Babylon 5: Serien von A-Z

Vorstellung

Die Serie „Babylon 5“ hat das Universum der Science-Fiction-Fans gespalten. Für die eine Hälfte ist sie schlicht und ergreifend die vermeintlich beste „Star Trek“-Serie. Für die andere Hälfte ist sie ein müder Abklatsch, eine überbewertete Kopie und ein Pain in the ... na ja. Sie tut halt weh. Auch eine Auszeichnung.

Es drehen sich die Raumstationen
Der Zwist zwischen beiden Fanlagern war seinerzeit groß. Woran sich beide Fangruppen besonders stießen waren viele Parallelen in der Ausgangssituation und in der Entwicklung der Handlung. Wie ihr zur gleichen Zeit entwickeltes und ausgestrahltes Pendant „Star Trek: Deep Space Nine“ spielte auch „Babylon 5“ auf einer Raumstation. Anfangs mit kleinen Raumgleitern unterwegs, kam in beiden Serien nach wenigen Jahren ein „echtes“ Raumschiff zum Einsatz, hier der „Weiße Stern“, dort die „Defiant“. Im „Star Trek“-Universum waren es die „Gründer“, auf Babylon 5 die „Schatten“, die einen Krieg begannen. In beiden Serien wurden Geschichten über mehrere Staffeln erzählt und sogar das vermeintliche Ableben beider Hauptfiguren glich sich in vielen Aspekten. Kein Wunder, dass im Internet auch heute noch Diskussionen „STAR TREK vs. BABYLON 5“ ausgetragen werden. Sie werden wahrscheinlich nie zu einem befriedigenden Ende geführt, aber letztendlich ist das auch völlig egal!

Großartige Serie. Punkt.
Joe Michael Straczynski (JMS) heißt der Erfinder der Serie „Babylon 5“, und Parallelen zu „Deep Space Nine“ hin oder her – seine Serie hatte Stil. Von der Erde im neutralen Raum erbaut, stellte Babylon 5 das galaktische Pendant zum irdischen Konzept der Vereinten Nationen dar. Hier sollten die Vertreter der größten Reiche und Allianzen an einem zentralen Ort zusammengeführt werden, um so die Chance auf einen dauerhaften Frieden zu wahren. Kommandant der gigantischen Station war ein Mensch, Jeffrey David Sinclair, der von dem Volk der Minbari – die die Menschheit im kurz zurückliegenden Krieg an den Rand der Vernichtung gedrängt hatten – als einziger Anwärter auf diesen Posten akzeptiert worden war. Zusammen mit seinem Team musste er sich nicht nur mit Flüchtlingen, Schmugglern, Geschäftsleuten, Diplomaten und anderen Reisenden aus den verschiedensten Welten beschäftigen, sondern vor allem mit den auf Babylon 5 stationierten Abgesandten der Minbari, Centauri, Vorlonen und vielen anderen Rassen auseinander setzen. Zumindest ein Jahr lang.

Grinsekatze ersetzt Pinocchio
Nach nur einer Staffel ersetzte JMS den Captain seiner Raumstation. In der Serie wurde Sinclair 2259 als Botschafter auf den Heimatplaneten der Minbari abkommandiert. Der neue Kommandant der Raumstation erwies sich als ... gewöhnungsbedürftig. Nach dem sehr ruhig und vermeintlich hölzern agierenden Michael O’Hare übernahm Bruce Boxleitner als Captain John Sheridan das Kommando, der vielen noch gut als Agent Lee Stetson aus der 80er-Jahre-Serie „Agentin mit Herz“ bekannt war, und strapazierte mit seinem permanenten Colgate-Lächeln anfangs die Nerven der Zuschauer. Dennoch ließ sich nicht verleugnen: Die Figur des John Sheridan richtete die Serie stärker auf Action aus, was ihr unbestritten half. Mit der zweiten Staffel von „Bayblon 5“ begann die Hochzeit der Serie.

