Space-View Filmguide: Die Zeitmaschiene

Zeitmaschine

Die Zeitmaschiene

Fakten

Originaltitel: The Time Machine
USA, 1960
Kinostart: unbekannt (FSK: 12)
ca. 103 Min.

Genre

Science Fiction

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Inhalt

Die Hauptfigur ist H. G. Wells selbst (gespielt von Rod Taylor), der in langer und harter Arbeit tatsächlich eine funktionierende Zeitmaschine gebaut hat. Als er am Silvesterabend des Jahres 1899 seinen Freunden von seiner Erfindung erzählt, sind diese sehr skeptisch und machen sich über ihn lustig. Nach der Party beschließt George, die Zeitmaschine auszuprobieren. Zunächst reist er nur zaghaft einige Minuten in die Zukunft, macht dann aber, von der eigenen Erfindung fasziniert, Sprünge von einigen Monaten und schließlich mehreren Jahren. Nach einem Atomkrieg im Jahr 1966 wird Wells mitsamt seinem Gefährt von Gestein eingeschlossen. Er muss weit, weit in die Zukunft reisen, bevor er wieder freigegeben wird und stoppt die Maschine erst wieder im Jahr 802.701. In dieser fernen Zukunft trifft er Menschen, die sich selbst „Eloi“ nennen. Sie scheinen in einer Art Paradies zu leben: Sie sind jung und gesund und verbringen ihre Tage in der Sonne am Fluss. Die Eloi leben von den Früchten der üppigen Vegetation und niemand muss arbeiten. George kommt aber sehr schnell dahinter, dass etwas mit den Eloi nicht stimmt. Sie sind seltsam gleichgültig, können weder lesen noch schreiben und haben offenbar alle Errungenschaften der Zivilisation vergessen, nicht einmal Feuer kennen sie. Angesichts dieser Dekadenz und geistigen Leere möchte George in seine Zeit zurückkehren, muss aber feststellen, dass seine Zeitmaschine weggeschleppt und in einem Gebäude mit dicken Metalltüren eingeschlossen wurde. Weena, eine Eloi-Frau, erzählt ihm, dass das Gebäude zu den „Morlocks“ gehört, die ihr Dasein größtenteils in Tunnel und Höhlen unter der Erde fristen. Außerdem erfährt er von alten, immer noch funktionierenden Sprachaufzeichnungen, dass sich die Menschheit nach einem Jahrhunderte dauernden Krieg in zwei Lager gespalten hat: Ein Teil entschied sich, in unterirdischen Höhlen weiterzuleben, die andere Hälfte wollte ihr Glück weiter auf der verseuchten Erdoberfläche versuchen. George erkennt in diesen beiden Bewegungen die Ursprünge von Morlocks und Eloi. In der Unterwelt findet er das grausame Geheimnis der hässlichen, lichtscheuen, grünhäutigen und weißhaarigen Morlocks heraus: Sie halten die Eloi als Nahrungsquelle. Nach einem wilden Kampf mit den Morlocks in den Höhlen gelingt es George, die dort gefangenen Eloi – unter ihnen Weena – zu befreien und aus ihrer Lethargie und Gleichgültigkeit zu reißen. Es kommt zu einem Brand in den Höhlen, der mit dem Zusammensturz des Höhlensystems endet, sodass die Morlocks von nun an keine Gefahr mehr für die Eloi darstellen. Obwohl er sich sehr zu Weena hingezogen fühlt, wird George das Gefühl nicht los, dass er nicht in diese Zeit gehört. Nach einem finalen Kampf gegen die letzten überlebenden Morlocks kann er mit der zurückeroberten Zeitmaschine endlich die Reise zurück in seine Zeit antreten. Völlig abgerissen und erschöpft kommt er am 5. Januar des Jahres 1900 an, nur um festzustellen, dass seine Freunde ihm die abenteuerliche Zeitreisegeschichte immer noch nicht glauben. Nur sein guter Freund David Philby kommt nach kurzer Überlegung zu der Überzeugung, dass George doch die Wahrheit gesagt haben könnte. Er kehrt gerade noch rechtzeitig zum Haus seines Freundes zurück, um zu sehen, dass dieser sich wieder mit der Zeitmaschine auf die Reise gemacht hat ...

geschrieben von: Torsten Karsch und Tschiponnique Skupin

Review

Gesellschaftskritik & Optik

Auch wenn Kritiker bemängeln, dass Wells Grundgedanke – nämlich die Zweiklassengesellschaft der viktorianischen Zeit anzuprangern – im Film nicht genügend gewürdigt wird, so bleibt doch zumindest der Ansatz einer Gesellschaftskritik erhalten. Diese soziale Kritik ist zentrales Thema in Wells Werk. Der Film funktioniert aber auch noch auf einer anderen, visuellen Ebene: Die Zeitreisen werden sehr elegant visualisiert, sie ziehen den Zuschauer in ihren Bann. Herunterbrennende Kerzen, wild rotierende Uhrenzeiger, sich öffnende und schließende Blüten, schnelle Tag- und Nachtwechsel und nicht zuletzt die sich ständig verändernden Kleider der Schaufensterpuppe im Modegeschäft gegenüber von Wells Labor machen dem Zuschauer die Reise durch die Zeit glaubhaft. Für die damalige Zeit waren die Effekte durchaus beeindruckend, und so erhielt der Film dann auch 1960 den Oscar für die besten Spezial-Effekte. Heimlicher Hauptdarsteller des Filmes ist übrigens die Zeitmaschine selbst. Die Produktionsdesigner gaben sich bei der Gestaltung des Gefährts große Mühe. Die Rundungen, der gepolsterte Sessel, die Ornamente und bunten Lichter und die Kristalle gaben ihr gleichzeitig eine gewisse Eleganz und einen futuristischen Anstrich. Das Design passt sehr gut in die viktorianische Zeit, in der der Film anfangs spielt.

