Vom 8. – 10. Juni wurde das Maritim-Hotel in Bonn zu einem intergalaktischen Treffpunkt für die verschiedensten Völker aus allen Teilen des bekannten Universums – und darüber hinaus. Bereits zum 15. Mal kamen Fans und Stars verschiedenster Science-Fiction-Serien und -Filme zusammen und bewiesen zum wiederholten Male, dass auch in Deutschland das Interesse an Science-Fiction unverändert groß ist. In diesem Jahr gaben sich, neben Darstellern aus Andromeda, Firefly, Stargate Atlantis, Star Wars und selbstverständlich Star Trek, gleich zwei Captains aus dem Trek-Universum die Ehre: Kate Mulgrew (Captain Kathrin Janeway, Star Trek: Voyager) und Avery Brooks (Captain Benjamin Sisko, Star Trek: Deep Space Nine).
THANK YOU FOR HAVING US
Bei der Opening-Ceremony am Freitagabend präsentierte der allseits beliebte und nicht mehr wegzudenkende FedCon-Veteran Marc B. Lee die Fanprojekte, Fachvorträge und Stargäste der diesjährigen Convention, die von den den Fans mit herzlichem Applaus begrüßt wurden. Die Stargäste bedankten sich für die Einladung und stellten sich im Laufe der Con für Autogramme und Fotos zur Verfügung. Darüber hinaus erhielten die Fans erneut in zahlreichen Panels die Gelegenheit, ihren Stars alle möglichen Fragen zu stellen. Eine Frage, die den Fans nun schon seit langem unter den Nägeln brannte, richtete sich an Paul McGillion, bekannt als Dr. Carson Beckett aus der Serie Stargate Atlantis: Ist Dr. Beckett nun tot oder nicht? Zur Erleichterung seiner Fangemeinde verkündete der Schauspieler, dass Dr. Beckett auf jeden Fall zu Stargate Atlantis zurückkehren wird. Er wisse zwar noch nicht wie, aber die Entscheidung stehe fest.
Auch Jonathan Frakes, bekannt als Commander Riker aus Star Trek: The Next Generation, stellte sich allen möglichen und unmöglichen Fragen. Als ein Fan ihn darum bat, ein Musikstück auf der Posaune zu spielen und dem überraschten Frakes dann auch noch eine Posaune auf die Bühne reichte, fackelte dieser nicht lange und zeigte, dass er es sehr wohl noch kann.
Selbstverständlich standen auch die anderen Stargäste den Fans Rede und Antwort und gaben hin und wieder ein paar amüsante Geschichten von den Dreharbeiten zum Besten. Erfreulicherweise zeigten die Stars keinerlei Scheu und mischten sich wie selbstverständlich unter die anwesenden Fans.
„THE POWER OF THE NOTION IS YOU“
Auch in diesem Jahr bereicherte die große Beteiligung der Fangemeinde die FedCon. Viele Fans erschienen in den Gewändern ihrer Vorbilder und so begegnete man Offizieren aus allen Bereichen des Trek-Universums und jeden Alters, aufwändig kostümierten Aliens, Mitgliedern des Stargate-Kommandos, Sturmtruppen und vielen mehr. Sogar Darth Vader und Königin Amidala gaben sich die Ehre und schlenderten zwischen den Con-Besuchern umher. In besonders großer Zahl war erneut das Volk der Klingonen vertreten, die dem einen oder anderen Con-Besucher ein herzliches „Qapla!“ entgegenschmetterten oder bei einem gepflegten Becher Blutwein ein klingonisches Kampflied anstimmten. Viele kostümierte Fans nahmen am Samstag am Kostümwettbewerb teil, der sich erneut einer großen Zuschauerzahl erfreute. Es gab viele ausgefallene Gewänder, teilweise atemberaubende Darstellungen und eine gutgelaunte, prominente Jury zu bestaunen. Zum Vergnügen der anwesenden Fans ging der Publikumspreis an niemand geringeren als Captain Jack Sparrow, der sich heimlich unter die Science-Fiction-Gemeinde gemischt hatte und das Publikum mit seinen Darbietungen zum Lachen brachte.
