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Space-View Rezension :: Die 1. Staffel

Robin Hood

Die 1. Staffel

Ach, unbeschwerte Jugend. Als wir noch in den Gärten der Nachbarschaft oder im Wald am Rande des Ortes herumtollten und uns dabei vorstellten, wir seien der smarte Robin Hood, die holde Maid Marion, der treue Little John, der aufbrausende Will Scarlett, der geheimnisvolle Nasir oder der gutmütige Bruder Tuck (den wollte damals nie jemand spielen), im Sherwood Forest hausend, um die Reichen zu bestehlen, die Armen zu beschenken oder einfach nur spannende Abenteuer im Kampf gegen die Normannen zu bestehen. Beflügelt wurde unsere Fantasie damals von einer britischen Fernsehserie namens „Robin Hood“, die aus dem grün bestrumpften Gecken mit der Feder am Hut (nichts für Ungut, Errol Flynn) schmutzige, wilde und coole Truppe machte. KochMedia lässt uns erneut in Nostalgie schwelgen und bringt den Bogen schießenden Rebellen auf DVD heraus.

Die Serie

England, im Jahre 1180. Die Normannen unterdrücken die Angelsachsen und löschen auch das Dorf Loxley aus. Der kleine Robin überlebt und wird 15 Jahre später von Herne, dem Gott des Waldes, auserwählt, für Gerechtigkeit und Freiheit zu kämpfen. Er nimmt den Namen Robin Hood an und gemeinsam mit einer Gruppe Gesetzloser, die er im Laufe der Zeit um sich schart – etwa den Müllerssohn Much, dessen Eltern von den Normannen umgebracht wurden, dem hünenhaften Little John, den er von einem Zauberbann befreit, oder der schönen Maid Marion, die er bei einem Raubzug kennen lernt und die vor einer Zwangsehe zu ihm in die Wälder flieht –, lebt er im Sherwood Forest. Von dort aus wird er zum Dorn im Auge der Unterdrücker des Landes, namentlich des Sheriffs von Nottingham und seines jungen, übereifrigen Soldatenhauptmanns Sir Guy von Gisburne, die nichts unversucht lassen, den dreisten Geächteten, der zum heimlichen Volkshelden avanciert, in ihre Finger zu bekommen.

Die britische TV-Serie, deren erste Staffel 1984 in England unter dem Titel „Robin of Sherwood“, in den USA und Deutschland als „Robin Hood“ lief, wurde von Drehbuchautor Richard Carpenter („Catweazle“) und Produzent Paul Knight („Black Beauty“) entwickelt, die mit dem Konzept die Legende vom weltberühmten, englischen Volkshelden in eine neue Richtung führen wollten. War der vielzitierte Held in Strumpfhosen bis in die 1970er Jahre hinein vor allem als gepflegter Edelmann und Draufgänger porträtiert worden, sollte nun ein realistischerer Ansatz verfolgt werden. Konsequent wurde ein relativ junges Ensemble gecastet, den Robin sollte ein rebellischer und in seinem Idealismus vielleicht auch ein wenig naiver junger Mann sein, zweifellos flink im Umgang mit Schwert und Bogen, aber dennoch in gewisser Weise auch Spielball der Mächte und Mächtigen des Landes – vom geheimnisvollen Schamanen, der als Herne auftrat, bis hin zum großen König Löwenherz. Zudem wurden einige Änderungen der Legende im Detail vorgenommen: So durfte sich Maid Marion von der furchtsamen Edeldame in Not zur energischen Freiheitskämpferin wandeln, mit der Einführung des Gottes Herne wurde der Geschichte ein mittelalterlicher Sagenstoff unterlegt und der schweigsame Sarazene Nasir, der eigentlich als Scherge des Bösen im Pilotfilm sterben sollte, kam so gut an, dass er in Robins Bande aufgenommen wurde (und dadurch sicherlich Morgan Freemans Figur Azeem in der Kevin-Kostner-Verfilmung „König der Diebe“ inspirierte).

Die Aufmachung

Bereits die Box der 1. Staffel „Robin Hood“ ist eine Augenweide. In einer hübschen Papp-Ummantelung steckt ein schön marmorierter und mit goldenem Schriftzug versehener Digipack aus unglaublich dicker Pappe. Selten ist mir so eine stabile Verarbeitung untergekommen, die schon Hardcoverqualitäten an den Tag legt. Aufgeklappt enthüllt sich ein Panoramabild mit den wichtigsten Charakteren. In einer Tasche links befindet sich das seitenstarke Booklet, in der Mitte die zwei DVDs mit den sechs jeweils ca. 52-minütigen Episoden der Serie, rechts der Silberling mit den knapp drei Stunden Bonusmaterial.

Die Serie wird im Bildformat 1.33:1 (4:3) präsentiert und sowohl die englische Originaltonspur als auch die deutsche Synchronisation sind vorhanden. Einblendbare Untertitel erleichtern das Verständnis, wenn etwa „Will Scarlett“ Ray Winstone mit kräftigem Akzent die Normannen verflucht. Bild- und Tonqualität sind dabei nicht wirklich berauschend, aber das tut der Stimmung kaum Abbruch. Als besonderes Schmankerl sind auf der DVD auch all die Szenen vorhanden, die damals für die ZDF-Fernsehausstrahlung geschnitten wurden. Zwar liegen diese Szenen nur im englischen Originalton vor, doch man ist bei erneuten Schauen überrascht, wie viele Momente damals fehlten – das betrifft vor allem das Ende der sechsten Episode, in der die gesamte letzte Szene im Steinkreis, die der Serie zum Abschluss einen deutlich mystischen Touch gibt, gestrichen wurde.