Die Besetzung

Da sich die Geschichte sehr auf den Hauptdarsteller konzentriert, war die Besetzung natürlich von großer Wichtigkeit für den Film. Mit dem Australier Rod Taylor fand man den perfekten viktorianischen Gentleman. Rodney Stuart Taylor galt als einer der großen Stars der 60er und frühen 70er Jahre, unter anderem spielte er die männliche Hauptrolle im Hitchcock-Klassiker „Die Vögel“, er drehte mit legendären Darstellern dieser Zeit wie z. B. Elizabeth Taylor oder Richard Burton. Auch die Rolle der sehr hübschen, aber gleichzeitig ziemlich tumben Weena war mit Yvette Mimieux sehr gut besetzt. Ihre Karriere war nach „The Time Machine“ allerdings nicht mehr sehr erfolgreich.

Die Neuverfilmung

2002 kam wieder ein Film mit dem Titel „The Time Machine“ in die Kinos. Es handelt sich dabei um kein Remake des Films von 1960 im eigentlich Sinne, denn es gibt einige Veränderungen in der Handlung, und natürlich fielen auch die Spezial-Effekte zeitgemäßer aus. Trotzdem vermag die Neuverfilmung nicht so zu faszinieren wie das Original. Das liegt zum einen am hölzern agierenden Hauptdarsteller Guy Pearce, zum anderen aber auch daran, dass die weit entfernte Zukunft mit Eloi und Morlocks nichts so Neues und Aufregendes mehr ist, wie sie es vor gut 40 Jahren war. Davon abgesehen machen gerade die nicht perfekten Spezial-Effekte des Originals einen Teil des Charmes der Verfilmung von 1960 aus, auch wenn Stop-Motion und Matte-Paintings heute nicht mehr ganz Stand der Technik sind.

geschrieben von: Torsten Karsch und Tschiponnique Skupin

Hintergrund

Zeitreisegeschichten

Kein anderer Autor hat das Science-Fiction-Genre jemals so beeinflusst und verändert wie der Brite Herbert George Wells (1866-1946). Neben „The War of the Worlds“ zählt sein erster Roman „The Time Machine“ aus dem Jahr 1895 zu seinen wichtigsten. Mit dieser Erzählung erschuf Wells nicht nur eine spannende Geschichte, sondern gleichzeitig ein eigenes Genre innerhalb der Science-Fiction – nämlich das der Zeitreisegeschichten – und gab allen Autoren nach ihm ein völlig neues Werkzeug zum Erzählen von SF-Geschichten an die Hand. Bevor „Die Zeitmaschine“ erschienen war, galten Träume als das einzige stilistische Mittel, mit dem Schriftsteller Teile ihrer Handlung in die Vergangenheit oder die Zukunft verlegen konnten.

Die Verfilmung

Da diese wegweisende Geschichte natürlich auf Zelluloid gebannt werden musste, nahm sich der ambitionierte Produzent und Regisseur George Pal 1960 der Verfilmung an. Der 1908 geborene Pal war seit den 1930er Jahren als Filmemacher aktiv, seine Leidenschaft waren Fantasy- und SF-Filme, er hatte schon im Jahr 1953 Wells Roman „Krieg der Welten“ („War of the Worlds“) verfilmt. Man könnte ihn als Vorgänger von George Lucas und Stephen Spielberg bezeichnen.

geschrieben von: Torsten Karsch und Tschiponnique Skupin

Fazit

Höchstwahrscheinlich wäre früher oder später ein anderer Autor auf die Idee gekommen, eine Zeitmaschine zu erfinden. Da H. G. Wells aber der erste war, gebührt ihm auch der Ruhm und die Anerkennung dafür. Seine Geschichte aus dem 19. Jahrhundert kann man ruhigen Gewissens als visionär bezeichnen. Seit dem Erscheinen der „Zeitmaschine“ ist das Thema Zeitreise aus der Science-Fiction nicht mehr wegzudenken. Unzählige Kurzgeschichten, Romane, insbesondere aber Kinofilme und Fernsehserien schicken ihre Protagonisten regelmäßig in die Vergangenheit oder in die Zukunft. Ohne die Idee der Zeitreise wären beispielsweise die „Zurück in die Zukunft“-Trilogie, „Star Trek: IV“, zahlreiche „Star Trek“-Folgen wie „Die alte Enterprise“, aber auch Episoden beinahe jeder anderen SF-Serie wie „Babylon 5“, „Stargate“ oder ganze Serien wie „Time Trax“ nicht möglich gewesen.

Hauptdarsteller

  • George Rod Taylor
  • Filby Alan Young
  • Weena Yvette Mimieux
  • Dr. Philip Hillyer Sebastian Cabot
  • Anthony Bridewell Tom Helmore
  • Walter Kemp Whit Bissell
  • Mrs. Watchett Doris Lloyd

Film-Crew

  • Regie George Pal
  • Drehbuch David Duncan