Space-View Rezension :: Remastered DVD-Box

Star Trek: Raumschiff Enterprise - Staffel 1

Remastered DVD-Box

Im Sommer 2006 überraschte CBS Paramount Television das „Star Trek“-Fandom mit einer unerhörten Nachricht: „Raumschiff Enterprise“ beziehungsweise „Star Trek: The Original Series“ sollte erneut ins Fernsehen kommen – und zwar in überarbeiteter Form! Besseres Bild, besseren Ton und schicke neue Spezialeffekte versprachen uns die Verantwortlichen – wobei gerade die CGI-Eingriffe in das alte Material die Fans in zwei Lager spaltete. Während die einen „Sakrileg“ schrieen, freuten sich die anderen über die visuelle Frischzellenkur. Mit dem Erscheinen der Staffel-1-DVD-Box ist es uns nun auch hierzulande möglich, einen genauen Blick auf „des Captains neue Kleider“ werfen.

So bunt wie nie
Eins muss ich vorab sagen: Ich war schon immer ein großer Freund gut gemachter Special Editions. „Aliens“ im Directors Cut, „Königreich der Himmel“ in der Langversion, ja selbst den generalüberholten „Krieg der Sterne“ habe ich mit leuchtenden Augen genossen (obwohl sich die Macher – im Falle des Letzeren – wirklich einige Klöpse erlaubt haben). Insofern war ich von der Information, dass die klassischen Abenteuer von Kirk, Spock & Co bald in neuer Pracht erstrahlen würden, zunächst einmal begeistert. Ich gehöre zwar vom Alter her in die „Next Generation“, aber „Raumschiff Enterprise“ mit seinen sympathischen Helden hat bei mir immer den Nostalgiebonus gehabt. (Und egal was ich gleich schreiben werde: Ich finde die Modellaufnahmen der „Enterprise“ auch heute noch großartig.)

Aber kommen wir ins Hier und Jetzt zurück. Vor drei Jahren kam „Raumschiff Enterprise“ erstmals in Deutschland auf DVD heraus und schon damals schien es jedem, der bislang nur schlechte TV-Ausstrahlungen kannte, als erlebe man eine ganz neue Reise zu den Sternen. Kirks Kampf gegen den Gorn in „Arena“, das Katz-und-Maus-Spiel der „Enterprise“-Besatzung mit den Romulanern in „Balance of Terror“, der gefährliche Zeitsprung in die 1960er in „Tomorrow is Yesterday“ oder die erste Konfrontation mit dem genetischen Übermenschen Khan in „Space Seed“ – all diese klassischen Staffel-1-Episoden ließen sich endlich werbefrei, mehrsprachig und in bis dato ungesehener Qualität neu erleben.

Und nun gibt es das Ganze noch besser? Ich habe es erst kaum glauben mögen und daher auch beide Versionen direkt verglichen. Das Ergebnis: Wow! Die Bildqualität der DVDs 2004 war tatsächlich noch nichts im Vergleich zu dem, was Paramount jetzt veröffentlicht hat (und ich spreche nicht einmal von der HD-DVD-Version!). Die alten Episoden erstrahlen in unglaublicher Schärfe und Farbenpracht und so sauber, als wären sie erst vor wenigen Monaten gedreht worden. Das hatte ich anfangs (vor meinem Vergleich) nur mit einem wohlwollenden Nicken zur Kenntnis genommen – erst, als ich meine alten Silberlinge zur Rate zog, erkannte ich, wie viel Arbeit die Produzenten David Rossi, Mike Okuda und Denise Okuda in die Restaurierung des ursprünglichen Filmmaterial haben investieren lassen.

Wie die Dokumentation auf DVD 1 (beziehungsweise HD-DVD 10) „Spacelift: Raumschiff Enterprise im 21. Jahrhundert“ verrät, wurden alle Aufnahmen von 35mm-Filmbändern erneut und hochauflösend abgetastet und danach mithilfe ausgefeilter Reinigungsprogramme digital gesäubert – stellenweise auch Bild für Bild per Hand. Schärfefilter und eine intensive Farbkorrektur kamen ebenso zum Einsatz. Das mag mitunter zwar zur Folge haben, dass das Bild fast zu farbig erscheint (erkennbar an der gesunden Bräune der Figuren). Aber man hat sich dermaßen schnell an den, zweifellos zu der damaligen Zeit passenden Technicolor-Look gewöhnt, dass alle früheren Versionen dagegen wortwörtlich verblassen.

Schöne(r) neue(r) Welt(raum)
Im Gegensatz zur Marketingabteilung von Paramount und zu den Debatten zahlreicher Fans sehe ich in dieser Restaurierung des alten Filmmaterials die eigentliche Leistung von „Raumschiff Enterprise Remastered“. Denn tatsächlich nehmen die neuen Effekte, die wahlweise bejubelt oder verdammt werden, gar nicht so viel Raum ein, wie manch einer glauben mag. Verändert wurden vor allem die Weltraumsequenzen – die aber praktisch durch die Bank.

