Space-View Interview :: Biggs Persönlich

Interview mit Casey Biggs

Biggs Persönlich

Constellation Convention 5 in Paris (5. bis 7. Mai 2006)

Casey Biggs & Interviewerin Tanja KrappWas halten Sie davon, wie STAR TREK im Jahr des 40. Jubiläums von Paramount Pictures behandelt wird?
Ich denke, dadurch dass die Verantwortlichen bei Paramount komplett ausgewechselt wurden, hat sich auch die Einstellung Paramounts zu STAR TREK verändert. Sie interessieren sich nicht wirklich dafür. Richard Arnold hat erzählt, dass sie alles verkauft haben, was mit ST zu tun hat. Und nun wollen DIESE LEUTE auch noch einen neuen ST-Film machen. Oh, mein Gott! Ich denke, sie sind sich der Macht nicht bewusst, die STAR TREK generell hat. Zudem halte ich Paramount für die ultimativen Ferengis. Sie wollen nur Geld machen.

Ist es für Sie nicht frustrierend, dass die Leute offensichtlich mehr an etwas interessiert sind, das viele Jahre zurückliegt als an Ihren aktuellen Projekten?
Nein, ich sehe das nicht so. Denke an die Filme, die Du gut findest und die ich gut finde. Es sind alte, sehr alte Filme. Sie sind vielleicht sogar viel älter als Du. Cary Grant, Jimmy Stewart, John Wayne. Wenn ich generell an Filme denke, denke ich daran, wie sie ihr jeweiliges Zeitgefühl eingefangen haben. Filme, die ich vor 10 oder 15 oder 30 Jahren gemacht habe, sind für mich eine Art Zeitdokument. Ein Moment im Leben wurde eingefangen.
Als ich James Stewart traf, war er bereits ein alter Mann. In den Filmen, die ich kannte, war er jung. Deshalb war ich ziemlich geschockt, dass er nun schon so alt war. Ich kannte ihn ja nur aus Filmen wie "It's a wonderful life".
Das ist aber auch die interessante Sache daran. Wenn man einen Film dreht, wird er ja manchmal erst ein Jahr später veröffentlicht. Und man hat ihn vielleicht schon vergessen und muss nun Werbung für ihn machen. So wie Tom Cruise. MI:3 wurde vor einem Jahr abgedreht. Und jetzt muss er herumreisen und so tun, als sei er wegen des Filmes sehr aufgeregt. Es ist ein interessantes Konzept. Anders als bei Theaterstücken. So wie z. B. ein Stück, das ich am Dienstag in New York eröffnen werde, DIE DREI MUSKETIERE. Das ist reale Zeit. Es wird veröffentlicht, wird Kritiken erhalten, wird eine Weile laufen und dann ist es schon wieder weg. Es ist weg, verschwunden, hat sich aufgelöst. (Er benutzte den Begriff AMORPHIC. Es sieht so aus, als sei es da, ist es aber nicht.) Es ist wie mit der Musik. Man macht Musik, singt, man gibt es an das Publikum ab und es ist weg.

Ist das für Sie ein Problem, das sie etwas tun, das man nicht berühren kann?
Nein, überhaupt nicht. Ich habe letztes Jahr Zuhause etwas gebaut. Das war für mich harte Arbeit. Es ist etwas, das ich sehen und berühren kann. Von dem ich weiß, dass ich es gemacht habe. Es ist etwas anderes, als wenn ich etwas für die Kinoleinwand oder das Fernsehen tue. Manchmal ist es befriedigender, wenn man etwas erschafft, das man betrachten kann und von dem man weiß, das man es selbst kreiert hat. Wenn ich auf der Bühne stehe, ist die Schönheit dessen in einem Moment gefangen. Wenn das Publikum es in diesem Moment sieht und darauf reagiert, ist es anschließend schon verschwunden. Was davon bleibt, ist das, was man mit sich nimmt.

Auf welchem STAR TREK-Raumschiff würden Sie gern dienen, wenn Sie die Wahl hätten?
Ich denke, auf Picards Enterprise. Diese war besser als die von Kirk. Man hatte dort mehr Möglichkeiten. DS9 ist ja kein Raumschiff. Voyager mag ich überhaupt nicht. Es war so langweilig. Die Charaktere waren uninteressant, die Geschichten teilweise auch. Ihre Dialoge waren zudem eintönig. DS9 hatte ein viel dunkleres Flair. Die Autoren und Produzenten waren viel mutiger was DS9 angeht. Aber natürlich denke ich so, weil ich ein Teil davon war.

