„John Doe“ ist eine gute Serie, doch kam sie etwas zu spät auf den Markt. Vor einigen Jahren wäre sie inmitten des Mystery-Booms sicherlich zum Hit geworden. Nachdem dieser Trend jedoch etwas abgeflaut ist, hatte es sogar eine Serie wie diese, deren Qualitäten offensichtlich sind, im hart umkämpften Einschaltquotenmarkt schwer.
„John Doe“ erzählt eine interessante Geschichte, die zwar Erinnerungen an ähnliche Formate wie etwa den ebenfalls nur ein Jahr existierenden „Nowhere Man“ oder den ungleich erfolgreicheren „Pretender“ weckt, aber dennoch eigenständig und vor allem sympathisch genug ist, um ein paar Jahre Laufzeit zu rechtfertigen.
Diese Frage muss sich der Held der Serie selbst stellen. Als er nach Seattle kommt, hat er keine Erinnerung an sein früheres Leben, verfügt jedoch über eine außergewöhnliche Gabe. Er weiß praktisch alles, was man nur wissen kann: John Doe ist ein wandelndes Lexikon. Und er kann noch mehr, denn John ist farbenblind, und wann immer er die Welt in Farbe sieht, weiß er, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht.
Während er herauszufinden versucht, wer er wirklich ist, stellt er seine Fähigkeiten in den Dienst des Guten und hilft der Polizei bei der Aufklärung besonders schwieriger oder mysteriöser Fälle. Gleichzeitig kommt er dem Geheimnis seines Seins immer näher und gerät mitten in eine gigantische Verschwörung, die ihren Sitz im Vatikan zu haben scheint.
Hilfe bekommt John Doe dabei von Karen, einer jungen Frau, die quasi zu seiner Assistentin wird. Doe arbeitet auch mit der Polizei zusammen, und zwar mit den Polizisten Frank Hayes und Jamie Avery, die beide von seinen Fähigkeiten beeindruckt, jedoch auch etwas misstrauisch sind. Letzter im Bunde ist schließlich Digger, in dessen Bar Doe als Pianist arbeitet. Über Diggers Vergangenheit ist wenig bekannt, doch hält diese noch eine Überraschung bereit.
Jayne Brook stellt Jamie Avery dar. Bekannt geworden ist die 1962 geborene Aktrice mit „Chicago Hope“, wo sie mehrere Jahre als Dr. Diane Grad mit dabei war. Ihr Debüt hat sie 1987 mit „Superman IV: Die Welt am Abgrund“ gegeben. Weitere Highlights ihrer Karriere sind der Science-Fiction-Film „Gattaca“ und die Serie „The District“.
Ihr Partner Frank wird von John Marshall Jones gespielt. 1962 geboren, ist er einem Fernsehpublikum noch am ehesten durch ein Jahr „Melrose Place“ und die Sitcom „Smart Guy“ bekannt. Was einen größeren Film wie „Con Air“ betrifft, so hat er hier nur eine kleine Nebenrolle innegehabt.
Sprague Grayden spielt Does Assistentin Karen. Die Newcomerin hat zuvor lediglich in zwei kleinen Filmen mitgespielt, konnte jedoch nach dem Ende von „John Doe“ die Hauptrolle in der Serie „Sixteen to Life“ ergattern.
Der geheimnisvolle Digger wird von William Forsythe dargestellt, der in der Fernsehserie „Die Unbestechlichen“ Al Capone spielte. Forsythe ist ein Charakterdarsteller, der gerne in kleinen Rollen besetzt wird. So unter anderem auch in John Frankenheimers „Dead Bang“, Michael Bays „The Rock“ und dem Denzel-Washington-Film „Virtuosity“.
Wie bei so vielen Serien heutzutage gibt es auch zu „John Doe“ eine Pilotfolge, die in dieser Form allerdings niemals ausgestrahlt wurde. Für die Sender in den USA werden sehr oft Präsentationen gedreht, die im Endeffekt die Pilotfolge vorwegnehmen und dem Sender einen Eindruck vermitteln sollen, wie die Serie später sein wird. Oftmals benutzt man größere Teile dieser Präsentationen dann gleich in der endgültig ausgestrahlten Pilotfolge. Das ist auch hier geschehen, nur mussten einige Szenen neu gedreht werden, da noch Umbesetzungen stattgefunden hatten.