So gleitet nun eine neue, grau glänzende „Enterprise“ durchs All, und ich gebe zu, hier mögen Zweifel angebracht sein. Denn die Qualität dieses CGI-Raumschiffs schwankt seltsamerweise. In manchen Shots bemerkt man nur, dass sie irgendwie „moderner“ wirkt als das ursprüngliche Modellschiff (was teilweise auch an den abwechslungsreicheren Außenaufnahmen liegt). Gelegentlich wird aber die allzu glatt gerenderte Oberfläche schmerzlich bewusst. Ich kann mir das nur mit dem knappen Bearbeitungsfenster, das der verantwortlichen Firma CBS Digital gewährt wurde, erklären, das mitunter schlicht ein „learning by doing“ erforderlich machte.

Rundum gelungen sind hingegen die sonstigen „Verbesserungen“ des Weltraums. Die Planeten haben deutlich an Topographie und somit visuellem Reiz gewonnen, sowohl aus dem Orbit gesehen, als auch auf der Oberfläche. Meist wurden die zwangsläufig (weil im Studio realisierten) sehr nahen Establishingshots des alten Materials durch neue Panoramaschwenks ersetzt, sodass man ein besseres Gefühl für die Planetenoberfläche bekommt. Auch zahlreiche neue Raumschiffe gibt es zu bewundern. Was einst oft ein farbiger Klecks auf dem „Schirm“ der Brücke war, hat nun an Form und Exotik gewonnen, so etwa der Frachter von Harry Mudd oder der Alienkugelraumer Fesarius. Gleiches gilt für außerirdische Phänomene wie die galaktische Grenze in „Where No Man Has Gone Before“.

Ansonsten wurden vor allem Kleinigkeiten verbessert. Beispielsweise wurde Scottys Phaser in „The Naked Time“ ein roter Strahl verpasst, während der Ingenieur versucht, sich zu den Kontrollen der Maschinenraumtür durchzuschweißen – im Original fehlte dieser Effekt. Aber derlei Korrekturen setzte man höchst sparsam ein. Gebeamt wird etwa noch auf die gleiche, altmodisch flimmernde Art und auch die Bildschirmdarstellungen an Bord der „Enterprise“ wurden nicht modernisiert. Zu guter Letzt belebte man einige wenige Szenen durch etwas Personal im Hintergrund – und hier ließen es sich die Macher nicht nehmen, sich persönlich im Universum von „Star Trek“ zu verewigen. So sieht man direkt in der ersten Einstellung auf Starbase 11 in der Doppelfolge „The Menagerie“ kleine Versionen von Dave Rossi, Mike Okuda, Denise Okuda und anderen Mitarbeitern auf dem Gelände herumstehen (nicht erkennbar, selbst wenn man es weiß).

What’s in the Box?
Die Erstausgabe der Abenteuer von Kirk, Spock & Co kam noch im verspielt-hippen 1960er-Jahre-Brotbox-Design daher. Das Raumschiff Enterprise des 21. Jahrhunderts muss natürlich cooler wirken. Entsprechend „schwebt“ die schicke gelbe Pappbox, die den geklebten Stack mit 10 DVDs enthält, in einer eckigen Klarsichtbox, was auf Promo-Fotos großartig aussieht, in Realität aber eher schlicht wirkt. Das einst beiliegende Booklet wurde hier durch fünf Folienscheiben ersetzt, die sehr futuristisch wirken, kurioserweise allerdings komplett in Englisch gehalten sind. Mir ist das egal, aber ich kann mir Käufer vorstellen, die von den englischen Titeln der Episoden und den ebenfalls englischen Episodenbeschreibungen irritiert werden.

Die Silberlinge selbst sind natürlich völlig schmucklos, dafür aber bieten sie gleich die doppelte Portion Inhalt. Auf Seite A befinden sich alle Episoden im HD-DVD-Format, das mit einer noch besseren Bildqualität und umfangreichem Informationsmaterial zu sieben Schlüsselabenteuern punkten kann. Auf Seite B liegen die Folgen im normalen DVD-Format vor, inklusive einer Mischung aus bereits bekanntem und neuem Bonusmaterial.

