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Fakten |
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| Without a Trace – Spurlos verschwunden |
| OT: Without a Trace |
| USA, 2002 |
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| Vorstellung | | Menschen verschwinden. Es passiert jeden Tag, überall auf der Welt, aus unterschiedlichsten Gründen. Ein Verbrechen ist längst nicht immer die Ursache dafür. Doch wer kümmert sich um die Verschwundenen, die Vergessenen, die plötzlich von der Bühne des Alltags genommenen Gesichter in der Menge? – Sie tun’s: Jack Malone und sein Team aus FBI-Spezialisten setzen sich bereits im dritten Fernsehjahr für die Belange der zumeist unfreiwillig Abwesenden ein. „Without a Trace – Spurlos verschwunden“ heißt die Serie, die in denUSA für Furore und hierzulande zumindest für stabile Quoten sorgt. Sie schildert den beruflichen Alltag der „Missing Persons Unit“ des FBI.
Vanished
Ursprünglich hätte das gute Stück schlicht „Vanished“ – Verschwunden – heißen sollen, und wer auch nur eine Folge der Serie genossen hat, wird den Grund verstehen. Denn dem Moment, in dem die „Kundschaft“ von Detective Jack Malone und Co. vom Antlitz der Erde zu verschwinden scheint, haftet in der Inszenierung schon fast etwas Magisches an: Am Anfang jeder Episode sieht der Zuschauer die betreffende Person an ihrem letzten bekannten Aufenthaltsort, und dann, als der letzte Augenzeuge sie aus dem Blick beziehungsweise aus dem Gedächtnis verliert, löst sich die Person vor unseren Augen buchstäblich in Luft auf. Vanished.
Der US-Fernsehsender CBS fand zwar Gefallen an der Idee des Serienschöpfers Hank Steinberg und gab diese sofort in Produktion, änderte jedoch den von Steinberg gewählten Arbeitstitel in das zwar nicht minder passende, doch weniger poetische „Without a Trace“ um, dem Pro7 als Sender der deutschen Erstausstrahlung noch die Fast-Übersetzung „Spurlos verschwunden“ beistellte. Dem Publikum auf beiden Seiten des Atlantiks kann es egal sein, entscheidend ist doch immer, was hinten rauskommt. Und das ist im Falle von „Vani ...“ ähm „Without a Trace – Spurlos verschwunden“ durchaus gelungen und von dauerhafter Qualität.
Das liegt nicht zuletzt an der Stammbesetzung, die zumindest teilweise auch schon ihre Fußabdrücke im phantastischen Genre hinterlassen hat. Unbestrittener leading man ist natürlich Jack Malone, ein ebenso engagierter wie einfühlsamer Detective, der von Anthony LaPaglia gespielt wird. Der australische Darsteller ist hierzulande vielleicht durch seine zahlreichen Gastauftritte in TV-Serien wie der soeben abgedrehten Sitcom „Frasier“ oder den schon etwas betagteren „Geschichten aus der Gruft“ und „The Twilight Zone“ bekannt (und könnte, wenn ihr mich fragt, jederzeit eine Hauptrolle in einem Paten-Film übernehmen ...). Er verleiht seiner Figur Charme und Antrieb zugleich.
Den Feinschmeckern unter uns Krimi-Fans sollte Marianne Jean-Baptiste zumindest optisch ein Begriff sein, spielte die gebürtige Engländerin 1994 doch in der vielleicht besten Insel-Crimeshow aller Zeiten mit, dem von Robbie „Hagrid“ Coltrane gestemmten „Crackers“, dem die deutsche Bearbeitung den erschreckend biederen Titel „Für alle Fälle Fitz“ verpasst hatte. Bei „Without a Trace“ gibt sie die Vivian Johnson.
Ebenfalls Krimi-Erfahrung bringt Poppy Montgomery mit, die 1996 schon in „NYPD Blue“ auftrat und deren Vorname witzigerweise keine Erfindung ist – die 1975 in Sydney geborene Blondine heißt auch jenseits von Hollywood tatsächlich Poppy. Aber nicht Montgomery, sondern Donahue. Mit Samantha Spade trägt ihre Serienfigur einen telling name, einen Namen also, dem unterschwellige Bedeutung anhaftet, erinnert er doch nicht von ungefähr an den Godfather of Investigation, Dashiel Hammets Privatdetektiv Sam Spade, Hauptfigur im mit Humphrey Bogart zum Filmklassiker gewordenen „Die Spur des Falken“.
Enrique Murciano, Darsteller des Danny Taylor, stellte sich mit Gastauftritten in „Star Trek: Enterprise“ und „Pretender“ bereits dem phantastischen Genre vor, kann aber auch stolz von sich behaupten, in Hollywood-Großproduktionen wie „Black Hawk Down“ und „Traffic“ mitgewirkt zu haben.
Mit Martin Fitzgerald ist das Team aus FBI-Ermittlern komplett. Dieser wird von Eric Close gespielt, und spätestens jetzt bekommen Serienjunkies feuchte Augen, spielte Close doch die Hauptrolle in der ebenso ambitionierten wie kurzlebigen „Akte-X“-Abklatsch-Serie „Dark Skies“. Auch in Steven Spielbergs Alien-Invasionsplotte „Taken“ war er mit von der Partie.
