Rezension - Robin Hood

Die 3. Staffel

Legenden kann man nicht töten. Man kann vielleicht den Mann umbringen, der sie begründete, aber man hat sich noch nicht ganz mit dem blutigen Richtschwert wieder auf dem nun gesichert geglaubten Throne niedergelassen, da taucht schon ein neuer Held auf, bereit, in die Fußstapfen seines Vorgängers zu treten. So geschieht es auch in der dritten Staffel der legendären britischen „Robin Hood“-Serie aus der Feder von Richard Carpenter, die seit den 1980er Jahren von vielen als ultimative Umsetzung der Geschichte um den Räuber aus dem Sherwood Forest gehandelt wird, der von den Reichen stahl, um den Armen zu geben. Seit Kurzem ist nun auch die abschließende DVD-Box bei Koch Media erschienen.

Die Serie



Mit der dritten Staffel wurden gleich zwei Dinge anders. Zum einen verdoppelte der Sender die produzierten Episoden, sodass hier mit 13 Folgen mehr als doppelt so viel Robin Hood vorliegt, wie in den beiden Staffel zuvor, die sich mit je 6 Abenteuern zufriedengeben mussten. Zum anderen trat mit Jason Connery, dem Sohn von Sean Connery, ein neuer Held ins Rampenlicht: Blond, kämpferisch und – zumindest zu Beginn – mit relativ ausdrucksarmer Mimik, war sein adliger Robert of Huntingdon, der Hernes Ruf erhört und annimmt, ein Geächteter von deutlich anderem Schlag als Michael Praeds „dunklerer“ und eher spiritueller Anführer Robin of Loxley. An den ersten Robin hatten die Merry Men als Auserwählten geglaubt; der zweite muss sich im Laufe der ersten Folgen der dritten Staffel erst einmal beweisen und das gelingt ihm weniger mit glühenden Reden als mit seinem Willen, sich trotz seines Adeltums die Hände schmutzig zu machen, und seiner intuitiven Fähigkeit, mit Gefolgsleuten umzugehen – bis sie zu Kameraden werden.

Es zeichnet diese frühen Episoden wirklich aus, dass Robin of Loxleys Tod wie ein dunkler Schatten über den Häuptern der Protagonisten schwebt und sie dem „Neuen“ im Wald erst einmal mit Argwohn begegnen. Vor allem Marion, die Robin einst liebte und die jeder Zuschauer irgendwie auch als Geliebte des neuen Gangleaders erwartet, öffnet sich Huntingdon nur sehr zögerlich, und auch Little John, der treuste Freund Loxleys, kommt mit dem Adelsspross zunächst nicht wirklich klar. Das ändert sich natürlich im Laufe der Staffel, und die Macher nehmen sich immer wieder die Zeit, dieses Zusammenwachsen in ganz banalen Alltagsmomenten der Merry Men in Szene zu setzen, etwa dem Beisammensein am Lagerfeuer, gemeinsamen Nickerchen am Flussufer und albernen Jungenspielen, mit denen die Männer ihre Stärke und Geschicklichkeit austesten.

Selbstverständlich kommt aber auch die Spannung nicht zu kurz. Auch Robert muss sich mit dem cholerischen Sheriff von Nottingham und seinem Helfershelfer Guy of Gisburne herumschlagen, die nicht fassen können, dass der Bandit so rasch zurückgekehrt ist. Außerdem macht ein Schwarzmagier den Geächteten zu schaffen, ein neuer Sheriff sorgt mit brutalen Methoden für Unruhe, König John lässt ruchlose Doppelgänger von Robin und seinen Freunden auf die arglose Landbevölkerung los und ein einstiger Volksheld kommt vom rechten Weg ab. Stärker als in den vorigen Staffeln treten zudem politische Ränkespiele in den Vordergrund, in denen die Merry Men zu Schachfiguren der Mächtigen werden, etwa wenn König Johns Frau Hadwisa eine jugendliche Nebenbuhlerin umbringen lassen will oder der Earl of Huntingdon, Roberts Vater, sich einer Intrige seines Bruders ausgesetzt sieht. Doch mit Kampfgeschick und edlem Herzen gelingt es den Geächteten immer wieder, der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen.