Wie reagierten Sie darauf, als Sie lasen, dass Damar sterben sollte?
Wenn ich schon sterben sollte, in der letzten Folge in der letzten Minute, war das okay. Und dann auch noch als Held. Man hat sowieso keine Wahl. Immerhin hat man mich auf die Art und Weise sterben lassen, wie ich es mir gewünscht hatte.

Was sind Ihre aktuellen Projekte?
Ich führe Regie bei DIE DREI MUSKETIERE. Für diesen Sommer habe ich mir vorgenommen nicht zu arbeiten und dafür Zuhause eine Veranda zu bauen. Im Herbst werde ich in einer Schule in New York unterrichten im Fach "Regie". Ebenfalls im Herbst werde ich Regie führen bei einem Shakespeare-Stück. Im Januar werde ich nach Kalifornien zurückkehren, um dort vielleicht in einer TV-Serie mitzuspielen. Vielleicht übernehme ich demnächst auch eine Rolle in 4400. Aber das steht noch nicht hundertprozentig fest. In der nächsten Saison werde ich Regie bei einem Stück namens "Moby Dick" führen. Für die Acting Company. Das ist dieselbe Institution, für die ich nun auch DIE DREI MUSKETIERE gemacht habe. Und dann mal schauen, was sich sonst noch so ergibt.

Das ist kein einfacher Job.
Nein, ist es nicht. Aber es ist interessant, dass ich in den letzten Monaten viele Angebote erhielt. Doch ich lehne immer ab. Ich weiß selbst nicht, warum ich nach Ausreden suche, um mich zu rechtfertigen, dass ich nicht arbeiten möchte. Ich möchte einfach für eine Weile Zuhause bleiben und das neue Haus ausbauen. Aber andererseits muss ich auch mal wieder etwas Geld verdienen.

Und deshalb sind Sie nun hier in Paris.
Man macht mit Conventions nicht viel Geld.

Haben Sie vergleichbare Hobbys wie die Star Trek-Fans?
Ob ich etwas tue, das hiermit vergleichbar ist? Ich liebe es zu verreisen. Ich mag es sehr, Zeit in Europa zu verbringen. Ich spiele Golf und Musik. Aber ich denke auch, dass alleine schon mein Leben, meine Arbeit so interessant ist, dass ich es kaum glauben kann, das Glück zu haben, dafür auch noch bezahlt zu werden. Es ist so erfüllend, fühlt sich nicht wie Arbeit an.

Sie haben mit John Woo zusammengearbeitet. Er hat bei einigen der besten Hongkong-Filmen Regie geführt. Haben Sie von ihm etwas für Ihre eigene Regiearbeit gelernt?
Egal was John Woo tut, es ist immer völlig durchgeplant. Es gibt keine Improvisation. Es gibt ein Storyboard für jeden Film, an das er sich völlig hält. Das hat mich sehr beeindruckt und das habe ich auch von ihm gelernt. Er war ein netter Mann, sehr nett. Manche Regisseure sind sehr egozentrisch.

Kennen Sie John Woos Hongkong-Filme?
Ja, z. B. DER KILLER. Ich habe vier oder fünf davon gesehen, ehe ich mit ihm zusammenarbeitete. Aber ich denke, der in dem ich mitspielte (BROKEN ARROW), war der erste in Cinemascope, den er gedreht hat.

Was mögen Sie am liebsten: Auf der Bühne stehen, vor der Kamera oder Regie führen?
Ich denke, ich bevorzuge im Moment die Regiearbeit im Theater. Man muss sich dafür nicht so lange binden. Aber auf der Bühne zu stehen und eine Rolle zu spielen, ist weitaus befriedigender. Zurzeit ist mir das allerdings zu viel Arbeit. Zudem ist man für 3 Monate beschäftigt. Das ist eine lange Zeit. Trotzdem liebe ich es zu schauspielern. Regie führen ist jedoch auch eine schöne Arbeit. Ich mag es sehr. Vor allem den Prozess, bis etwas entsteht.

Warum hat Sie ihre Ehefrau nicht nach Paris begleitet?
Sie ist zu beschäftigt. Außerdem ist sie nicht sehr daran interessiert, die ganze Zeit im Hotelzimmer zu sitzen. Wir mögen Paris sehr, wenn wir mehr Zeit haben, um es zu besuchen.

Was denkt Sie über Ihr ST-Leben?
Sie ist davon fasziniert. Sie hat mich sogar zu einigen Conventions begleitet. Die meiste Zeit verbrachte sie jedoch auf dem Hotelzimmer und las in ihren Büchern. Am Anfang war sie noch dabei. Aber dann hat sie festgestellt, dass es um etwas anderes geht.

Vielen Dank.

geschrieben von: Tanja Krapp

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