Eine neue, alte Crew geht an Bord eines Schiffes, das sich seit Jahren mehr wie unser Raumschiff anfühlt – das der Fans. Nicht wie das von ihnen – Paramount und all denen. Bei einem Popkultur-Phänomen mit so einem aktiven Fandom ist die Ausgangsbasis für jeden, der Hand anlegt, denkbar schwierig. So viele Erwartungen sind mit dem Film „Star Trek“ verknüpft, dass man sich von vorneherein fragt, ob ein Prequel, noch dazu mit der alten Garde in neuer Besetzung, überhaupt funktionieren kann. Insbesondere, wenn es um bereits bestehende fiktionale Tatsachen – sprich den Kanon – geht und ein gutes Drittel der Fans sofort bereit ist, neuen Gesichtern hinter der Kamera ein beherztes „Sakrileg!“ entgegenzuschleudern.
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Und Abrams, Orci und Kurtzman haben sich etwas getraut: Wegen eines Notrufs vom Planeten Vulkan wird die Sternenflotte in Roten Alarm versetzt und sogar die Kadetten aus dem Abschlussjahrgang der Akademie werden eingezogen. McCoy, Sulu und Uhura werden der Enterprise zugeteilt. Kirk kommt als blinder Passagier an Bord und entdeckt, dass der Notruf eine Falle ist.
Aber es ist zu spät. Dem wahnsinnigen Romulaner Nero gelingt es, Captain Pike gefangen zu nehmen und den Planeten Vulkan – ja ganz recht – in die Luft zu sprengen.
Jetzt droht der ganzen Föderation die vollkommene Vernichtung ... Aber das solltet ihr euch dann doch im Kino ansehen.
Kurz gesagt – es funktioniert tatsächlich
Abrams und Co. haben eine packende, temporeiche, coole Story mit dosiert eingestreuter Comedy geschaffen, in der sie – faszinierend – einen neuen Dreh gefunden haben, mit dem Kanon umzugehen. Sie sind sich jeder Regel bewusst – einfach übergangen wird da nichts! Ihnen war augenscheinlich klar, worauf sie sich bei einem 40 Jahre alten Franchise einlassen. In einem Interview mit THR.com bezeichneten die Drehbuchautoren Roberto Orci und Alex Kurtzman „Star Trek“ als einen kulturellen Schatz, an dem man sich nicht vergehen dürfte. Insbesondere, weil beide ebenfalls Trekkies sind und ihr Handwerk verstehen.
Co-Produzent Damon Lindelof („Lost“) brachte alle Anforderungen auf den Punkt: „Wenn man ein Franchise neu belebt, muss der erste Film über die Herkunft sein.“ Das haben Orci/Kurtzman befolgt: „Star Trek“ zeigt, wie die Mannschaft auf der Enterprise zusammenkommt. Im Besonderen geht es dabei um Kirk und Spock. Beide sind noch jung und müssen erst einmal lernen, was sie überhaupt wollen – eine Coming-of-age-Story. Spock kämpft damit, seine menschliche und seine vulkanische Seite unter einen Hut zu bringen und begreift, dass er sich nicht wie ein Vulkanier benehmen kann, weil er quasi nur ein halber ist. Kirk dagegen fühlt, dass er ein geborener Anführer ist, muss es aber erst einmal beweisen und sich den Respekt der Mannschaft erarbeiten.
Dabei ist Kirk der Underdog und Draufgänger, der zum Helden wird. Chris Pine gelingt es, sich die Figur James T. Kirk zu eigen zu machen, ohne dass er zur Shatner-Kopie wird. Sein Kirk ist wirklich nie um einen Spruch verlegen, hat ein Auge für schöne – gern auch grüne – Frauen. In gewisser Weise spielt Zachary Quinto Spock als Kirks Widersacher. Er bringt Spocks emotionale Seite mit minimalen Mitteln und maximalem Ergebnis auf die Leinwand.
An der einzigen Frau auf der Brücke, Uhura – gespielt von Zoe Saldana, zeigt sich am ehesten die Übertragung von „Star Trek“ ins 21. Jahrhundert, denn Uhura hat mehr zu sagen als „Grußfrequenzen offen, Sir“. Sie beteiligt sich an den technischen Diskussionen auf der Brücke und trägt zur Lösung bei – eine Powerfrau wie aus dem (Geschichts-) Buche des 21. Jahrhunderts. Doch das dürfte ja auch Jahrhunderte später noch aktuell sein.
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