Mondbasis Alpha 1: Serien von A-Z

Mondbasis Alpha 1

Fakten

Originaltitel: Space: 1999
Großbrittanien, 1975 bis 1977

Genre

Science Fiction


Vorstellung

Der Mann im Mond hat einen Namen. Der lautet John Koenig, und dieser wiederum hat frappierende Ähnlichkeit mit dem Schauspieler und Oscar-Preisträger Martin Landau. Ist irritierend, nehmen wir aber mal so hin. John Koenig ist Commander auf einer Raumbasis, die auf dem besiedelten Mond betrieben wird. Das alles spielt in einer fernen Zukunft, genauer gesagt im Jahr 1999.

Hä?
Das ist schon korrekt. Es handelt sich um eine SF-Serie, John Koenig heißt die Hauptfigur und wird von Martin Landau dargestellt. „Space 1999“ lautet der Originaltitel dieser TV-Serie, die Mitte der 70er Jahre in Großbritannien produziert wurde. Dass wir im Jahr 2005 den Titel etwas argwöhnisch betrachten könnten, dachten sich die Mainzelmännchen des ZDF bereits, als sie Ende der 70er die Serie kauften und den Namen „Mondbasis Alpha 1“ kreierten.

Da schlägt es dem Fass den Boden aus!
Nicht ganz, aber beinahe. Das Fass ist in der Serie unser aller Heimatplanet, die Erde, und der Boden ist ihr einziger Trabant. Auf Grund rätselhafter, nicht näher definierter, aber auf jeden Fall drastischer Reaktionen im chemischen Gleichgewicht des auf dem Mond gelagerten Atommülls kommt es zu Entladungen, die wie ein Raketenantrieb funktionieren und den Mond aus seiner Umlaufbahn um die Erde schleudern. Er rast hinaus ins Weltall, um neue Lebewesen zu entdecken, neue Zivilisationen. Der Mond dringt dabei in Bereiche vor, die nie ein Mensch zuvor ... Entschuldigung. Falsche Serie.

Ist das nicht etwas lächerlich?
Ja. So ziemlich. Aber es sei der Serie zu Gute gehalten, dass es nun mal ein Ereignis geben musste, welches die Handlung in Gang bringt. Für Fernsehzeitschriften, die den Inhalt neuer Programmpunkte meist in zwei Zeilen beschreiben müssen, war dieser Einstieg äußerst nützlich. Konnten die TV-Redakteure doch die Idee mit den Worten „Nach einer gewaltigen Explosion driftet der Mond aus seiner Umlaufbahn um die Erde und reißt die Besatzung der einzigen Basis ‚Alpha 1’ mit sich.“ leicht beschreiben. Für die Produzenten der Serie war das wiederum nützlich. Zwar hatte die nachfolgende Serie kaum noch etwas mit dieser Katastrophe zu tun – bereits in der ersten regulären Episode dreht sich kaum noch etwas um eine Rückkehr zur Erde oder um eine Verarbeitung etwaiger Traumata, sondern schlicht um einen toten Wissenschaftler, der plötzlich frisch und munter wieder auf der Mondbasis erscheint –, aber die Quoten am 6. September 1975 mussten stimmen und taten das nicht, zuletzt auch dank dieser aufmerksamkeitsheischenden Kurzbeschreibung.

Rätselhafte Begegnungen
Sicher, die insgesamt 48 Episoden, in denen die „Mondbasis Alpha 1“ durch die unendlichen Weiten rast, strotzen vor Ungereimtheiten und geben das in den 70er Jahren vorherrschende Bild von TV-Science-Fiction ziemlich gut wieder. Da trifft der Mond mitunter im Wochenabstand auf andere Planeten, wird von Aliens besucht, die ihn wahlweise zerstören oder annektieren wollen, oder Besatzungsmitglieder ersetzen, kopieren, aber meist auf jeden Fall töten. Mit Mut, Entschlossenheit, den „Adlern“ – die Raumschiffe der Mondbasis – und jeder Menge „Dei ex Machina“ bekommen Commander Koenig und seine Besatzung aber alle Probleme innerhalb von 45 Minuten schnell wieder in den Griff. Nur das eine nicht: Die Erde bleibt für sie unerreichbar.

