Douglas Fairbanks, Errol Flynn, Richard Greene, Daffy Duck, Lex Barker, Sean Connery, John Cleese, George Segal, Kevin Costner, Patrick Bergin und Cary Elwes – sie alle haben den Geächteten aus dem Sherwood Forest, den Volksheld mit dem treffsicheren Langbogen, den Mann namens Robin Hood, im Laufe der Filmgeschichte verkörpert. Doch wenn man Fantay-Liebhaber (so um die 30) heute befragt, wer für sie der beste „man in tights“ war, wird die Antwort vermutlich lauten: Michael Praed aus der britische Fernsehserie „Robin of Sherwood“, die Mitte der 1980er über unsere Bildschirme flimmerte und die aus den bestumpften Merry Men eine Gruppe junger Rebellen machte, die in einem realistisch harten und doch von Magie durchzogenen Mittelalter für Gerechtigkeit und ein besseres Leben kämpfte. Die zweite Staffel der insgesamt aus drei Staffeln bestehenden Serie ist soeben bei KochMedia auf DVD erschienen.
Stärker noch als die erste Staffel wird in den sieben Episoden der zweiten der Aspekt des Magischen betont. Das mittelalterliche England Robin Hoods ist nicht nur bewohnt von dem Druiden Herne, dem hirschkopfgekrönten Hüter des Waldes, sondern auch von Hexen und Teufelsanbetern.
In Ep. 2 „Tödliche Geldgier“ wird der Sheriff von Nottingham, Robert de Rainault, halb wahnsinnig, als er in das heilige Buch eines Juden blickt, denn in den Händen eines bösen Mannes entwickelt es zerstörerische Kräfte. In Ep. 3 „Herr der Bäume“ fühlt sich Gisbourne vom Wald selbst gestraft, nachdem er eine heilige Zeremonie zu Ehren Hernes blutig gestört hat. In Ep. 4 „Die Verzauberung“ erliegt Robin dem Bann einer Hexe, die durch ihn die Wiederkehr des Schwarzmagiers Simon de Belleme möglich machen will, und in der Doppelfolge „Die Hunder Luzifers“ kommt Robins Bande einem Kult aus Teufelsanbetern in die Quere, die nach den sieben Schwertern von Wayland suchen, um durch sie die Herrschaft des Teufels herbeizuführen. Der Begriff „Mittelalterliche Fantasy“ dürfte die Serie in ihrer zweiten Staffel recht gut beschreiben.
Neben allen bekannten Charakteren der ersten Staffel, werden drei weitere wiederkehrend in den anhaltenden Zwist zwischen Robins Bande und den Schergen des Sheriffs hineingezogen. Als Lehnsherr von Robert de Rainault tritt Prinz John, der Bruder Richard Löwenherz’, ins Rampenlicht, ein cholerischer Souverän, der den Geächteten und seine Helfershelfer endlich tot sehen will. Freundlicher gesonnen ist den Merry Men Sir Richard of Leaford, ein Adliger, den Robin aus einer misslichen Lage befreit. Im Volke steht Edward of Wickham auf der Seite der Freiheitskämpfer, ein Dorfvorsteher, der gleichzeitig als Priester des Herne den Glauben an die alte Naturreligion am Leben erhält und dadurch vor allem dem puritanischen Gisbourne ein Dorn im Auge ist.
Das Finale der Staffel ist überschattet vom Ausscheiden des Robin-Darstellers Michael Praed, der seine Karriere mit neuen Projekten weiter befördern wollte – was, wie er rückwirkend selbst zugibt, nicht wirklich gut funktioniert hat. Doch Robin wird ein würdiger Abschied beschert, mythisch wie die Heldenfigur selbst, zu der ihn das Volk (und nicht zuletzt die Soldaten des Sheriffs) verklärt haben. Und dass die Legende vom Hooded Man mit dem Tod Robin of Locksleys nicht endet, wird bereits in dem Ruf gezeigt, den ein neuer, tapferer Recke, der Earl of Huntingdon (Sean Connerys Sohn Jason Connery) am Ende empfängt.
Die Aufmachung der zweiten Staffel „Robin Hood“ entspricht eigentlich in allen Einzelheiten derjenigen der ersten. In einer hübschen Papp-Ummantelung steckt ein schön marmorierter und mit goldenem Schriftzug versehener Digipack aus dicker Pappe. Aufgeklappt enthüllt sich ein Panoramabild, das Robin, eingerahmt von seinen diabolischsten Widersachern zeigt. In einer Tasche links befindet sich das seitenstarke Booklet, in der Mitte die zwei DVDs mit je vier ca. 52-minütigen Episoden der Serie, rechts ein Silberling mit den drei weiteren. Das Bonusmaterial ist diesmal auf alle Disks verteilt und wurde vorbildlicherweise jeweils mit auf der DVD-Oberseite abgedruckt, sodass man schnell drauf zugreifen kann.