In der ungesendeten Episode wird Digger noch von Meat Loaf dargestellt. Eine interessante Wahl, jedoch ist anzunehmen, dass sich nach dieser Präsentation keine endgültige Einigung zwischen dem Musiker und den Produzenten finden ließ, was u. U. auch an den langen Stunden, die eine Serie in der Produktion braucht, liegen mag. Auch Karen wurde noch von einer anderen Schauspielerin porträtiert: der 1981 geborenen Azura Skye, die hier zu Lande am ehesten durch die Filme „The Salton Sea“ und „Banditen!“ bekannt ist.
Avery wurde hier noch von der 1971 geborenen Elizabeth Lackey dargestellt, die 1995 mit „Flipper“ unterwegs war und ansonsten am ehesten in David Lynchs „Mulholland Drive“ auffiel.
Zum gängigen Repertoire einer jeden anständigen Mystery-Serie gehört eigentlich schon ein überraschender Tod. Da verwundert es nicht, dass sich auch „John Doe“ dieses aufrüttelnden Elements bedient, das die Zuschauer erschreckt und an den Bildschirm fesselt. Wer das Zeitliche segnet, soll hier jedoch noch nicht verraten werden. Ein bisschen Spannung muss schließlich auch noch bestehen. In der 14. Episode, im Original passend „Ashes to Ashes“ betitelt, ist es jedoch so weit. Wen es erwischen mag? Jeder ist herzlich eingeladen, dabei mitzurätseln. Ohne Frage wird John überleben, doch was ist mit Frank, Jamie, Karen und Digger?
Einen schnellen und damit vorzeitigen Tod hat leider auch die Serie selbst erlitten, was umso ärgerlicher ist, da die Autoren zum Ende hin eine große Überraschung aufgebaut haben, die nun natürlich ohne Abschluss bleibt. Denn wie üblich bei phantastischen Serien endet auch „John Doe“ mit einem Cliffhanger, wobei die Autoren und Produzenten natürlich die Hoffnung hegten, hiermit noch mehr Zuschauer begeistern zu können. Die Rechnung ist jedoch nicht aufgegangen, denn das Fox Network hat die Serie nach nur einer Staffel eingestellt. Dabei war „John Doe“ noch erfolgreicher als die Partnerserie „Firefly“, die von dem Sender weit schneller mit der Axt der Einstellung zurechtgestutzt wurde. Am Ende hat sie aber ein Schicksal erlebt, nicht unähnlich dem von „Dark Skies“ oder „Nowhere Man“, wobei letzterem noch eine halb gare Auflösung spendiert wurde, die allerdings nicht wirklich zufrieden stellend war.
Das fehlende Ende schadet nun natürlich auch „John Doe“, wäre es mit einer gewissen Vorwarnzeit die Einstellung betreffend doch durchaus noch möglich gewesen, ein Ende zu finden, das der Serie einen gewissen Abschluss gegeben hätte. So jedoch bleibt sie in der Luft hängen, ist wie so viele andere vor ihr unfertig, womit sich natürlich das Problem ergibt, dass der Aufbau, so gut er auch sein mag, am Ende immer nur Enttäuschung beim Publikum zurücklässt, da ihm eine Auflösung verweigert wird und er stattdessen gezwungen ist, für sich selbst ein Ende zu finden. So kann man sich natürlich viel vorstellen, was des Weiteren passiert wäre und welche Überraschungen die Autoren noch auf Halde hatten, doch letzten Endes bleibt jene nagende Ungewissheit, die besonders für glühende Verehrer einer Serie niemals schwächer werden wird.
„John Doe“ ist das Opfer eines harten Quotenkriegs geworden, dem schon viele andere phantastische Serien das Ende zu verdanken haben. Bleibt nur, die Serie so lange zu genießen, wie sie da ist.