Als bekannt wurde, dass James Cameron an der Entwicklung einer Fernsehserie arbeitet, war die Aufregung natürlich gewaltig. Großes konnte man von dem Mann, der den „Terminator“ auf das Publikum losgelassen hatte, erwarten. Gleichzeitig musste man jedoch auch befürchten, dass Cameron wie so viele andere Kinomacher den Herausforderungen der Mattscheibenwelt nicht gewachsen sein könnte. Zu frisch waren noch die Erinnerungen an Roland Emmerichs Fiasko „The Visitor“, der nichts weiter als der mehr oder minder erfolgreiche Versuch war, von Geklautem zu klauen und es frisch aussehen zu lassen. Genau das ist jedoch die Stärke von „Dark Angel“. James Cameron und Charles H. Eglee, die die Serie gemeinsam entwickelt haben, ist das Kunststück gelungen, aus Handlungselementen, die allesamt mehr oder minder bekannte Standards des Science-Fiction-Genres sind, ein prickelndes und actiongeladenes Abenteuer zu zaubern, das den Erfolg geradezu gepachtet hat.
Dabei ist Cameron, der als selbsterklärter Perfektionist bei der Arbeit an einer Serie vollkommen aufgefressen werden würde, vor allem als Schirmherr anzusehen. Er ist zwar beteiligt und hat als Produzent auch großes Mitspracherecht, doch im Grunde ist Eglee („Das Model und der Schnüffler“, „Murder One“) dafür verantwortlich, dass Woche für Woche eine neue Folge von „Dark Angel“ produziert wird.
Als die Serie im Mai des Jahres 2000 vom US-Network Fox bestellt wurde, begannen für Eglee und seinen Produktionsstab aufregende Wochen. Besonderes Glück hatte man bei der Besetzung, da zwischen Jessica Alba, die zuvor besonders in der knackigen Horror-Komödie „Die Killerhand“ aufgefallen war, und Michael Weatherly genau die Chemie herrscht, die nötig ist, um die Atmosphäre zum Knistern zu bringen.
Alba spielt Max, die tagsüber als Fahrrad-Kurierin arbeitet und sich nachts als Diebin ein bisschen dazuverdient. Dabei lernt sie den reichen Journalisten Logan kennen, der eine Piratensendung über den Äther schickt und darin als Stimme der Freiheit über Korruption und dunkle Machenschaften berichtet. Ihre Wege überschneiden sich, wobei Logan schließlich einen „Unfall“ erleidet und fortan im Rollstuhl sitzen muss. Später werden beide zum Team, wobei Logan Max hilft, nach den anderen, die vor zehn Jahren mit ihr aus einer Forschungsanstalt in Wyoming fliehen konnten, zu suchen.
Die Rolle des Schurken übernahm John Savage, den man für gewöhnlich eher auf der Kinoleinwand antrifft und dessen denkwürdigste Auftritte im Fernsehen bei „Akte X“ und „Star Trek: Voyager“ stattfanden. Er spielt den Regierungsagenten Lydecker, der hinter Max her ist und sie wieder einfangen möchte.
Anfangs schrieb Eglee die Drehbücher für „Dark Angel“ fast völlig allein. Bevor er anderen auch mal das Feld überließ, wollte er die Stimmung und den Hintergrund der Serie einfangen. Als dann einige Newcomer-Autoren eingestellt werden mussten, fiel es auch unter Eglees Aufgabenbereich, einen riesigen Stapel von eingereichten Drehbüchern zu sichten, um so nach Talenten zu suchen, die für die Serie ideal sein konnten. Dabei fanden sich auch einige Namen, die ihm auffielen, woraufhin er sich die frühere Arbeit der Betreffenden ansah, mit ehemaligen Arbeitgebern sprach und die Autoren schließlich traf. Am Ende blieben David Zabel, Doris Egan, Patrick Harbinson, Moira Decker und Jose Molina übrig, die nun des Öfteren für „Dark Angel“ tätig werden.
Einer der größten Aktivposten der Serie ist aber sicherlich Rene Echevarria, der als Autor und Produzent für „Dark Angel“ tätig wurde. Er hatte sich mit seiner langjährigen Arbeit für „Star Trek: Deep Space Nine“ einen Namen gemacht und war nach dem Ende der Serie zu „Future Man“ (im Original „Now and again“) gekommen, wo er ebenfalls als Autor und Produzent arbeitete. Die Serie um einen künstlichen Menschen, der als Geheimwaffe dient, war jedoch nur von kurzer Lebensdauer, sodass Echevarria auf der Suche nach einem neuen Job war. Als Eglee davon hörte, setzte er sich mit Glenn Gordon Caron in Verbindung. Dieser hatte „Future Man“ entwickelt und war auch der Schöpfer von „Das Model und der Schnüffler“, für die Eglee einmal tätig gewesen war. Als er von dem überschwänglichen Lob hörte, das Caron über Echevarria ausschüttete, war er schlichtweg begeistert. Immerhin wusste er aus Erfahrung, dass Caron im Grunde nur seine eigenen Geschichten liebt und bei anderen mehr als nur kritisch ist.
Eglee und Echevarria bilden somit das Rückgrat von „Dark Angel“ und leiten die Geschicke von Max, Logan und Lydecker. Dabei schrecken sie auch nicht davor zurück, Geschichten zu erzählen, die auf den ersten Blick für den Fernsehsender alles andere als erquicklich sind. Bestes Beispiel hierfür findet sich in der Episode „Flushed“, in der Max ins Gefängnis gerät und von ihrem Medikament abgeschnitten ist. Als Ergebnis ihrer künstlichen Entwicklung verfällt sie immer wieder in Krämpfe, die nur ein bestimmtes Medikament beenden können. Ohne dieses ist sie im Endeffekt nur ein normaler Mensch, der über keinerlei größere Stärke verfügen kann, da ihr Körper genug damit zu tun hat, das Fehlen des Stoffs zu kompensieren. Diese Allegorie auf eine drogensüchtige Heldin, letztendlich ist Max genau das, gefiel dem Fox Network nicht unbedingt, wurde von Eglee und seinem Stab jedoch forciert, sodass die Episode genau in der Art ausgestrahlt wurde, wie sie gedacht war.
„Dark Angel“ spricht natürlich nicht nur den harten Kern der Science-Fiction-Gemeinde an, da sie sich auch als eine Actionserie versteht und dafür traumhafte Einschaltquoten erntet. Eine der Stärken der Serie ist dabei, dass Max mit ihren übermenschlichen Kräften auch so etwas wie eine Superheldin ist. Dies wird besonders in der Inszenierung, wie sie der Attacke eines Killers ausweicht und in ein Haus eindringt, in den Vordergrund gestellt, wobei die entsprechenden Kamerapositionen und die anschwellende Musik ein Übriges tun, um das Herz des Genre-Fans ein bisschen schneller schlagen zu lassen.