Space-View Interview :: Conventions und Fans

Interview mit Casey Biggs

Conventions und Fans

Constellation Convention 5 in Paris (5. bis 7. Mai 2006)

Casey BiggsWie viele Conventions haben Sie bisher besucht?
Es finden immer weniger Conventions statt. Vor einigen Jahren besuchte ich 10 bis 15 pro Jahr. Die meisten davon in den USA. Es werden weniger in den USA. Es gab dort früher mehr Veranstalter. In Europa besuche ich vielleicht 3 pro Jahr. Nach dieser hier nehme ich an einer in Kanada teil, dann an einer in Deutschland und anschließend in London. Ich mache nun noch ca. 4 oder 5 Cons pro Jahr.

Das Besuchen anderer Länder: Ist es ein Grund für Sie, zu Conventions zu gehen?
Es war einmal so. Conventions geben einem die Möglichkeit, andere Länder zu besuchen und andere Kulturen zu erleben. Früher konnte man mit Conventions mehr Geld machen, mittlerweile nicht mehr so viel. Deswegen geht es nun auch mehr um das Erlebnis selbst. Ich liebe das Reisen.

Sie haben darüber auf der Galileo-Convention gesprochen, dass Sie das Reisen lieben. Manchmal vielleicht zu sehr.
Als ich jünger war, war es sehr aufregend. Nun ist es viel Arbeit. Conventions reißen Dich für 5 oder 6 Tage aus Deinem Leben heraus. Man muss viel planen. Deshalb muss man sich sicher sein, dass es den Aufwand auch wert ist. Aber wenn dann Leute kommen, wie diese deutschen Fans, die sagen, dass sie jeden Monat auf meine "Message of the Month" (zu lesen auf seiner Homepage http://www.caseybiggs.com ) warten und diese ihnen ein gutes Gefühl gibt, ist es das alles wert. Man vergisst so schnell, wenn man sich in seinem Alltag befindet, dass es tatsächlich Leute gibt, die an einem selbst interessiert sind.

Erinnern Sie sich daran, wie viele Länder Sie auf Grund von STAR TREK-Conventions besucht haben?
Viele. Italien, Deutschland, England, Australien, USA. Für Osteuropa war eine geplant, zu der ich aber leider nicht gehen konnte. Ich glaube, sie sollte in Tschechien stattfinden. Es ist fantastisch. Es ist immer überraschend, es ist immer interessant. Die Leute dort sind für mich immer faszinierend.

Gibt es einen Unterschied zwischen den Fans in den verschiedenen Ländern?
Ja, es gibt Unterschiede. Es gibt einen großen Unterschied zwischen amerikanischen und europäischen Fans. Europäische Fans sehen die Sache viel ernster. Sie sind mehr an dem moralischen und ethischen Aspekt STAR TREKs interessiert, während Amerikaner mehr von diesem Glamour angezogen werden. Weniger in England, aber in Deutschland, Frankreich und Italien ist ST näher am Herzen der Fans.

Was war das schönste Erlebnis auf einer Convention für Sie?
Ich habe viele wirklich gute Freunde getroffen auf Conventions. Leute, die auch tatsächlich Freunde blieben. Aber das Schönste ist, wenn man merkt, dass man auf jemandes Leben Einfluss genommen hat. Dass die Menschen die Welt vielleicht durch andere Augen sehen oder man die Art beeinflussen konnte, wie sie über ihr Leben denken. Es geht nicht nur darum, Autogramme zu schreiben. Dass man einen Eindruck hinterlassen hat, ist das wirklich Wichtige.

In Trekkies 2 haben Sie gesagt, dass es noch in 50 Jahren ST-Conventions geben wird. Denken Sie das immer noch?
Ja, sicher. Man hat mit Leuten auf Conventions auf einem sehr emotionalen Level zu tun. Es geht nicht nur um diesen Glamour. Es geht um viel mehr. Es geht auch darum, dass uns der Gedanke an das Außer- und Überirdische fasziniert. Es geht um die Frage, wieso wir überhaupt exisitieren, wie wir leben und wie das alles weitergeht. Ich denke, diese Faszination wird nie verschwinden. Und auch was STAR TREK angeht, wird es weitergehen. Mit neuen Serien, neuen Filmen, einer neuen Generation.

