Originaltitel: Inherit The Wind
USA, 1960
Kinostart: unbekannt (FSK: 12)
ca. 128 Min.
Hillsboro, Tennessee, 1925. Der fortschrittliche Lehrer Bertram T. Cates bringt seinen Schülern die Evolutionslehre nach Charles Darwin bei, stößt damit im erzkonservativen Amerika aber auf wenig Gegenliebe. Als Ketzer beschimpft und der Gotteslästerung verdächtigt, wird Cates vor Gericht gestellt und muss sich gegen die Vorwürfe einer radikal christlichen Gemeinschaft wehren. Zwischen seinem agnostischen Anwalt Henry Drummond und dem erzkatholischen Ankläger Matthew Harrison Brady entwickelt sich ein wahrer Glaubenskrieg im Gerichtssaal.
„We’ll hang Henry Drummond on the highest apple tree“, singen sie von der Straße hinauf in Drummonds Zimmer und verlangen einstimmig wie ein Gospelchor nach „that old time religion“, die ja auch schon für Jonah und Moses gut genug gewesen sei. Nein, die Bevölkerung von Hillsboro hält nichts von dem ach so ketzerischen Gedankengut eines Charles Darwin. Der Mensch, so die nicht zu hinterfragende Überzeugung in diesem Teil der Staaten, stammt direkt vom Herrgott ab, wurde am sechsten Tag erschaffen – und das ist wahr, weil es schon immer so erzählt wurde. Wehe dem, der anderes behauptet und dies auch noch an nachfolgende Generationen weitergeben möchte. Fortschritt sehr gerne, aber bitte nicht in Glaubensfragen.
Und so müssen sich Drummond alias Spencer Tracy und Brady alias Fredric March eben ein juristisches Wortgefecht liefern, das mit Vorurteilen aufräumen will und dennoch an selbigen scheitert. Fälle wie diesen würde Alan Shore heutzutage in der TV-Serie „Boston Legal“ verhandeln. Konzeptionelle, fundamentale Fälle, die Amerika in seinen Grundfesten erschüttern.
Dabei ging es Jerome Lawrence and Robert Edwin Lee gar nicht so sehr um die Gretchenfrage „Wie hast Du’s mit der Religion?“, als sie Mitte der 1950er Jahre mit ihrem Theaterstück „Inherit the Wind“ auf die Suche nach einer Bühne gingen. Zwar basiert das Stück auf einer realen Begebenheit, doch nutzten die beiden Autoren ihre Geschichte als geschickte Parabel für den momentanen Zeitgeist und kritisierten in Brady und den festgefahrenen Menschen aus Hillsboro vor allem die Kommunistenhatz unter Senator Joseph McCarthy und dem House Un-American Activities Committee, die aktuell in den USA grassierte. Um diesen Bogen zur Gegenwart zu schlagen, hatten die Autoren den Handlungszeitraum des Theaterstücks bewusst nicht genauer datiert, sondern nur umrissen. Textstellen in den Dialogen gaben auch mehrfach zu verstehen, dass es sich eben nicht um eine Geschichte aus der Vergangenheit handelte, sondern dass sie in ähnlicher Art im Hier und Heute stattfinden könnte. Unnötig zu erwähnen, dass Lawrence und Lee eine ganze Weile hausieren gehen mussten, bis sich ein Theater fand, das den Mut hatte „Inherit the Wind“ in sein Repertoire aufzunehmen.
Und dieser Mut zahlte sich aus. Nach der Premiere 1955 im New Yorker National Theatre ging das Stück dort – und in der ursprünglichen Inszenierung und Besetzung – stolze 806 Mal über die Bühne. Theaterpreise und Kritikerlob unterstrichen die Leistung des Broadway-Ensembles.
Hollywood schraubte diesen Gegenwartsbezug ein wenig zurück, als es sich 1960 erstmals mit dem Stoff befasste. Nedrick Young und Harold Jacob Smith adaptierten das Theaterstück mit bewusster dichterischer Freiheit, und der 2001 verstorbene Regisseur Stanley Kramer (Flucht in Ketten, Das letzte Ufer) machte daraus ein beeindruckendes Kammerspiel.
Wussten Sie schon …? ... dass Stanley Kramer auch als Produzent aktiv war? Der Kinoklassiker „High Noon“ (Zwölf Uhr mittags) geht auf sein Konto. Der wahre Lehrer Cates hieß John Scopes und stand in Tennessee tatsächlich 1925 wegen Darwin vor Gericht. Grund des Verfahrens war der so genannte Butler Act, gegen den Scopes in seinem Unterricht verstoßen hatte. Dort hieß es nämlich … „dass es für Lehrer in allen Universitäten, Schulen und allen weiteren öffentlichen Lehreinrichtungen des Staates, sofern sie ganz oder zum Teil von öffentlichen Geldern des Staates finanziert werden, ungesetzlich sei, jedwede Theorien zu unterrichten, welche die Geschichte der Göttlichen Erschaffung des Menschen, wie sie die Bibel lehrt, verleugnen, und stattdessen zu unterrichten, dass der Mensch von einer niederen Tiergattung abstammt.“John Scopes wurde übrigens verurteilt. „Inherit the Wind“ wurde mehrfach neu verfilmt. Schon 1965 spielte Ed Begley, Star der ursprünglichen Broadway-Inszenierung, die Rolle in einer TV-Fassung erneut. 1988 strahlte NBC ein Remake des Kramerfilms mit Kirk Douglas und Beau Bridges aus. Und 1999 gaben sich Jack Lemmon und George C. Scott in einer weiteren Verfilmung die Ehre. Alle Versionen wurden von Kritik und Publikum positiv aufgenommen. Frisch zitiert: „Euer Ehren. Ich finde, dass ich für die Verletzung einer ungerechtfertigten Regelung verurteilt wurde. Ich werde mich in Zukunft, wie auch schon in der Vergangenheit, mit allen Mitteln gegen dieses Gesetz auflehnen. Jedes andere Verhalten stünde in direktem Gegensatz zu meinem Idealbild einer akademischen Freiheit: der Möglichkeit, die Wahrheit zu unterrichten, wie sie in unserer Verfassung gewährt wird. Persönliche und religiöse Freiheit. Ich halte das Urteil für ungerecht.“ – John Scopes nach seiner Verurteilung