The man, the legend: Uns‘ Jerry ist wieder da
Niemand Geringeres als Papa Bruckheimer steckt hinter „Without a Trace“. Der erfolgreiche Produzent, aus dessen Geldbeutel schon Top-Serien wie die drei „CSI“-Inkarnationen finanziert werden, hat seine Finger auch in dieser Reihe, was man ihr deutlich anmerkt. Der Name Bruckheimer entwickelt sich auf dem Gebiet der Krimiserien langsam aber sicher zum Erfolgsgaranten und Monopolisten. Dabei stammt der gute Mann ursprünglich einem ganz anderen Betätigungsfeld ab. Als Produzent von Blockbuster-Spielfilmen füllt er bereits seit Jahrzehnten die Kinosäle und -kassen, seine Produktpalette reicht vom seligen „Top Gun“ bis hin zum aktuellen „Fluch der Karibik“.
Seit September 2002 flimmert „Without a Trace“ in den USA schon über die Leinwände – jeden Donnerstag um 22 Uhr, Wiederholungen laufen seit kurzem immer montags auf TNT – und hat neben der Begeisterung des Publikums auch die Herzen der Kritiker erobert. Einige Emmys, ein ASCAP Award und 2004 der Golden Globe für Anthony LaPaglia in der Kategorie Bester Schauspieler in einer TV-Serie beweisen dies eindrucksvoll. In diesem Herbst ist die nunmehr bereits dritte Staffel der Serie erfolgreich auf Sendung gegangen, die 50. Folge wurde auch schon gebührend abgefeiert, und ein Ende scheint nicht in Sicht zu sein.
Dabei liegt die Faszination an „Without a Trace“, wie bei aktuellen Krimiserien üblich, nicht unbedingt in der Charakterisierung ihrer Protagonisten, die man allesamt als engagierte Arbeitstiere beschreiben könnte, die voll und ganz in ihrem Job aufgehen. Soll heißen: Privatleben Fehlanzeige. Natürlich gibt es Ausnahmen; so lebt der Staffel übergreifende Cliffhanger zwischen Folge 47 und 48 hauptsächlich davon, ob Teamchef Jack Malone seinen Job an den Nagel hängt und aus der Stadt wegzieht. Aber generell gilt bei jeder Episode die auch schon bei „CSI“ greifende Grundregel: Was zählt, ist der Fall.
Zeitgeist-Quoten
Und der trifft die Zielgruppe an genau der richtigen Stelle. Man muss nicht Präsident der USA sein, um zu wissen, dass die Welt in den letzten Jahren ein gefährlicherer Ort geworden ist. Terror und Gewalt zeigen überall und zu jeder Zeit ihr Gesicht und schüren besonders in den akut betroffenen Gebieten eine Paranoia, die sich in Serien wie „Without a Trace“ gespiegelt sieht: Wenn vermeintlich harmlose Hamburger Studenten Flugzeuge in Hochhäuser steuern, ist das Böse wohl tatsächlich immer und überall. Serien, in denen Menschen scheinbar einfach so vom Antlitz der Erde verschwinden, erinnern die (US-)Zuseher daran, dass das Verbrechen nicht schläft. Wenn sich Malone und seine Mitarbeiter in ihrem Großraumbüro an die Arbeit machen und den Tag vor dem Verschwinden des aktuellen Opfers rekonstruieren – was die Serie in einer Folge von interessant geschnittenen Rückblenden darstellt – arbeiten sie nicht anders als ihre zahlreichen Kollegen im wahren Leben. Das kennt der Zuschauer zur Genüge aus den täglichen Nachrichten, nicht erst seit dem 11. September. Es scheint, als reflektiere „Without a Trace“ die aktuelle Wirklichkeit von allen Krimiserien am treffendsten, sicherlich mit ein Grund für den Erfolg der Sendereihe. Nicht umsonst endet in den USA jede Folge mit einem 15-sekündigen Spot, in dem das echte FBI auf eine real vermisste Person aufmerksam macht – die deutschen Zuschauer kommen auf Grund der hiesigen Unsitte, Abspänne zu Gunsten von Werbespots nicht auszustrahlen, erst gar nicht in den Genuss dieser Szenen.
Die Sache mit dem Happyend
Zeitgeist hin oder her: Eine den Zuschauer deprimierende Serie (*hust* „Millennium“ *hust*) hat im Kampf um Einschaltquoten traditionsgemäß keine große Chance. Daher enden die meisten Folgen von „Without a Trace“ auf einer versöhnlichen Note: Der Vermisste wird gefunden beziehungsweise der aktuelle Fall aufgeklärt, das Verbrechen gesühnt, und wir Zuschauer kuscheln uns mit der wohligen Erkenntnis aufs Sofa, dass unser moralisches Weltbild mal wieder bestätigt wurde. Das Gute hat gesiegt. Natürlich ist die Realität in diesem Punkt ganz anders, doch kann man der Serie dieses kleine Zugeständnis an unsere Sehgewohnheiten und Erwartungen nicht vorwerfen. „Without a Trace“ ist sehenswert.
| | geschrieben von: Christian Humberg | |
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