Ein Mythos aus dem Internet
Es gibt kaum ein Fandom im Internet, das sich auch Jahre nach dem Ende seiner Existenzgrundlage einer solchen Stärke erfreut, wie sie bei den „Fivern“ vorhanden ist. Vielleicht liegt das daran, dass eine der wichtigsten Mythen der Serie mitten unter ihnen entstand: Der Mythos des 5-Jahres-Plans. Mit wenigen Mitteln ausgestattet, bediente sich Serienschöpfer JMS für die PR der unendlichen Weiten der Datenautobahn, um dort für seine neue Serie zu werben. Im Usenet – einer riesigen Ansammlung von Foren ohne bunte Smilies – streute er seine Botschaften und warb Anhänger für seine Ideen. Er erzählte von einer Geschichte, die nur er kennen würde und für die zu erzählen er genau fünf Jahre Zeit benötigen würde. Viele Genrefans hingen dem Mann, der tatsächlich die meisten Drehbücher für seine Serie schrieb, an den Lippen und lauschten seinen Worten. Etwas Besonderes war geboren. Ein Leitmotiv verband zahllose Heerscharen an JMS-Jüngern: „Gebt dem Mann die fünf Jahre! Lasst ihn erzählen, was sein geistig’ Kind ist! So etwas gab es noch nie, das ist Qualität!“ Dass JMS frei heraus gestand, sich oft an seinem großen Vorbild, dem „Herrn der Ringe“ von J. R. R. Tolkien zu bedienen, der ein eigenes Genre quasi erfunden hatte, tat sein Übriges. JMS wurde von den Fans seiner Serie verehrt und tatsächlich – er bekam seine fünf Jahre.

Da hilft der beste Plan nichts
Viele Fans halten die Staffeln zwei, drei und vier für die besten der Serie. Die jährlich wechselnden Vorspanne standen für die Kulminierung der Ereignisse. Sie erzählten von Hoffnungen, die zerbrachen, und von bevorstehenden Kriegen, in denen Babylon 5 die letzte große Hoffnung auf den Sieg werden sollte. Die Folgen, die die Fäden zusammenführten und die Geschichte weitererzählten, waren denn auch das Salz in der Seriensuppe und erreichten enorme Qualität und Spannung. Leider war das Mainstream-Publikum nur bedingt dieser Meinung: Die Quoten der Serie sanken. Noch zum Ende der Dreharbeiten der vierten Staffel waren JMS und seine Mitstreiter davon überzeugt, das Ende der Geschichte erreicht zu haben. Sie lösten viele lang aufgebaute Storylines auf, drehten gar die letzte Episode der Serie (die als solche am Ende der 5. Staffel auch wirklich ausgestrahlt wurde) und bereiteten sich auf die Absetzung vor.
Die kam jedoch nicht. Der Sender TNT gab JMS das von ihm und seinen Fans so laut geforderte fünfte Jahr – nur hatte der Serienschöpfer sein Pulver am Ende der vierten Staffel notwendigerweise verschießen müssen. Nichtsdestotrotz – und stets darauf hinweisend, dass viele Nuancen von Anfang an geplant waren – nahm Stracynski seine Arbeit wieder auf. Das Ergebnis ist im Vergleich zu den ersten vier Jahren desaströs. Langhaarige und -weilige Telepathen setzten sich u. a. auf der Station fest, und einer der beliebtesten Hauptcharaktere schied aus – weil dessen Schauspielerin Claudia Christian zu viel Geld für ein Engagement im letzten Jahr forderte. (Auch hier sind übrigens die Parallelen zu „Deep Space Nine“ unübersehbar, aber vermuten wir einmal zu Gunsten von Terry Farrell, dass hinter ihrem Abschied keine Plagiatabsicht steckte.)

Es zählt, was unterm Strich steht
Von Anfang 1994 bis Ende 1998 lief „Babylon 5“ im amerikanischen TV. Aber auch wenn das fünfte Jahr ein undankbarer Abschied war, und auch wenn das stete Beharren mancher Fans auf der Existenz des großen Plans etwas Skurilles hatte, war die Serie tatsächlich ein enormer Gewinn für die Science-Fiction-Landschaft. Einige Episoden waren atemberaubend, viele Charaktere äußerst gut gezeichnet und so mancher Schauspieler spielte in dieser Serie die Rolle seines Lebens. Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten – und das war bei „Babylon 5“ nicht anders. Dennoch überwiegt das Positive bei weitem. Ohne einen Vergleich mit „Star Trek“ zu ziehen – eine Serie wie „Babylon 5“ würde dem Genre heutzutage noch immer sehr gut zu Gesicht stehen. Heute vielleicht sogar mehr als jemals zuvor.

geschrieben von: Mike Hillenbrand