Space-View Rezension :: Season-2-DVD-Box

Voyager

Season-2-DVD-Box

All alone in the dark ...


Falsches Universum? Ja ja, ich weiß. Aber das Zitat passte so schön, das konnte ich mir nicht verkneifen. Und es stimmt mehr denn je. Auch in der zweiten Staffel von „Star Trek Voyager“, die unlängst planmäßig auf DVD erschien und damit den Anteil an Karmesinrot im DVD-Regal jedes liquiden Star-Trek-Fans in die Höhe treiben sollte, sind Captain Kathryn Janeway, ihre Crew und ihr „tapferes, kleines Schiff“ in der Leere des Delta-Quadranten verschollen. Immer wieder wird in dieser Season, die Produzent Michael Piller zu seinen Top-4 aller Star-Trek-Staffeln, an denen er beteiligt war, zählt, betont, wie weit die Voyager von der Heimat entfernt ist und wiederholt wird in Frage gestellt, ob die bislang gelebten Richtlinien der Föderation so weit draußen noch ausreichend sind, um das Überleben zu sichern.

Die zweite Staffel weist einige ziemlich gelungene und abwechslungsreiche Einzelfolgen auf – meine Favoriten: Episode #16 „Gewalt“, in der Tuvok an einem sinnlosen Mord zu knabbern hat, und Episode #18 „Todessehnsucht“, in der ein Q die Unsterblichkeit Leid ist und John de Lancie und Jonathan Frakes Gastauftritte haben –, widmet sich aber gleichzeitig auch dem Vorantreiben des losen Story-Arcs der Heimkehr in den Alpha-Quadranten. Stärker als in der ersten Staffel wird in der zweiten auf eine Continuity der Ereignisse geachtet, was vor allem in Details sehr nett ist, wenn sich also Neelix mit Tom Paris zofft und ein paar Folgen später auf den Streit verweist oder der Psychopath Lon Suder in Episode #16 inhaftiert wird und zum Staffelfinale noch immer in seiner Zelle hockt. Während die Vidiianer als gruselige Antagonisten ziemlich in den Hintergrund treten, tauchen die Kazon in zunehmender Frequenz auf, was der Reise der Voyager einen angenehm konstanten Bedrohungslevel verpasst (vor allem, wenn man die eine oder andere Episode zwischendurch überspringt ;-) ). Am allerbesten ist natürlich der immer wieder aufgegriffene Handlungsfaden um die Verräterin Seska, die Janeway und vor allem ihren alten Liebhaber Chakotay ein paar Mal grandios dumm dastehen lässt.

Die zweite Staffel ist mit 26 Episoden die erste „volle“ (wenngleich sie sich teilweise aus für die erste Staffel gedrehten Folgen rekrutiert) und – wie immer – auf sieben Silberlingen niedergelegt, wobei auf der siebten DVD zusätzlich die Extras untergebracht wurden. Die Bildqualität hat im Vergleich zur ersten Staffel nochmal zugelegt und sieht für eine Serie wirklich gut aus. Und auch über die Tonqualität gibt es nichts Negatives zu sagen – außer vielleicht, dass sich die Surround-Effekte in Grenzen halten, aber „Voyager“ hat ja auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel.

Das Boxen-Design ist völlig identisch zu dem der ersten Staffel: rote Hülle, silberner Aufdruck, neckisch „ausgesägte“ Fenster, farblich abgestimmte Pappummantelung im Inneren und nach wie vor lieblos schmale Klarsichthalterungen samt Klebestreifen zur Aufbewahrung der eigentlichen Bildträger. Das Startmenü hingegen bietet Abwechslung mit einer anderer Farbpalette und neuen Anflugswinkeln des Raumschiffs – ein netter Gag, denn bei allen bisherigen ST-Boxen, die durch meinen DVD-Player wanderten, waren die Menüs immer identisch (es sei denn, mir sind subtile Details entgangen ... aber wer achtet schon auf Menüs ...).