Wer besucht Ihrer Meinung nach die meisten STAR TREK-Conventions?
Ich weiß es nicht. Ich denke, dass natürlich die großen Stars diejenigen sind, die die Besucher am häufigsten sehen wollen. Aber diese sind sehr teuer. Shatner z. B. ist teuerer als irgendjemand anderes. Wenn z. B. Leonard Nimoy hier wäre, wären Tausende von Teilnehmern hier. Aber uns wollen ein paar, vielleicht hundert Leute sehen. Es ist eben anders. Aber es ist eine Ehre, diese Art von Arbeit machen zu können

Auf der Galileo-Convention haben Sie die Art kritisiert, wie William Shatner auf Conventions mit seinen Fans umgeht. Wieso?
Er interessiert sich nicht für sie. Sie sind ihm egal. Er schaut noch nicht einmal auf, wenn er Autogramme gibt. Hast Du ihn wirklich getroffen? Nein, Du läufst nur an ihm vorbei. Das ist nicht richtig. Er erhält für eine Convention 50 000 Dollar. Ein Fan investiert sehr viel Geld, um seinen Lieblingsschauspieler auf Conventions zu sehen. Und dann erhält er von seinem Star nicht einmal eine Sekunde Aufmerksamkeit?! Schau mal auf, sage Hallo! Dann haben die Fans wenigstens das Gefühl, etwas Kontakt zu ihrem Star gehabt zu haben.

Haben Sie selbst STAR TREK gesehen?
Ich habe die Classic-Serie gesehen. Ein bisschen etwas von TNG. Und wenige Folgen von DEEP SPACE NINE. Ich habe niemals wirklich STAR TREK gesehen, außer der Classic-Serie, die ich komplett kenne.

War William Shatner dann eine Art von Held für Sie?
Ja, sicher. Und deshalb war ich ja auch so enttäuscht, als ich ihn persönlich getroffen habe.

Ist es für Sie überraschend, dass die ENTERPRISE BLUES BAND so erfolgreich ist?
Ich denke, dass das fantastisch ist. Und ich hoffe, dass sie noch erfolgreicher wird. Denn das ist eine tolle Sache, die viel Spaß macht und sehr befriedigend ist. Wir haben 14 neue Songs, die wir im Juni aufnehmen werden. Ich würde mit der Band auch gern an Orten abseits der Conventions auftreten. Aber man weiß nie, was noch passiert.

Was halten Sie von STAR TREK-Fans, die so viel Geld für ihr Hobby ausgeben?
Wenn es ihnen viel bedeutet, ist das in Ordnung. Viele sparen ein ganzes Jahr, nur um zu Conventions zu gehen. Sie gehen dorthin, haben Spaß, treffen sich mit Freunden. Andere geben für andere Hobbys genauso viel Geld aus. Z. B. für Angeln oder für Reisen oder in Deutschland für Fußball-Spiele. Es ist doch schön, wenn man dorthin fährt, wo man Freunde trifft und Menschen aus allen Teilen der Welt, mit denen man das gemeinsame Interesse für STAR TREK teilt. Es ist wie eine große Familie. Die Fans halten einander nicht für verrückt.

Manchmal schon.
Stimmt, es gibt da einige spezielle Leute. Aber davon abgesehen, ich bin sehr beeindruckt von dem ganzen Fandom.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, ein Buch über ihre Con-Erlebnisse zu schreiben?
Das ist eine gute Idee. Es gäbe einiges Interessantes zu erzählen.

Können Sie sich vorstellen, für den Rest ihres Lebens zu Conventions zu gehen?
Sicher.

Auch wenn sie 70 Jahre alt sind?
Ich glaube kaum, dass mich die Leute noch sehen wollen, wenn ich 70 Jahre alt bin. Aber wer weiß. Shatner ist ebenfalls nicht mehr der Jüngste und trotzdem der größte Star.

Vielen Dank.

geschrieben von: Tanja Krapp