Die Serie wird im Bildformat 1.33:1 (4:3) präsentiert und sowohl die englische Originaltonspur als auch die deutsche Synchronisation sind vorhanden. Einblendbare Untertitel erleichtern das Verständnis, wenn etwa „Will Scarlett“ Ray Winstone mit kräftigem Akzent die Normannen verflucht. Bild- und Tonqualität sind in Ordnung, aber natürlich kann das Material weder die 20 Jahre, die es schon auf dem Buckel hat, noch das TV-Erbe verbergen. Als Schmankerl sind auf der DVD erneut auch all die Szenen vorhanden, die damals für die ZDF-Fernsehausstrahlung geschnitten wurden. Das betrifft in der zweiten Staffel interessanterweise vor allem Kampf- und Actionszenen, die das deutsche Fernsehen damals möglicherweise als etwas fragwürdig aus dem Nachmittagsprogramm verwiesen hat.
Wie schon der ersten Staffelbox, liegt auch der zweiten ein informatives Booklet bei, das in einem Überblick die neuen Charaktere, ihre Schauspieler und Synchronsprecher vorstellt, ebenso einige Mitglieder der Crew, und daneben eine Handvoll wissenswerte Details zur Serie präsentiert. Den Mittelteil füllen zwei Interviews mit Serienautor Richard Carpenter sowie Jeremy und Robbie Bulloch (Fans kennen ersteren als Boba Fett aus „Star Wars“), die Edward of Wickham respektive seinen Sohn mimen. Den Abschluss bildet wiederum ein Episodenführer.
Auf der ersten Disk befindet sich der zweite Teil der Dokumentation „The Making of Robin Hood“, in dem vor allem der juckende Bart des Sheriffs, der heikle Umgang mit mittelalterlichen Teufelsanbetern sowie der Tod von Robin im Mittelpunkt stehen. Daneben befindet sich eine Bildergalerie mit 96 Motiven und eine Reihe internationaler Titelvorspänne (die sich indes nur durch das „Robin Hood“-Logo unterscheiden) auf dem Silberling. Zuletzt kann, wer Clannad mag, sich die Episoden mit dem Music-only-Track auf der Tonspur anschauen.
Die zweite Disk bietet ergänzend eine weitere Galerie mit 60 Motiven, ein kurzes Feature mit Outtakes, die diesmal deutlich alberner ausfallen (vor allem der Sheriff von Nottingham in seiner Imitation eines mexikanischen Banditen ist köstlich!) und wer Clannad wirklich mag, kann sich auch diese Episoden mit dem Music-only-Track auf der Tonspur anschauen.
Auf der dritten Scheibe schließlich kann man sich einen Audiokommentar von Produzent Paul Knight und Regisseur Robert Young zu der Doppelfolge „Die Hunde Luzifers“ zu Gemüte führen. Er ist zwar stellenweise etwas lakonisch ausgefallen – so als seien die Filmemacher noch heute von ihrem Werk so sehr gebannt, dass sie den Grund des Screenings, nämlich die Aufnahme eines Kommentars, vergessen würden –, ansonsten aber berichten sie recht interessant über die Produktion der Serie im Allgemeinen und der Doppelfolge im Besonderen.
„Robin Hood“ war damals im Fernsehen ein tolles Spektakel und auch wenn die technische Umsetzung der inhaltlich und optisch sehr liebevoll produzierten DVD-Box nicht mehr ganz zeitgemäß ist: Das mystisch-mittelalterliche Setting, der stellenweise wirklich ungewöhnliche Erzählstil und die großartigen Schauspieler, die es wie kaum ein anderes Ensemble vermochten, Robin Hood und seinen Getreuen ein bleibendes Gesicht zu geben, machen die Serie auch heute noch sehenswert. Das gilt für die zweite Staffel so sehr wie für die erste, dass ich den vorigen Satz praktisch unverändert aus dem Fazit meiner ersten Rezension übernehmen konnte.
GB 1985. Regie: Robert Young, Alex Kirby, James Allen. Buch: Richard Carpenter. Produzent: Paul Knight. Darsteller: Michael Praed, Judi Trott, Clive Mantle, Ray Winstone, Nickolas Grace u. a.
3 DVDs
Länge: 417 min.
Vertrieb: KochMedia
Erschienen am 10.11.2006
Listenpreis: 26,95 €
Bonusmaterial: Audiokommentare, The Making of Robin Hood 2, Outtakes, Fotogalerie, Music-Only-Track, Booklet
Disk: Regionalcode 2, DVD 9
Bildformat: 1,33: 1 (4:3)
Tonformat: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch