Sein Name ist John Crichton und er wird durch ein Wurmloch gesaugt in ein Universum voll seltsamer Aliens und unbekannter Gefahren. An Bord des lebendigen Raumschiffs Moya flieht er vor den kriegslüsternen Peacekeepern, verzweifelt auf der Suche nach einem Weg nach Hause. Das ungefähr ist die Prämisse der vielleicht eigenwilligsten und zugleich coolsten Science-Fiction-Serie der letzten Jahre. Nachdem sie im Fernsehen relativ stiefmütterlich behandelt worden war und danach lange Zeit nur als teuerer UK-Import auf DVD zu sehen, hat KochMedia sich nun dem lobenswerten Unterfangen gewidmet, „Farscape“ auf den deutschen Markt zu bringen.

Die „Farscape“-Box – das ist Liebe auf den ersten Blick. Im edlen schwarzen Hochglanz-Schuber mit Präge-Schriftzug und den Konterfeis von John Crichton, Aeryn Sun und Rygel XVI. (einziges Manko: Sie haben doch tatsächlich den Namen des Hauptprotagonisten falsch geschrieben – Chrichton ... Gesundheit!) steckt eine stabile Papphülle zum Auseinanderklappen, in welcher die insgesamt acht DVDs elegant versetzt eingeklippt sind, und ein 36-seitiges Booklet findet auch seinen Platz darin. Der Silberlinge gibt es dabei gerade genug, damit uns von jeder Scheibe ein Mannschaftsmitglied von Moya anlächeln kann (Ups... Spoiler).
Auch inhaltlich kann die 22 Episoden umfassende erste Staffel überzeugen (und dabei ist sie noch die schwächste der ganzen Serie!). Schon in „Premiere“ (1x01) lassen sich die zwei Stärken „Farscapes“ erkennen: Mut zu schrägen Situationen und eine Heldenriege, die ihre Bezeichnung zwar so gar nicht verdient, aber gerade weil sie mürrisch, aufbrausend, misstrauisch und egoistisch daherkommt – und sich letztlich trotzdem zusammenrauft – uns so sympathisch ist. Das gilt für den zornigen luxanischen Krieger D’Argo ebenso wie für die esoterisch-exotische delvianische Priesterin Zhaan, den zwergenhaften, königlichen Miesepeter Rygel XVI., den sanftmütigen Riesenkalmar Pilot und die bei aller soldatischen Härte (oder gerade deshalb) unglaublich aufregend wirkende Aeryn Sun (okay – offenbar gibt es doch Grenzen für die Macher: Die spätere große Liebe John Crichtons ist zwar als Sebaceanerin ein Alien, sieht aber zufälligerweise äußerst menschlich aus.). Oh, und natürlich ist da der irdische Gast, anfangs ein verwundert dreinschauender Tor, der echt was wegstecken muss (zur Belustigung der Zuschauer), sich dann aber Schritt für Schritt in sein neues Leben einfindet.
Weitere sehenswerte Episoden sind „Gefährliche Besucher an Bord“ (1x03), in der die Moyacrew die beiden Insassen einer Rettungskapsel aufnimmt und Crichton daraufhin seltsam erratische Sprünge in die Zukunft erlebt – ein grandioses Spiel mit den Erwartungen des Zuschauers! In „Begegnung auf der Zelbinion“ (1x07) stoßen Crichton und Co auf das Wrack des einst gefürchtetsten Peacekeeper-Schlachtschiffes und haben dann mit plötzlich auftauchenden Sheyang-Plünderern zu kämpfen, derweil Crichton Aeryn mit einer blonden PK-Technikerin zur Eifersucht treibt. In „Geheimnisvolle Moya“ (1x10), obgleich eine eher kammerspielartige Episode, wird mit der Entdeckung der Schwangerschaft des Leviathans einer der ersten Großplots losgetreten. Und in „Durka der Schreckliche“ (1x15) kommt ein neues Crewmitglied an Bord: die aufgedreht-frivole Nebari-Diebin Chiana, die fürderhin allen Männern mit voller Absicht den Kopf verdreht.
Der nächste rote Faden, der sich durch vier Staffeln bis hin zu „Peacekeeper Wars“ ziehen wird, entspinnt sich in „Die Suche nach der freundlichen Welt“ (1x16): Hoch entwickelte Aliens pflanzen in Crichtons Kopf das Verständnis für Wurmlöcher ein, das den Astronauten von der Erde in Folge zur wertvollsten Beute für alle Reiche der Galaxis werden lässt (namentlich die Peacekeeper und die Scarraner). Das spannende Finale setzt dann ab „Die Jagd nach dem Fluchtvirus“ (1x18) ein. Aeryn wird verwundet und droht zu sterben, woraufhin sich Crichton in eine geheime Peacekeeper-Basis einschleust und dort von dem sinistren Scorpius, einem weiteren „regular cast“ ab der zweiten Staffel, gefangen genommen wird (1x19 & 1x20). Und das ist noch lange nicht alles, was geschieht. Eigentlich würden die Ereignisse, die passieren – inklusive des brandheißen Cliffhangers – locker für zwei Staffelenden reichen, aber das ist „Farscape“: Immer noch eins draufsetzen!

Das gilt auch für das Bonusmaterial. Zunächst einmal wäre da das 36-seitige Booklet, das überraschend viele Infos auf seinen Seiten versammelt. Es gibt nicht nur eine umfangreiche Darstellerliste samt Synchronsprecher, sondern auch einen kurzen Serienguide, einen Überblick über das Bonusmaterial sowie ein kleines Farscape-Lexikon, das sich aus kurzen Charakterprofilen der Hauptfiguren, einem Glossar von Acquara bis Zyklus und einem Überblick über Farscape-Raumschiffe zusammensetzt. Ein liebevoll zusammengestelltes Heft, das allerdings trotz redaktioneller Unterstützung durch sf-radio.net leider nicht ganz frei von Fehlern ist: Viele der Episodenbilder sind eindeutig falsch zugeordnet. (Vermutlich ein Lapsus im Layout.)
Eine tiefe Verbeugung verdient die Box für ihre 8 (in Worten: acht!) Audiokommentare zu unterschiedlichen Episoden. So etwas ist mir bislang noch nicht untergekommen! Zwar ist die Verteilung ein wenig irritierend – es gibt Kommentare zu den Ep. 1x01 bis 1x06 und dann 1x21 und 1x22, so als hätten sich die Macher vorgenommen, eigentlich alle Episoden zu kommentieren, bei 1x06 aber gemerkt, dass das zu teuer wird, und wären dann gleich zum dramatischen Ende gesprungen –, aber die witzigen und interessanten Gespräche lassen jede Kritik verstummen. Dabei macht’s eindeutig die Mischung: Die Kommentare werden fast ausschließlich zu Zweit gesprochen und auch wenn sie eindeutig spontan wirken, als während dem Schauen aufgenommene Unterhaltungen – die sich auch nicht als frei von Widersprüchen und Erinnerungsungenauigkeiten erweisen –, sind sie doch lebhaft und voller Anekdoten und Seitenhiebe, sodass es richtig Spaß macht, zuzuhören. Vor allem Ben Browder und Claudia Black geben als Entertainer ein Dreamteam ab, dass einen melancholisch seufzen lässt, wenn man sich vergegenwärtigt, dass „Farscape“ mittlerweile nicht mehr produziert wird...
Und schließlich sind da noch die Bonusfeatures auf dem achten Silberling. Die knapp 25 min. Dokumentation „The Farscape Effect: Behind The Scenes“ bietet eine grobe Einführung in die Serie, ihre Figuren, Themen und ihre Produktion durch die Jim Henson Company in Australien. Ein netter Überblick, der allerdings an Wert einbüßt, sobald man sich den anderen Features widmet und dabei merkt, dass große Teile der Doku aus selbigen zusammengeschnitten wurde. Sehenswerter sind die sechs je 10 min. Video Profiles, die den „main characters“ gewidmet sind und jeweils in einer Mischung aus Darstellerinterview und Szenenausschnitten unsere Helden vorstellen. Dabei lernt man nicht nur die Charaktere ein bisschen besser kennen, sondern auch die sympathische Schauspielerriege. Zwei technische Features (ebenfalls jeweils ca. 10 min lang) runden das Bonusmaterial ab: In „Costume Special Design“ erfahren wir einiges über die Auswahl und Herstellung der Kostüme der Protagonisten; in „Australien Creature Shop Special“ werden wir hinter die Kulissen mitgenommen zu den Schöpfern und Strippenziehern der Henson Company, die Puppen wie Rygel und Pilot so überzeugend Leben einhauchen.

„Farscape“ ist und bleibt grandiose Science-Fiction-Unterhaltung mit tollen Charakteren, schrägen Ideen und einer hervorragenden Handlungsbogenverflechtung, die sich schon ab der zweiten Hälfte der ersten Staffel mit den besten Staffeln von „Babylon 5“ oder „Deep Space Nine“ messen kann. Das haben die Fernsehmacher hier in Deutschland leider nie richtig zu schätzen gewusst, umso erfreulicher ist der mutige Schritt von KochMedia, die Serie auf DVD und mit vorbildlicher Ausstattung auf den Markt zu bringen, die bemerkenswerterweise sowohl die britische (keine Audiokommentare) als auch die amerikanische (kein Booklet) DVD-Edition toppt. Der hohe Preis mag ein wenig abschrecken, ist aber kein Einzelfall im Bereich der Serienboxen, und wenn man Story-Originalität und DVD-Umsetzung berücksichtigt, ist „Farscape“ sein Geld locker wert. Hoffentlich dürfen wir uns in Bälde auch über die anderen drei Staffeln freuen!