinsam mit einigen anderen Gangstern hat er ein Ding für Keyser Söze gedreht, einen Legenden umwobenen Unterweltboss – doch am Ende sitzt Verbal in Haft und kann sich nur dadurch Immunität erspielen, dass er redet. Also erzählt er den Detectives nach und nach alles, was vorgefallen ist. In Rückblenden berichtet der Film von einem wahrhaft unglaublichen Verbrechen.

Review

Diese Kaffeetasse … diese dreifach verfluchte Kaffeetasse … vermutlich hat niemand, der jemals in „Die üblichen Verdächtigen“ saß, diese elementare Schlüsselszene des cleveren Thrillers je vergessen können. Dabei hat Bryan Singers Frühwerk durchaus auch Qualitäten, die über die – zugegebenermaßen – raffinierte Schlusspointe hinausgehen.
Singer, der später mit der „X-Men“-Filmreihe und als Produzent der wahnsinnig beliebten TV-Serie „House M.D.“ (Dr. House) mit Hugh Laurie als Doktor Griesgram dauerhaften Ruhm erhalten sollte, präsentiert in seinem Regiezweitling ein klug gestaffeltes Vabanquespiel, in welchem der Zuschauer ständig aufgefordert wird, seinen aktuellen Wissensstand zu hinterfragen. Dabei bedient sich Singer einiger der klassisch zu nennenden Stilmittel des film noir. Als „neo noir“ geistert dieses Genre eines Humphrey Bogarts und Dashiell Hammetts schon seit „Soylent Green“ und „Blade Runner“ abermals durch die Lichtspielhäuser, selbst deutlich jüngere Produktionen wie „Sin City“ spielen bewusst mit den Manierismen und den Narrationsmustern des film noir und sind der Neo-noir-Strömung zuzurechnen.
„Die üblichen Verdächtigen“ entstand aus einer Unterhaltung, die Singer mit seinem Schulfreund Christopher McQuarrie führte. 1992 war McQuarrie gerade auf dem Weg an die Polizeischule, als er Singer erneut begegnete. Der aufstrebende Jungregisseur bot dem alten Freund an, gemeinsam an einem Drehbuch zu arbeiten, dass Singer verfilmen wollte: „Public Access“. Die fertige, gut 80-minütige Independentproduktion, von Singer und McQuarrie geschrieben, wurde zum Hit auf renommierten Festivals (u.a. Sundance) und öffnete den beiden Filmemachern in Hollywood die Tore.
In Sundance war es auch, als Singer erstmals auf Kevin Spacey traf. Der damals noch relativ unbekannte Schauspieler hatte einer Aufführung von „Public Access“ beigewohnt, danach dem Regisseur aufgelauert und ihm in die Hand versprochen, in seiner nächsten Produktion mitzuwirken – komme, was da wolle. Singer und McQuarrie setzten sich also zusammen und entwickelten aus zwei Ideen, die sie schon seit längerem hatten, ein abendfüllendes Werk. Das erste Bild, das ihnen durch den Kopf ging, war das einiger Ganoven, die sich bei einer polizeilichen Gegenüberstellung begegnen. (Das Motiv wurde später zum Kinoplakat von „Die üblichen Verdächtigen“.) Und dann hatte McQuarrie noch die Geschichte eines Mörders im Visier, der nach getaner „Arbeit“ einfach untertauchen kann, als habe es ihn nie gegeben. Diese beiden Elemente nahmen die jungen Filmemacher und spielten mit ihnen, wobei sie die Hauptrolle des Verbal Kimt von vorneherein für Kevin Spacey schrieben.
Problematisch sollte die Finanzierung des Projektes werden. Aufgrund der nicht linearen Geschichte und der Dialoglastigkeit des Drehbuchs winkten viele Geldgeber dankend ab, als Singer ihnen den Film pitchte, schließlich fanden sich aber genügend Investoren, um zumindest eine kleine Produktion auf die Beine zu stellen. Die Darsteller willigten zudem ein, auch für einen Bruchteil ihrer üblichen Gage zu arbeiten. Und der Rest ist (Film-)Geschichte.

Wissenswertes

Wussten Sie schon …? Der Titel des Filmes geht auf eine Dialogzeile in „Casablanca“ zurück. Gegen Ende des Bogart-Klassikers aus dem Jahr 1942 deckt Capt. Louis Renault den von Bogart gespielten Rick Blaine, der gerade einen Mord begangen hat, indem er seinen Untergebenen befiehlt, einfach die in solchen Fällen „üblichen Verdächtigen” zu verhaften. Das Budget von „The Usual Suspects“ betrug 6 Millionen US-Dollar. Der Film spielte ein Vielfaches davon ein und wird noch heute zu den raffiniertesten Krimis der Traumfabrik gezählt. Autor McQuarrie und Darsteller Kevin Spacey erhielten für dieses Projekt den Oscar – darüber hinaus hagelte es noch viele weitere Filmpreise. Bereits nach der Premiere liebte das Publikum den Film, auch wenn einige professionelle Kritiker sich von ihm veralbert fühlten. Der mysteriöse Söze wurde vom Produktionsassistenten Scott B. Morgan verkörpert. Frisch zitiert: „Viele aktuelle Filme scheinen unglücklich zu sein, wenn sie keine letzten Szenen haben, welche die Realität aller vorhergegangenen neu definieren. Nennen wir es das Keyser-Söze-Syndrom.“ – US-Kritikerpapst Roger Ebert 1999 in seiner Besprechung zu „Fight Club” „Wenn Sie diesen Film sehen möchten, wird es wegen der Überraschungen sein, daher werde ich nicht mehr sagen. Nur dies: Die letzliche ‚Auflösung’ löst wenig auf – es sei denn, es war ohnehin nicht viel zum Auflösen gegeben. Auch das ist eine Möglichkeit.“ – Roger Ebert 1995 zu „Die üblichen Verdächtigen“

Hauptdarsteller

  • Verbal Kint Kevin Spacey
  • Dean Keaton Gabriel Byrne
  • Fred Fenster Benicio del Toro
  • Michael McManus Stephen Baldwin
  • Dave Kujan Chazz Palminteri
  • Todd Hockney Kevin Pollak
  • Kobayashi Pete Postlethwaite
  • Jeff Rabin Dan Hedaya
  • Jack Bear Giancarlo Esposito
  • Edie Finneran Suzy Amis
  • Redfoot Peter Greene
  • Strausz Louis Lombardi
  • Polizist Christopher McQuarrie
  • Dr. Walters Clark Gregg

Film-Crew

  • Regie Bryan Singer
  • Drehbuch Christopher McQuarrie