
Originaltitel: Abre Los Ojos
Spanien, 1997
Kinostart: 24.01.2002 (FSK: 16)
ca. 117 Min.
Fantasy, Horror, Thriller
César (Eduardo Noriega) ist ein Ekel. Er ist jung, sieht gut aus, ist reich – und ein mieser Chauvinist. Er benutzt Frauen, um sein eigenes Ego zu stärken. Nach einer Nacht wirft er die Frauen hinaus aus seiner Wohnung und will sie niemals wieder sehen. Genau dies wird ihm eines Tages zum Verhängnis: Nuria (Cheta Lera), eine junge Frau, die er nach einer gemeinsamen Nacht kalt abserviert hat, lockt ihn mit einem Trick in ihren Wagen – und stürzt sich mitsamt ihres Geliebten für eine Nacht in einen Abgrund. César überlebt, sein Gesicht aber wird zerstört. Dennoch scheint es für César ein Happy End zu geben: Er verliebt sich in die wunderhübsche Sofia (Penélope Cruz), die seine Liebe erwidert: Mag sein Gesicht eine Fratze geworden sein, so hat der Unfall zumindest seine Seele gerettet.
Die Story klingt nach einem Melodram, einem „TV-Film der Woche“. Doch Halt: Genau das ist dieser Film nicht. Als Zuschauer weiß man von Anfang an, dass César wegen eines Mordes im Gefängnis sitzt. Der Unfall, seine Liebe zu Sofia, alles liegt in der Vergangenheit. In Gesprächen mit einem Psychologen versucht César nun herauszubekommen, was geschehen ist: Hat er wirklich einen Mord begangen? Von Minute zu Minute wird die Geschichte undurchsichtiger: Nuria, im Auto gestorben, liegt eines Tages wieder neben ihm. Dank eines medizinischen Eingriffs wird sein Gesicht wieder hergestellt, doch nach einem Blick in den Spiegel verwandelt es sich erneut in eine Fratze. Manchmal hat César das Gefühl, sich in einem endlosen Albtraum zu befinden, den er kreiert hat. Doch wenn all das, was um ihn herum geschieht, nur sein Albtraum ist, warum kann er aus diesem dann nicht einfach erwachen?
Bei vielen Kritikern gilt dieser Film als einer der besten der 90er Jahre. Vielleicht ist dies ein wenig übertrieben. Dass „Virtual Nightmare – Open Your Eyes“ ein außergewöhnlich guter Film ist, steht jedoch außer Frage – vorausgesetzt, man ist als Zuschauer bereit, sich ganz und gar auf die Geschichte einzulassen, ohne während des Films Fragen zu stellen. Alles, dies sei vorweggenommen, klärt sich am Ende auf!
Sollte man „Virtual Nightmare“ einem Genre zuordnen, dann ist er ein melodramatischer Psycho-fantasy-horror-science-fiction-Thriller. Regisseur und Autor Alejandro Amenábar verbindet alle Genres in einem einzigen Film, ohne dabei auf aufwändige Spezialeffekte zurückzugreifen. Abgesehen von einer beeindruckenden Traumsequenz zu Beginn des Filmes (einer Szene, die keine Effekte benötigt, jedoch eines großen logistischen Aufwandes bedurft hatte) und einer sehr schönen Effekt-Sequenz am Ende des Filmes, erzählt er die gesamte Geschichte ausschließlich über seine Hauptfigur César. Was darf er glauben? Ist er einfach nur ein Verrückter, der einen Mord begangen hat? Oder ist er der einzige Normale in einer Welt, die vollkommen verrückt geworden ist?
„Virtual Nightmare – Open Your Eyes“ ist ein faszinierender Genre-Crossover für all jene Zuschauer, die es etwas anspruchsvoller mögen ...