Zu den Specials: Erneut durchschnittliche Star-Trek-Kost, möchte man sagen. Sehr positiv ist mir die immerhin rudimentäre Variante eines Audiokommentars aufgefallen, der in Form von Textblöcken die erste Episode „Die 37er“ kommentiert. Zwar widmen sich die Infotafeln weniger der Realisierung der Episode als vielmehr lose assoziierten Hintergundinformationen z.B. über den Ford Pickup, der im All rumschwebt, oder die Piloten Amelia Earhardt. Nichtsdestoweniger gilt eindeutig: Guter Ansatz! Mehr davon!

Ansonsten gibt es die klassische Reihe an Fortsetzungen von Features aus der ersten Staffel, die jeweils zwischen 6 und 16 Minuten dauern.

In „Auf ins Unbekannte: Staffel 2“ erzählen die Macher Rick Berman, Michael Piller und Jeri Taylor von den Wandlungen der Herausforderungen, der Charakterzeichnungen und der Action-Inszenierung der zweiten Runde „Voyager“. Die „Voyager Zeitkapsel“ nähert sich diesmal Tuvok an und bietet ein sehr schönes, persönliches Interview mit Darsteller Tim Russ. Das Interview mit Martha Hackett im Rahmen des Features „Außergewöhnliche Saboteurin: Seska“ ist leider etwas kurz ausgefallen und auch „Ein Tag im Leben von Ethan Phillips“ ist eher ein Zusammenschnitt aus bits-and-pieces als ein zusammenhängender Beitrag über Freud und Leid der Verkörperung von Neelix.

Sehr interessant ist auch in der zweiten Staffel „Roter Alarm: Visuelle Effekte“ geraten. Es ist echt verblüffend, welcher Tricks sich die Effektkünstler Woche für Woche bedient haben. Als alter „Behind the Scenes“-Fan könnte ich darüber Stunden und Stunden Geschichten hören, bedauerlicherweise waren es dann doch wieder nur 13 Minuten. Gleichermaßen wieder mit von der Partie ist André Bormanis, der allerdings im Kern seine Botschaft aus der ersten Staffel paraphrasiert und nur wenig konkrete Beispiele seiner Tätigkeit als wissenschaftlichen Berater der Serie anbringt.

Ein regelrechter Hohn (sorry) ist das Feature „Borg Invasion 4D“. Ein grandioser Trailer für den neuen Theme-Ride des „Star Trek: The Experience“-Parks im Hilton Hotel in Las Vegas macht Lust auf einen feinen Blick hinter die Kulissen, doch nach 57 Sekunden ist alles schon wieder vorbei. Es bleibt bei dem Trailer. Mehr ist da nicht. Nada. So ein Beschiss! Vermutlich wurde der Rest des Features von den Borg assimiliert...

Eine Bildergalerie und zwei DVD-Werbetrailer für die TNG- und DS9-Boxen schließen das reguläre Feature-Programm ab, doch dann folgt noch ein feiner Gimmick, der exklusiv auf der deutschen Version des Box-Sets existiert: „Das Design der U.S.S. Voyager“ lässt Designer Rick Sternbach zu Wort kommen, der in aller Kürze die Hinleitung zum bekannten Äußeren von Janeways Space-Vehikel umreißt. Sehr schön werden die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zur früheren Galaxy-Klasse hervorgehoben und diverse wirklich coole Skizzen machen dieses Feature zum visuellen Highlight der gesamten Extras.

Alles in allem kann man sich mit den Special Features ca. eineinhalb Stunden ganz nett beschäftigen, wobei die Qualität allerdings im Vergleich zur ersten Staffel etwas abfällt. Nach wie vor schmerzlich vermisst werden, von meiner Seite zumindest, die Audiokommentare zu einzelnen Schlüssel-Episoden. Außerdem hätte ich mir mehr Einblicke „Behind the Scenes“ gewünscht. Auch „Outtakes“ oder „Deleted Scenes“ wären höchst unterhaltsame Zusätze zum bestehenden Bonusmaterial gewesen.

geschrieben von: Bernd Perplies

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