In diesem Jahr befanden sich auch zum ersten Mal zwei Reisende aus dem Alkor-System (aus dem Sternbild des Großen Bären) auf der FedCon, um stellvertretend für ihr Volk in Erfahrung zu bringen, was es mit den seltsamen religiösen Ritualen bei dieser interstellaren Zusammenkunft so alles auf sich hat. Nach einem kurzen Briefing wurde Fräulein Huhu, eine passionierte Journalistin, mit der Mission betraut, die Fans bei ihren Erlebnissen auf der FedCon zu begleiten und möglichst viele Details über die mysteriösen Vorgänge in Erfahrung zu bringen. Dazu trug sie eine Kamera und ein Notizbuch in ihrem Rucksack, mithilfe derer die Conteilnehmer, die sie auf ihrer Reise traf, ihre Erlebnisse in bildlicher und schriftlicher Form festhalten sollten. Ihr Kollege Pookie Ketchkov bekam zwei charmante Erdlinge zur Seite gestellt, die ihn bei seinen eigenen Nachforschungen begleiteten. Was die beiden Reisenden aus dem Alkor-System genau erlebt haben und ob sie den mysteriösen Vorgängen auf der FedCon auf die Schliche gekommen sind, könnt ihr demnächst auf > www.treknews.de in Erfahrung bringen.
Viele weitere Aktionen und Projekte, wie ein Theaterstück oder eine selbst getextete Hymne zum Thema Star Trek, wurden von den Fans liebevoll und mit viel Einsatz präsentiert. Wieder einmal bleibt an dieser Stelle nur zu sagen, dass die FedCon, trotz hochkarätiger Stargäste, ohne die große Beteiligung der Fans nicht das wäre, was sie ist: eine Fanconvention. Dies erkannte auch Avery Brooks und antwortete auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, auch in zwanzig Jahren noch Conventions zu besuchen: „Es ist ganz egal, ob ich noch da sein werde, denn ich bin mir sicher, dass ihr noch da sein werdet. Ihr seid der Antrieb dieser Idee und ihr haltet sie am Leben.“
SCIENCE-FICTION MADE IN GERMANY
Im Rahmen der FedCon wurden zwei außergewöhnliche Filmprojekte vorgestellt, die unmissverständlich klar machen, dass gut gemachte Science-Fiction nicht unbedingt aus Hollywood kommen muss.
Regisseur René von Bodisco stellte zusammen mit seinem Team das Projekt „Kurzzeithelden“ vor. Hierbei handelt es sich um einen Kurzfilm, der zwar mit professionellen Schauspielern gedreht, aber komplett privat finanziert wurde. Während eines Panels erhielten die Zuschauer zum ersten Mal die Gelegenheit, Ausschnitte aus dem Film und ein Making-Of zu sehen – die zugegebenermaßen Lust auf mehr machen. In der Pressekonferenz verkündete René von Bodisco stolz, dass sein Team als erstes überhaupt die Erlaubnis erhielt, einige Szenen für den Film im ESA-Hauptquartier in Darmstadt zu drehen: „Wir haben einfach mal frech gefragt.“
Das zweite auf der FedCon vorgestellte Filmprojekt trägt den Titel „Nydenion“ und ist, nach Aussage des Teams um Regisseur Jack Moik, ein semi-professionelles Fanprojekt. Science-Fiction-Fans aus Deutschland, aber auch aus anderen Teilen der Welt, bereichern das Projekt nun schon seit zehn Jahren mit ihrem schauspielerischen Talent, technischem Know-How und unermüdlichem Einsatz: „Wir wollen auf die Leinwand bringen, was wir selber mögen und noch nie gesehen haben.“ In den Panels am Freitag und Samstag wurde den Fans ein Rohschnitt des Films vorgeführt und ein Blick hinter die Kulissen gewährt. Hierbei wurde deutlich, dass man selbst heutzutage mit einfachsten Mitteln, wie einem ausgedienten PC, einem alten Videorekorder oder ‚Wattewölkchen’ überzeugende Effekte erzielen kann. Zurzeit befindet sich „Nydenion“ in der Postproduktion und wird um einige Special Effects erweitert. Einen Erscheinungstermin konnte Jack Moik noch nicht nennen, aber er versprach, die Fans über weitere Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten (> www.nydenion.com ).
Beide Projekte verdeutlichen auf eindrucksvolle Weise, dass es auch in Deutschland engagierte Science-Fiction-Fans gibt, die mit begrenzten Mitteln aber unerschöpflichem Engagement bemerkenswerte Filme auf die Beine stellen, die hoffentlich auch außerhalb der Convention-Landschaft und des Internets Beachtung erlangen werden.
