Mission Erde: Serien von A-Z

Mission Erde

Fakten

Originaltitel: Earth: Final Conflict
USA, 1997 bis 2002

Genre

Science Fiction


Vorstellung

Eine Serie, die mit Gene Roddenberrys Namen aufwarten kann, hat unter den SF-Fans natürlich gleich höheres Gewicht als ein x-beliebiger Debütant, der sich anschickt, das Publikum für sich zu gewinnen. Dass Gene Roddenberry bereits mehrere Jahren tot war, als seine Schöpfung „Earth: Final Conflict“ das Licht der Fernsehwelt erblickte, ist dabei schon fast nebensächlich. Allein seines Namens wegen – und der Hoffnung auf zahlreiche „Star Trek“-Fans, die seinetwegen einschalten – war klar, dass eine Serie, die auf Roddenberrys Konzepten fußte, von Erfolg gekrönt sein musste.
„Mission Erde“, wie die Serie bei Vox betitelt wurde, stand von Anfang an unter einem guten Stern. Begonnen hatte alles mit Majel Barrett-Roddenberry, die auf alte Unterlagen ihres verstorbenen Mannes gestoßen war und sich diese genauer ansah. Dabei fand sie unterschiedliche Konzepte, mal mehr, mal minder ausgearbeitet, die jedoch allesamt den Geist von Gene Roddenberry atmeten. Seine Frau erkannte, dass dies Geschichten und Ideen waren, die es verdient hatten, einem größeren Publikum zugänglich gemacht zu werden.
Am viel versprechendsten erschien ihr dabei „Battleground Earth“, wie die Serie in den 70er-Jahren hätte heißen sollen. Roddenberry hatte das Konzept für den Fernsehsender CBS entwickelt, aber dort wurde es recht stiefmütterlich behandelt und als sich die Gelegenheit ergab, an dem ersten Kinofilm zu „Star Trek“ zu arbeiten, nahm der Autor diese wahr – „Battleground Earth“ war damit gestorben, fürs Erste.

Roddenberrys Vermächtnis

Mehr als 20 Jahre später sollte Roddenberrys Idee doch noch Wirklichkeit werden. Majel Barrett-Roddenberry wandte sich an den Produzenten David Kirschner, der von der Idee begeistert war. Wenig später konnten auch Alliance Atlantis und Tribune Entertainment für die Sache gewonnen werden. „Mission Erde“ war nur noch einen Steinwurf davon entfernt, endlich Gestalt anzunehmen.
Ausgehend von Roddenberrys Drehbuch für den Pilotfilm und das Konzept für die komplette Serie begann man mit der Arbeit an „Battleground Earth“, dessen Titel man änderte, da er zu sehr an „Battlefield Earth“ aus der Feder des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard erinnerte. Unter dem neuen Titel, der viel versprechend mit dem letzten großen Konflikt warb, ging die Serie im Herbst 1997 an den Start.
Ein Problem der Serie war von Anfang an, dass die Geschichte in den ausgehenden 90er-Jahren bei weitem nicht mehr so originell war wie Mitte der 70er-Jahre. Außerirdische, die als vermeintliche Freunde auf die Erde kommen, aber gar Finsteres im Schilde führen, waren bereits Mitte der 80er-Jahre mit „V – Die außerirdischen Besucher kommen“ äußerst erfolgreich gewesen. Das wiederum zeigte aber, dass Roddenberry seiner Zeit weit voraus gewesen ist. Nicht umsonst wurde ein gewisses Desinteresse von CBS seinerzeit auch damit begründet, dass Roddenberrys Vision zu düster war, als dass man sie dem Publikum vorsetzen wollte.
20 Jahre später – und nach dem Erfolg ähnlich gelagerter Stoffe – war dies natürlich kein Thema mehr. Die aufregende „Mission Erde“ konnte endlich beginnen. Als eine der Ausführenden Produzentinnen fungierte Majel Barrett-Roddenberry, die auch gleichzeitig eine wiederkehrende Nebenrolle übernahm.
Das Grundkonzept sieht vor, dass die friedliche Rasse der Taelons vor ein paar Jahren mit den Menschen in Kontakt getreten ist. Seitdem hat sich das Leben der Menschheit vollkommen verändert, da die Taelons auch Technologien mitbrachten, mit der sich die Lebensqualität per se verbessern ließ. Jedes Land verfügt nun über einen Companion, einen Taelon, der als Verbindungsoffizier zu den Menschen tätig ist. Die Taelons scheinen Freunde der Menschheit zu sein, sie haben geholfen, Hunger, Krieg und Krankheiten zu beenden, doch tatsächlich verfolgen sie ihre eigenen Pläne. Pläne, auf die einige Menschen aufmerksam werden. Der Widerstand formiert sich und der letzte große Konflikt um den Planeten Erde beginnt.

geschrieben von: Peter Osteried

Roddenberrys ursprüngliche Story

Vor drei Jahren landeten sie auf unserer Erde, kamen mit interstellarem Verstand und überlegener Wissenschaft. Sie gaben uns das, was wir für nötig erachteten. Eine Welt ohne Krieg, ohne Krankheit, ohne Hunger. Doch zu welchem Preis? Sklaverei im goldenen Käfig bleibt dennoch nur Sklaverei. Einige von uns verstanden. Dies ist ihre Geschichte.

