Ein betörender Trip ins skurril-bunte Reich der Fantasie

Tim Burtons Alice im Wunderland

Seit „Edward mit den Scherenhänden“, „Charlie und die Schokoladenfabrik“ oder „Sleepy Hollow“ wissen wir: Bizarre Handlungsorte und verschrobene Typen prägten seine Karriere ebenso wie eine ganz besondere Liebe zu Außenseitern und schaurigen bis traurigen Figuren. Daher scheint Kinomagier Tim Burton wie geschaffen dafür zu sein, aus einem der schönsten und fantasievollsten Kinderbücher überhaupt seine persönliche Filmversion in 3D zu machen. Mit dabei ist der unglaublich wandlungsfähige Johnny Depp als verrückter Hutmacher, Burtons Frau Helena Bonham Carter als launenhafte Herzkönigin mit digital aufgeblasenem Kopf, Anne Hathaway als anmutige Weiße Königin sowie die Newcomerin Mia Wasikowska als unschuldige Alice.

Jeder kennt das weiße Kaninchen ...
... dem die neugierige Alice in seinen Unterbau folgt, wo sie in einer traumartigen Unterwelt landet, die vor Paradoxa und Absurditäten nur so strotzt und von den sonderbarsten Kreaturen bevölkert wird. 1865 erstmals veröffentlicht waren „Alice Adventures in Wonderland“ von Lewis Carroll eine sofortige Sensation und sollten die Ausrichtung von Kinderliteratur für immer verändern. Der britische Autor beschrieb erstmalig eine Reise in eine Fantasiewelt – und das sogar noch aus der Kinderperspektive. Ein Kind erhielt erstmals die Freiheit, die Welt und den Lauf der Dinge infrage zu stellen wie auch die oft sinnlos handelnden erwachsenen Figuren, denen sie auf ihrer Reise begegnete. Das Buch wurde sehr beliebt und sollte nie aus den Bücherregalen verschwinden. Sechs Jahre nach dem ersten Roman erschien der zweite Band: „Through the Looking Glas and What Alice Found There“ („Alice hinter den Spiegeln und was sie dort fand“). Beide Bücher dienten fortan als Inspirationsquelle für Kino, Fernsehen und Literatur.
Alices schräger Trip ins Wunderland wurde bereits 24 Mal aufgenommen. Ende Juli 2008 gab Disney bekannt, Tim Burton für eine 3D-Verfilmung und Neuinterpretation des Kinderbuchklassikers engagiert zu haben, die nun also am 11. März 2010 in die deutschen Kinos kommen wird.

Frischer Anstrich
Burtons Verfilmung erzählt eine andere Story als die Romanvorlage, die wir alle in Kindertagen gehört oder gelesen haben. Alice ist nicht mehr ein kleines Mädchen, sondern bereits ein Teenager. Sie ist 17 Jahre alt und kann sich an ihren ersten Besuch im Wunderland gar nicht mehr erinnern. Eines Tages will ihr ihre Familie vor versammelter Gesellschaft verkünden, dass sie heiraten soll. Das gefällt ihr gar nicht, also reißt sie aus und findet sich mit dem weißen Kaninchen im Wunderland wieder. Hier besucht sie jene wundersamen Figuren, denen sie schon beim ersten Mal begegnet war: die Herzkönigin (Helena Bonham Carter), die Weiße Königin (Anne Hathaway), den Hutmacher (Johnny Depp), die Grinsekatze (Stephen Fry), Tweedledee und Tweedledum (Matt Lucas), den Herzbuben (Crispin Glover), die rauchende Raupe (Alan Rickman) und Jabberwocky (Christopher Lee).
Burton erklärt seine neue Herangehensweise damit, dass er noch keine Verfilmung gesehen habe, die ihn wirklich berührt hätte: „Immer gab es nur eine Aneinanderreihung merkwürdiger Ereignisse. In der Regel ist jeder Charakter seltsam (und eindimensional).“ So wird vor allem Johnny Depps Hutmacher endlich mehr Tiefe bekommen. „Er soll nicht einfach nur verrückt sein, sondern eine Hintergrundgeschichte erhalten. (…) Das war mir und Johnny sehr wichtig“, berichtete Burton, der mit seinem Darsteller gemeinsam die Figur neu ausgearbeitet hat.
Ähnliches gilt für Alice. In bisherigen Verfilmungen, so erklärt Burton „wanderte Alice von Begegnung zu Begegnung und wirkte wie eine bloße Beobachterin des Geschehens.“ In seinem Film soll Alice eine Entwicklung beziehungsweise einen Reifungsprozess durchlaufen. Daher wählte Burton für die Titelrolle die Australierin Mia Wasikowska („In Treatment“, „Amelia“) aus, die in ihrer Heimat zwar schon beachtliche Erfolge einfahren konnte, hierzulande aber noch eine Unbekannte ist. Nur ein unverbrauchtes Gesicht könne seine Alice spielen, die sich im Laufe der Ereignisse von ihrer unschuldigen Natur verabschiedet und zur selbstbewussten Frau heranreift. Ihre Rückkehr ins Wunderland bewirkt ihr „Erwachsenwerden, in dem sie zu sich selber findet“, erklärt der Regisseur und fügt hinzu: „Ziel meiner Arbeit ist es, einen fesselnden Film zu machen, bei dem der Zuschauer ein wenig Psychologie mit auf den Weg bekommt, der frischen Wind ins Thema bringt und zudem noch der Originalnatur des Romanes treu bleibt.“

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