Aufmerksame Fans können übrigens in beiden Filmen einen unserer Space View-Redakteure in kleinen Nebenrollen ausfindig machen…
„DIES SIND DIE ABENTEUER…“ 40 JAHRE STAR TREK VON FANS FÜR FANS
Mike Hillenbrand und Thomas Höhl nutzten die Panels auf der FedCon, um den Fans ihr Buch „Dies sind die Abenteuer… 40 Jahre Star Trek“ vorzustellen. Gut gelaunt berichteten die beiden Autoren von der turbulenten Phase vor Entstehung des Buches und ließen die Fans an ihren Erfahrungen teilhaben.
Als langjährige Star Trek-Fans ergriffen die zwei ihre Chance, als vom Heel-Verlag ein Buch zum Thema Star Trek gewünscht wurde. Nachdem während der Planungsphase einige Hürden zu überwinden gewesen waren, fiel von Seite des Verlages endlich die Entscheidung, ein inoffizielles Fanbuch zu verfassen, dessen Inhalte nicht von Paramount abgesegnet werden mussten. Nach dem erlösenden Anruf „Macht doch einfach, was ihr wollt!“ machten sich die beiden Autoren sogleich an die Arbeit und schufen, mit Unterstützung zahlreicher Fans, ein Werk, das einen humorvollen, aber zugleich auch fachkundigen Einblick ins Star Trek-Universum bietet und sich von deutlich von anderen Büchern zum Thema Star Trek abhebt. „Wir wollten beweisen, dass es auch nach so langer Zeit noch ein Fandom da draußen gibt“, beschreibt Mike Hillenbrand die Intention des Buches. Und das ist ihnen auch eindrucksvoll gelungen. Bereits nach wenigen Monaten war die erste Auflage des Buches ausverkauft, seit kurzem ist die zweite Auflage erhältlich. Darüber hinaus ist „Dies sind die Abenteuer… 40 Jahre Star Trek“ für den deutschen Phantastikpreis in der Kategorie „Bestes Sekundärwerk“ nominiert (> www.deutscher-phantastik-preis.de ).
Entgegen anfänglicher Befürchtungen nutzten viele der anwesenden Fans die Gelegenheit, die beiden sympathischen Autoren kennenzulernen und sich ihr Buch von den beiden Autoren signieren zu lassen, deren Engagement und umsichtiger Umgang mit dem Thema Star Trek von vielen Fans gelobt wurde. Mike Hillenbrand rief auch die Fans dazu auf, etwas mehr Engagement zu zeigen: „Versteht mich nicht falsch, ihr seid tolle Fans, aber ich vermisse teilweise diese Fanliebe, die es früher im Fandom gegeben hat. Heutzutage gibt es viele Leute, die nur noch deshalb etwas tun, weil sie ihren Namen irgendwo lesen wollen oder nur noch konsumieren.“ Dabei sei es das Engagement der Fans, die Star Trek am Leben erhalten. Allerdings sehen die beiden der Zukunft des Fandoms mittlerweile zuversichtlich entgegen: „Es kommen immer wieder neue Fans nach. Das Fandom wird seinen nächsten Boom erleben – mit dem neuen Film.“
DIE STIMME DES (FAN-)VOLKES
Unter den Fans gab es unterschiedliche Meinungen zur diesjährigen Convention. Viele bemängelten die enorme Hitze im Hotel, die langen Wartezeiten bei den Autogrammstunden und Fotosessions und die teilweise leider sehr eintönigen Panels einiger Stargäste. Einige bedauerten auch den Wegfall der Galileo7, die unter den Fans ebenfalls sehr beliebt gewesen ist, und befürchten, dass die Qualität der FedCon mangels Konkurrenz abnehmen könnte. Leider war in diesem Jahr bereits zu bemerken, dass wenig Neues geboten wurde.
Die Mehrzahl der Fans jedoch genoss das große Staraufkommen und den unvergleichlichen Flair der FedCon und viele der Befragten haben sich schon eine Karte für die nächste FedCon besorgt.
Abschließend bleibt zu sagen, dass die FedCon alles in allem wieder eine sehr gelungene Veranstaltung war, der man ein paar kleine Mängel nicht so übel nehmen sollte. Am Ende liegt es auch am Engagement der Fans, ob die FedCon an Qualität zu- oder abnimmt. Beteiligt euch an Aktionen, bringt eure Vorschläge ein – IHR seid die FedCon!
“Live long and prosper”, “May the force be with you” – ach, ihr wisst schon, was ich meine. Wir sehen uns auf der FedCon 2008!
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