Mit diesen Worten begann Gene Roddenberry seine Version von „Mission Erde“, die in den 70er Jahren hätte Wirklichkeit werden sollen. Die Geschichte, die er erzählen wollte, war – wie sollte es auch anders sein? – natürlich in starken Zügen anders als das, was man Ende der 90er Jahre im Fernsehen sehen konnte.
In der Hauptrolle findet sich der 35-jährige Sheriff Bill Boone wieder, der in Lincoln, Nebraska, für Recht und Ordnung sorgt. Dort trifft er auch zum ersten Mal auf einen Taelon, für dessen Schutz er verantwortlich ist. Logischerweise läuft nicht alles glatt und sein bester Freund, Deputy Jerry Bishop, findet den Tod. Die Umstände und die Tatsache, dass ein hoher Regierungsangehöriger ein Alien-Implantat trägt, von dem es heißt, es wäre im Grunde ein Gerät der Gedankenkontrolle, machen ihn auf die Aliens nicht allzu gut zu sprechen. Bei seinen Nachforschungen trifft Boone auf jemanden, der ihm vom Widerstand berichtet.
Wenig später wird er vorgeladen, sich in Washington einzufinden. Während des Flugs unterhält sich eine Stewardess, die umwerfend schöne Lilli Marquette, mit ihm und gibt sich als Mitglied des Widerstands zu erkennen. Sie warnt ihn davor, dass man ihm ein Implantat einsetzen will, sodass er nach der Ankunft in Washington fliehen muss. Doch dies ist leichter gesagt als getan. Erst im Krankenhaus, wo die Operation stattfinden soll, kann er fliehen. Die Polizei jagt ihn durch die ganze Stadt, aber Boone wird von Mitgliedern des Widerstands gerettet. Sie bringen ihn zu einem Hausboot, auf dem er auch Lilli wiedertrifft.
Wenig später erhält Lilli die Nachricht, dass der für die Einsetzung der Implantate zuständige Doktor – in Wahrheit gehört er dem Widerstand an – ein Implantat in seinen Besitz gebracht hat, das nicht funktioniert. Darum arrangiert man Boones Gefangennahme, sodass er als Doppelagent die Taelons ausspionieren kann.
Nach gelungener Operation wird Boone von dem Taelon begrüßt. Der Chef der Sicherheit konnte jedoch den Verrat des Doktors aufdecken, sodass nun auch Boone und Lilli, die ebenfalls für die Taelons tätig ist, in Gefahr geraten. Es kommt zum Kampf, bei dem Boone den Taelon tötet, der ihm zuvor erzählt hat, dass sein Volk die Ressourcen der Erde ausbeuten und die Menschen zu willenlosen Sklaven machen will. Auf Boone und Lilli warten große Aufgaben. Sie müssen den Widerstand weiter ausbauen, um die Erde und die Menschheit vor den ruchlosen Taelons zu retten.
Wie man sieht, werden die Taelons hier noch weit klarer als die schurkischen Invasoren dargestellt. Sie betreiben relativ offen ihre Geschäfte, greifen auf den Polizeiapparat zurück und lassen unliebsame Menschen verschwinden oder beherrschen sie durch ihre Implantate. Sehr ähnlich ging Kenneth Johnson Anfang der 80er Jahre mit seinen beiden Miniserien „V – Die außerirdischen Besucher kommen“ und der wöchentlichen Serie „V – Die außerirdischen Besucher kommen zurück“ vor, sodass die Produzenten von „Mission Erde“ wohl das Gefühl hatten, anders an die Geschichte herangehen zu müssen, um einen Vergleich mit diesem Fernsehphänomen des vergangenen Jahrzehnts zu verhindern.
Mit Boone und Lilli Marquette sind bereits zwei Charaktere vorhanden, die es in die spätere Serie geschafft haben, auch wenn sie starke Veränderungen erlebt haben. Schließlich entspricht Darstellerin Lisa Howard nicht unbedingt der Beschreibung von Lilli Marquette: wunderschön, üppig, rothaarig.
Auch die Skrills, die Handwaffen der Companion-Beschützer, hat Roddenberry bereits in sein Konzept eingewebt, nur dass sie hier noch Zators heißen. Die Taelons wurden von Roddenberry schon in etwa so beschrieben, wie sie in der Serie jetzt zu sehen sind, auch wenn er ihnen noch ein Gerät an die Brust heftete, das eine Dioxin-Mischung ausströmt, die die Aliens atmen.
Roddenberrys Konzept von „Mission Erde“ wäre eine aufregende und actionreiche Show geworden, die vieles von dem, was „V – Die außerirdischen Besucher kommen“ machte, vorweggenommen hätte. Es ist schade, dass die Serie damals nicht wenigstens die Produktion eines Pilotfilms erlebte, würde dies den direkten Vergleich doch noch interessanter gestalten. Doch auch so lässt sich sagen, dass sowohl Roddenberrys erstes Konzept als auch die spätere Serie ihre jeweiligen Stärken und Schwächen haben und für sich gesehen perfekt funktionierende Science-Fiction sind.

geschrieben von: Peter Osteried