Das Filmbüro NW e.V. veranstaltet am Montag, den 8. Dezember 2008, von 10.00 bis 17.30 Uhr ein Symposium zum Thema "Ende der Fiktion? - Das Verhältnis von Realismus und Inszenierung im aktuellen deutschen und europäischen Spielfilm" mit anschließendem Empfang. Um 19:00 Uhr gibt es eine Preview von "DIE KLASSE" ("ENTRE LES MURS") von "Die Goldene Palme"-Gewinner Laurent Cantet im Filmforum NRW/ Museum Ludwig, Köln.
Dass sich etwas tut im europäischen Autorenkino, zeigt ein Blick nach Cannes in diesem Jahr: Der Preis für das Beste Drehbuch ging an “Lornas Schweigen“ (“Le Silence de Lorna“) der belgischen Brüder Dardenne; die Goldene Palme erhielt “Die Klasse“ (“Entre les murs“) von Laurent Cantet; und den Großen Preis der Jury nahm Matteo Garrone für seinen Mafia-Film “Gomorrha“ entgegen. “Vier Monate, 3 Wochen und zwei Tage“, das rumänische Drama von Cristian Mungiu, war der Vorjahres-Sieger in Cannes. So verschieden diese Filme sind: sie setzen auf eine eher karge Inszenierung, auf eine sozial definierte, präzise beobachtete Realität, teilweise auf Laiendarsteller.
Auch junge deutsche Filmemacher fallen mit Geschichten auf, die radikal und bewusst in der Gegenwartsrealität verankert sind. Dabei scheint die Grenze zwischen Inszenierung und Dokumentation oft aufgehoben. Sie haben, vor einigen Jahren angestoßen durch die “Berliner Schule“, zu einem gesteigerten Interesse am deutschen Film beigetragen und verzeichnen Erfolge auf internationalen Festivals. So schaffte es Valeska Grisebachs radikal-realistischer Film “Sehnsucht“ in den Wettbewerb der Berlinale, und das präzise beobachtete Ehe-Kammerspiel “Gegenüber“ des jungen Regisseurs Jan Bonny nach Cannes.
Welche Formen hat dieser Trend zum “Echten“; woher kommt er? Was reizt Filmemacher an einer unspektakulären Inszenierung; wie wird sie vom Zuschauer wahrgenommen? Das ganztägige Symposium “Ende der Fiktion?” untersucht das Spannungsfeld zwischen der Suche nach Wahrhaftigkeit und dem vollkommen gestalteten Kunstwerk. Dabei wird, flankiert von einem Blick zurück in die Filmgeschichte, ausgelotet, wie Realismus, Authentizität oder auch Künstlichkeit im erzählten Film überhaupt definiert werden können, und ob sich manch ähnliche Frage nicht auch den Dokumentarfilmern stellt.
Es diskutieren die Filmemacher Philip Gröning (“Die große Stille”), Andres Veiel (“Black Box BRD”, “Der Kick”), Jan Bonny (“Gegenüber”) und Athanasios Karanikolas (“Elli Makra - 42277 Wuppertal”), der Drehbuchautor Eckhard Theophil (“Rosa Roth“, “Polizeiruf 110“), der Psychologe und Medienwirkungsforscher Dr. Dirk Blothner, die Produzentin Janine Jackowski (“Der Wald vor lauter Bäumen”, “Hotel Very Welcome“), sowie viele andere. Die Filmjournalistin Susan Vahabzadeh führt in das Thema ein; es moderieren u.a. Medienjournalist Fritz Wolf und die Filmjournalisten Frank Olbert und Felicitas Kleiner.
Besonders freuen wir uns, im Rahmen des Symposiums den Cannes-Sieger “DIE KLASSE“ (“ENTRE LES MURS“) von Laurent Cantet in einer Preview (Originalfassung mit Untertiteln, Start: 15. Januar 2009) zeigen zu können.
Das vollständige Programm steht ab dem 17. November 2008 unter der website www.filmbuero-nw.de .