Das DVD-Menü, das uns im Transporterraum der „Enterprise“ willkommen heißt, ist äußerst farbenfroh, bleibt allerdings hinter der Pracht mancher Konkurrenzprodukte zurück. In der HD-DVD-Version wirkt die Präsentation etwas schicker, aber die Menüführung mit ihren aufklappenden Untermenüs ist etwas unübersichtlich. Die Anordnung der Episoden auf den Silberlingen ist dabei leider in Ausstrahlungsreihenfolge, nicht in der eigentlichen Produktionsreihenfolge geschehen, allerdings kann man mithilfe der Episodennummern sich die ursprüngliche Abfolge rekonstruieren, wenn man will.

Bonusmaterial satt
Das Bonusmaterial ist einmal mehr äußerst gelungen. Käufer, die bislang von der 2004er-DVD-Box Abstand genommen haben, wird es freuen zu hören, dass alle Features der damaligen Ausgabe auch auf die vorliegenden Silberlinge gebrannt wurden. Im Unterschied zu damals sind sie nicht auf der achten Scheibe abgelegt, sondern verteilen sich auf die einzelnen Silberlinge. Unverständlicherweise wurden die vier Textkommentare zu Schlüsselepisoden entfernt, dafür finden sich aber im HD-DVD-Teil sieben Multimediakommentare. Ebenso entfernt wurde die Fotogalerie und die Trailer zu „The Next Generation“, „Deep Space Nine“ und „Voyager“ – das allerdings sind Einsparungen, die man leicht verschmerzt.

Geblieben sind also neben den alten Trailern, die es (auf der DVD-Seite) zu jeder einzelnen Episode gibt und die einen Einblick in die noch recht spoilerlastige Previewpolitik im TV der 1960er Jahre gewähren:

„Die Geburt einer zeitlosen Legende“ – eine Doku zum Beginn von „Star Trek“. Dabei kommen praktisch alle Protagonisten der ersten Staffel zu Wort und auch Meister Roddenberry himself meldet sich in sympathischen Interviewschnipseln aus einem 1988 aufgenommenen Gespräch zu Wort.

„Reflektionen über Spock“ – Leonard Nimoy legt seine Beziehung zu Spock dar sowie seine Motivation zum Schreiben der zwei unter Fans heiß diskutierten Bücher „I am not Spock“ und „I am Spock“. Dabei räumt er auf sehr diplomatische Weise mit einigen Vorurteilen bezüglich seiner Einstellung zu „Star Trek“ auf.

„Leben jenseits von Star Trek: William Shatner“ – eine Art Insidergag. Es heißt ja, dass Mr. Shatner keine Gelegenheit verstreichen lässt, von seinen Pferden und seiner Reitleidenschaft zu erzählen. Dieses Feature widmet sich nun ausschließlich der Reitleidenschaft des „Captains“. „Star Trek“ wird mit keinem Wort erwähnt! (Und weil das Interview drei Jahre alt ist, spielt auch sein Comeback als männliche Ally McBeal in „Boston Legal“ keine Rolle.)

„Wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist... Staffel 1“ – eine Analyse einzelner, herausragender Episoden der ersten Staffel sowie des generellen Umfelds, in dem diese Staffel entstand. Vor allem Nimoy ist es erneut, der nette Anekdoten zum Besten gibt, aber auch George Takei und sogar Ricardo „Khan“ Montalban erinnern sich auf kurzweilige Art und Weise.

„Klatsch und Tratsch: Romanzen im 23. Jahrhundert“ – ein echtes Hightlight. Es geht um die Liebesgeschichten der Crew – vor allem die Captain Kirks. Wie kurios klingt es da, dass Shatner den Womanizer Kirk eigentlich viel lieber zölibatär angelegt hätte und mitunter regelrecht angewidert war von all der holden Weiblichkeit. Ganz im Gegensatz zu Walter Koenig, der Chekov noch Heerscharen von Frauen mehr gegönnt hätte!

„Sci-Fi Visionäre“ – ein Feature über die Drehbuchautoren hinter den Abenteuern der „Enterprise“. Renommierte SF-Autoren wie Harlan Ellison und Ted Sturgeon schrieben Episoden für die Serie, andere wie Ray Bradbury spazierten zumindest übers Set, bevor sie ausgesucht höflich eine Absage erteilten. Das Ziel war, Gene Roddenberrys Vision einer Science-Fiction-Serie mit echten Botschaften umzusetzen – ein Ziel, das letztlich ein gutes Stück für den Erfolg der Serie verantwortlich war.

Exklusives Material dieser Ausgabe
Aber es gibt neben den alten Dokus auch einiges Neues zu entdecken. Das sicher interessanteste neue Feature sind die Multimediakommentare, die zu sieben Schlüsselepisoden aufgenommen wurden. Aktiviert man diese vor dem Abspielen der Folge, befindet sich im schwarzen Balken rechts neben dem 4:3 TV-Bild ein „Starfleet Access“-Symbol. Über diesem leuchten im Laufe der Spieldauer praktisch ununterbrochen verschiedene weitere Symbole auf, die einem Zusatzinformationen zum Gezeigten liefern. Das beginnt bei Datenbankeinträgen zu Charakteren, Schiffen, Technologien und geschichtlichen Ereignissen und endet mit kleinen Videoeinspielern, in denen „Star Trek“-Spezialisten und -Mitarbeiter wie die Okudas, die Reeve-Stevens und andere kuriose und wissenswerte Details zum Besten geben.