Das Bonusmaterial

Zunächst fällt das sehr gute Booklet ins Auge, das ausnahmsweise seinen Namen als informativer Beileger mal wirklich verdient. Auf 24 reich bebilderten, aber auch dicht beschriebenen Seiten findet man einiges über die Motive und zur Entstehung der Serie, danach werden die Freunde und Feinde von Robin Hood als Charakter, mit Schauspielerinfo und sogar einem kleinen Block über die Synchronstimme vorgestellt. Die letzten fünf Seiten sind einem klassischen Episodenguide gewidmet. Ein gelungenes Druckwerk, dem höchstens noch eine kurze Abhandlung über Robin Hood als historische Gestalt hätte hinzugefügt werden können – aber das wäre für eine TV-Serie vielleicht zu viel verlangt gewesen.

Drei Episoden – der Doppelfolge „Der magische Pfeil“ (1.01) und „Der Wettkampf“ (1.02) sowie der Abschlussepisode „Richard Löwenherz“ (1.06) – wurde ein Audiokommentar von Autor Richard Carpenter und Regisseur Ian Sharp, die gemeinsam an allen sechs Episoden arbeiteten, spendiert. Kurzweilig, wenngleich ein bisschen redundant im Hinblick auf das übrige Bonusmaterial, plaudern die beiden aus dem Nähkästchen.

In „The Making of Robin Hood“ (ca. 60 min.) kommen noch einmal alle Schauspieler, Regisseur Ian Sharp, Autor Richard Carpenter und Produzent Paul Knight zu Wort. In der fast ausschließlich aus nebeneinander gestellten Interviews bestehenden Dokumentation wird tief in die Erinnerungskiste gegriffen und auch wenn natürlich das obligatorische gegenseitige Schulterklopfen nicht zu kurz kommt, erfährt man in der einen Stunde auch eine Menge Details und Anekdoten über den Dreh, so etwa das furzende Pferd von Guy von Gisburne und wie Robin Hood fast in einem Bach ertrunken wäre.

„The Electric Theatre Show“ ist eine 23-minütiges Featurette, das 1983 im Umfeld von „Robin Hood“ ausgestrahlt wurde. Die Aufnahmen entstanden während der Szenen in der Burg des Baron Simon de Belleme (Ep. 1.02) und sind eine Mischung aus damals geführten Kurzinterviews, Behind-the-Scenes-Material und kurzen Szenenausschnitten. Damit ergänzt die Doku recht gut das rein retrospektiv gehaltene „Making Of“.

Zu der Show wurden auch sage und schreibe 68 min. unveröffentlichte Aufnahmen auf den Silberling gebrannt. Darunter findet sich viel Müll, kurze Aufnahmeschnipsel und stumme Impressionen vom Drehalltag, aber auch kurzweilige Einblicke, die nun wirklich „behind-the-scenes“ schauen, sowie Interviewteile, die es vermutlich aus Zeitgründen nicht in die endgültige Show geschafft hatten.

Neun Minuten „Outtakes“ zeigen, dass die Merry Men um Robin Hood mitunter wirklich recht albern waren – und das auch keineswegs immer alles glatt ging beim Dreh. Lustig sind da noch Maid Marions Schwierigkeiten mit Pfeil und Bogen, doch wenn Little John mit seinem echt hölzernen Kampfstab schwungvoll Robins Kronjuwelen touchiert, kann man(n) schmerzhaft gut nachvollziehen, was Nasir-Darsteller Mark Ryan im Interview meint, wenn er sagt, dass vieles, was sie damals so getrieben haben (etwa auch Schwertkämpfe mit echten Metallwaffen), heute aus Sicherheitsgründen nicht mehr erlaubt wäre.

Das definitiv unsinnigste Feature, das ich je auf einer DVD gesehen habe, sind die Promo-Aufnahmen von Clannad, der Musikgruppe, die „Robin Hood“ musikalisch untermalte. An sich wäre es ja ganz nett gewesen, die Künstler mal bei einer Live-Performance etwa des bekannten Titel-Songs zu erleben, doch das Material ist komplett stumm! So hampeln fünf Gestalten mit Instrumenten 12 Minuten lang über die Mattscheibe und stellenweise kann man vielleicht erahnen, welches Stück sie gerade spielen. Welchen Erfahrungswert das für den Zuschauer haben soll, geht über mein Fassungsvermögen.

Eine Bildergalerie mit 175 Motiven rundet das Bonusmaterial ab.

Fazit

„Robin Hood“ war damals im Fernsehen ein tolles Spektakel und auch wenn die technische Umsetzung der inhaltlich und optisch ansonsten sehr liebevoll produzierten DVD-Box natürlich nicht mehr ganz zeitgemäß ist: Das mystisch-mittelalterliche Setting, der stellenweise wirklich ungewöhnliche Erzählstil und die großartigen Schauspieler, die es wie kaum ein anderes Ensemble vermochten, Robin Hood und seinen Getreuen ein bleibendes Gesicht zu geben, machen die Serie auch heute noch sehenswert. Nostalgische Anwandlungen nicht ausgeschlossen...

geschrieben von: Bernd Perplies