Wer, warum, wie lange?
Der Mann hinter „Space 1999“ trägt den Namen Gerry Anderson und ist als SF-Produzent in den 60er und 70er Jahren beileibe kein Unbekannter gewesen. So war die Serie auf dem herumrasenden Mond längst nicht seine erste Arbeit für das Genre. Die großartigen „Thunderbirds“ sind vielen sicher heute noch ein Begriff – auch ohne die Realverfilmung von Jonathan „Riker“ Frakes. Anderson steckt aber nicht nur hinter diesem Klassiker, auch die Serie „UFO“, in der irdische Agenten den Kampf gegen finstere Aliens aufnahmen, wurde von ihm produziert. Tatsächlich ist „Mondbasis Alpha 1“ auf gewisse Weise eine Art Resteverwertung dieser SF-Serie. Die lief Anfang der ersten Staffel so gut, dass der Sender Anderson das Okay für eine zweite Staffel gab. Die sollte – Spitz, pass auf! – hauptsächlich auf dem Mond spielen, wo die Agenten eine ... na, was? Basis unterhielten. Die Sets für diese Mondstation waren längst in Produktion gegangen, als die Quoten von „UFO“ böse einbrachen und eine Fortführung unrentabel machten. Die Kulissen jedoch waren inzwischen fertig, und das Produktionsstudio musste sie verwerten. Anderson machte aus dieser Not eine Tugend und ersann ein neues Serienkonzept, eben jenes zu „Space 1999“. Vom 06.09.1975 bis zur letzten Folge „The Dorcons“ am 27.03.1977 dauerten die Abenteuer der Mondbasis, die in diesem Jahr dann auch nach Deutschland kam. Die deutsche Erstausstrahlung lief vom 7.8.1977 bis 15.10.1978 jeweils sonntags um 18:15 Uhr im ZDF. Aber wie es das ZDF seinerzeit mit Serien aus Übersee so hielt, wurden auch bei „Mondbasis Alpha 1“ die Folgen mit Argusaugen gesichtet und einzeln eingekauft bzw. abgelehnt. Von den 48 produzierten Episoden wurden nur glatte 30 genommen und synchronisiert. Dass aus heutiger Sicht vor allem die 18 damals verschmähten Abenteuer Action und Spannung bieten, gibt ganz gut die Veränderung des Zeitgeists und der Sitten über die Jahrzehnte wieder.

Wo gibt es das zu sehen?
In den der Erstausstrahlung im ZDF folgenden Jahren hüpfte die Serie von einem Sender zum nächsten. ZDF, Sat.1, Kabelkanal, Pro7 und sogar der inzwischen umbenannte und nicht mehr existente ehemalige Championsleague-Fernsehsender tm3 strahlten die 30 vorhandenen Episoden aus. Drei Film-Zusammenschnitte einzelner Folgen liefen 1997 außerdem im Vormittagsprogramm von Pro7, wobei „Alien Attack – Die Außerirdischen schlagen zurück“, „Black Sun – Der Todesplanet greift ein“ und „Angriff auf Alpha 1“ komplett neu synchronisiert und inhaltlich etwas zerrissen wenig Quote brachten und kaum noch einmal aus der Mottenkiste geholt werden dürften. Aber natürlich gibt es eine Alternative zu den Fernsehausstrahlungen in Form von kleinen Silberlingen in zwei dekorativen Boxen. Guess, what: Die DVDs zur Serie sind natürlich auch erhältlich.

„Mondbasis“ auf DVD
Wer sich wundert, wie man beispielsweise den 1982 verstorbenen Synchronsprecher von Martin Landau, Manfred Schott, im wahrsten Sinne des Wortes „reanimieren“ konnte, der hat wahrscheinlich wenig „Star Trek“ auf DVD gesehen. Wie auch in dem wohl bekanntesten SF-TV-Franchise der Welt, griff die Produktionsfirma bei der Synchro für die DVD teilweise auf neue Sprecher zurück. Das macht bei Episoden, die bislang nicht im deutschen Fernsehen liefen, nur anfangs wirklich etwas aus – das Ohr gewöhnt sich schnell an die gut gewählten neuen Sprecher. Anders sieht es aus, wenn vom ZDF geschnittenes Material nachträglich synchronisiert und eingefügt wurde. Die kurzen Sequenzen mit neuen Stimmen bergen doch einiges Störpotenzial. Aber was soll man machen? Im Original schauen wäre eine Möglichkeit, die durch fehlende Untertitel allerdings erschwert wird.

Entschädigung en masse
Das Bonusmaterial der Boxen kann sich bislang sehen lassen und entschädigt durchaus für die kurzen Perioden der Verwirrung auf Grund der Neusynchronisation. So sind die Synchronarbeiten unter anderem auch Teil der Bonus-Features. Foto- und Artwork-Galerien zeigen darüber hinaus Storyboards, Modelle, Cover von Büchern und Comics zur Serie und ganze Magazinartikel aus den Tagen der Erstausstrahlung. Mittels einer Schnittdatenbank erfährt der Zuschauer zu jeder Episode, welche „neuen“ Szenen eingefügt wurden. Neben dem betont actionlastigen Originalvorspann ist zu jeder einzelnen Folge auch der deutsche Vorspann anwählbar. Informationen zu den Hauptdarstellern, den Gaststars – wie z. B. dem unlängst im „Herrn der Ringe“ zu neuen Ehren gelangten Christopher Lee – und ein kompletter Episodenführer mit den Terminen der deutschen Erstausstrahlung sind ebenfalls enthalten.

Mondsüchtig
Ingesamt bleibt festzuhalten, dass TV-Klassiker nicht immer großartiges Fernsehen sein müssen. Brillant ist wenig, und auch „Mondbasis Alpha 1“ muss eher mit dem Stempel „SF-Trash“ leben. Aber: TV-Klassiker sollen vor allem an gute Fernsehunterhaltung erinnern – und unterhaltsam war diese Serie allemal. So manche Erinnerung an unerwünschte Unterbrechungen der ZDF-Ausstrahlungen an Wahlsonntagen steigt bittersüß in dem Mittdreißiger auf, und den jüngeren Semestern sei gesagt, dass es Serien wie diese waren, die eine ganze Generation von Sci-Fi-Fans geprägt haben. Es muss also was dran sein an den Abenteuern der 230 Mann starken Besatzung von Alpha 1, während diese alleine durchs All reisen. Auf einem Mond.

geschrieben von: Autor: Mike Hillenbrand