Kurioses und Wissenswertes findet sich auch in „Billy Blackburns Schatztruhe“, einem knapp viertelstündigen Feature, während dem der gleichnamige Nebendarsteller aus dem Nähkästchen plaudert, der immerhin in 59 Episoden mit von der Partie war und neben dem Navigator Lt. Haley auch mal einen Ziegenhirten, den weißen Hasen in „Shore Leave“ und den Gorn (in den Nahaufnahmen) in „Arena“ mimte. Optisch untermalt werden die Anekdoten des Veteranen von alten Heimfilmen, die er damals mit seiner Kamera am Set drehte – allerdings besteht dieses seltene dokumentarische Material vor allem aus Schnipseln und enthält wenige Informationen.

Die Dokumentation „Spacelift: Raumschiff Enterprise im 21. Jahrhundert“, die das Entstehen der restaurierten Version der Serie zum Thema hat, wurde eingangs schon beschrieben. Was noch bleibt, sind ein kurzer Ausblick auf das „Star Trek Online“-Spiel, das wirklich abgefahren aussieht und selbst mich, der mit MMORPGs echt nicht viel am Hut hat, in gefährliche Versuchung bringen könnte. (Na? Wer wäre dabei, die „U.S.S. Space View“ zu bemannen?) Zuletzt kann man bei der „Interaktiven Enterprise Inspektion“ einen kleinen Rundflug um das digitale Schiff unternehmen, der einem die Technik des Flaggschiffs des Roddenberryschen Universums nahe bringt.

Fazit: Man möge mich als Fan der Classic-Serie voreingenommen nennen, aber diese (HD-)DVD-Veröffentlichung hat es echt in sich. Die alten Folgen erstrahlen im neuen Gewand, die digitalen Effekte sind überwiegend behutsam und gelungen in das bestehende Material integriert worden und das Bonusmaterial bietet Vielerlei an interessantem und abseitigem Trek-Wissen für Fans jeder Art. Wer die alte DVD-Box nicht besitzt, dem kann ich diese neue Edition nur ans Herz legen (auch weil man damit für die hochauflösende Zukunft gerüstet ist, ohne dazu gezwungen zu werden), wer damals bereits zugeschlagen hat, muss sich überlegen, ob ihm die aufgebohrte technische Präsentation den Umstieg oder Doppeltkauf wert ist.

STAR TREK: Raumschiff Enterprise – Staffel 1 Remastered DVD-Box


USA 1966/2006. Regie: Marc Daniels, Robert Butler u.a. Buch: Gene Roddenberry, Gene L. Coon, D.C. Fontana u.a. Kamera: Gerald Perry Finnerman u.a. Musik: Alexander Courage, Fred Steiner. Produktion: Gene Roddenberry, Robert H. Justman, Gene L. Coon u.a.
Darsteller: William Shatner, Leonard Nimoy, DeForest Kelley, Nichelle Nichols, George Takei u. a.
10 HD-DVDs/DVDs (Combo-Format)
Länge: 1403/1455 min.
Bildformat: 1,33:1 (4:3)
Tonformat: Englisch (Dolby Digital 5.1 Surround), Deutsch (Mono), Französisch (Mono), Spanisch (Mono), Italienisch (Mono), Englisch (Dolby True HD)
Untertitel: Englisch für Hörgeschädigte, Englisch, Deutsch, Dänisch, Finnisch, Französisch,Griechisch, Holländisch, Italienisch, Norwegisch, Portugisisch, Schwedisch, Spanisch, Tschechisch, Türkisch, Ungarisch
Bonusmaterial: Sternenflotten-Zugang zu 7 Schlüsselepisoden, „Spacelift: Raumschiff Enterprise im 21. Jahrhundert“, „Billy Blackburns Schatztruhe: Seltene Heimfilme und besondere Erinnerungen“, „Star Trek Online Spiele-Vorschau“, „Interaktive Enterprise Inspektion“, Trailer, „Die Geburt einer zeitlosen Legende“, „Reflektionen über Spock“, „Leben jenseits von Star Trek: William Shatner“, „Wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist ... Staffel 1“, „Klatsch und Tratsch: Romanzen im 23. Jahrhundert“, „Sci-Fi Visionäre“.
Vertrieb: Paramount Home Entertainment
Erschienen am 28.11.2007
Listenpreis: 149,99 €

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