Die Aufmachung



Die Aufmachung der dritten Staffel „Robin Hood“ entspricht eigentlich in allen Einzelheiten derjenigen den vorherigen. In einer hübschen Papp-Ummantelung steckt ein schön marmorierter und mit goldenem Schriftzug versehener Digipack aus dicker Pappe. Aufgeklappt enthüllt sich ein Panoramabild, das Robert, Nasir und Guy zeigt. In einer Tasche links befindet sich das seitenstarke Booklet, in der Mitte und rechts je zwei DVDs mit je drei bis vier ca. 52-minütigen Episoden der Serie. Das Bonusmaterial ist erneut auf alle Disks verteilt und wurde vorbildlicherweise jeweils mit auf der DVD-Oberseite abgedruckt, sodass man schnell drauf zugreifen kann.
 
Die Serie wird im Bildformat 1.33:1 (4:3) präsentiert und sowohl die englische Originaltonspur als auch die deutsche Synchronisation sind vorhanden. Einblendbare Untertitel erleichtern das Verständnis. Bild- und Tonqualität sind in Ordnung, aber natürlich kann das Material weder die 20 Jahre, die es schon auf dem Buckel hat, noch das TV-Erbe ganz verbergen. Als Schmankerl sind auf der DVD wiederum auch all jene Szenen vorhanden, die damals für die ZDF-Fernsehausstrahlung der Schere zum Opfer fielen.

Das Bonusmaterial



Wie schon den verherigen Staffelboxen liegt auch der dritten Box ein informatives Booklet bei. Nach einem kurzen produktionstechnischen Überblick über die aktuelle Staffel folgt im Mittelteil ein interessantes Interview mit Nasir-Darsteller Mark Ryan. Den Abschluss bildet erneut ein Episodenführer, der bei 13 Folgen natürlich etwas länger als bisher ausfällt.

Das Zusatzmaterial auf den Silberlingen lässt diesmal eigentlich keine Wünsche offen. Insgesamt neun Audiokommentare zu unterschiedlichen Episoden sind zu finden, wobei man allerdings hinzufügen muss, dass sich gerade die Kommentare von Jason Connery und Mark Ryan dadurch auszeichnen, dass die Schauspieler eigentlich nicht mehr wissen, was damals beim Dreh passiert ist.

Weitaus informativer und zweifellos das inhaltliche Kernstück des Bonusmaterials ist das zweigeteilte „Making Of“, das immerhin etwa 76 Minuten Spielzeit aufweist und Interviewschnipsel aller Beteiligten zu Themen wie dem Weggang von Michael Praed und der neuen Rolle von Jason Connery sowie Details zu Einzelepisoden liefert. Sehr schön ist auch, dass Clannad, die immerhin für die prägende musikalische Untermalung der Serie verantwortlich zeichneten, endlich mal zu Wort kommen.

„Eine Anleitung zum Schwertkampf“ gibt Nasir-Darsteller Mark Ryan, der auch 20 Jahre nach Serienende noch durch elegante Schwertkampf-Choreographien zu begeistern vermag. Dazwischen finden sich schließlich noch eine Viertelstunde mit „Outtakes“, Kurzbeiträge aus dem britischen Fernsehen und eine sehr große Bildergalerie.

Fazit



„Robin Hood“ war damals im Fernsehen ein tolles Spektakel, und auch in der dritten Staffel hat die Serie kein bisschen an Reiz verloren. Jason Connery als Nachfolger von Michael Praed schlägt sich wacker, die Geschichten gewinnen an politischer Tiefe und der mit 13 Episoden doppelt so lange Handlungsbogen lässt ein erfreulich langsames Herantasten der Merry Men an ihren neuen Anführer zu. Freunde mystisch-mittelalterlicher Abenteuergeschichten rund um den berühmten Held mit dem Bogen werden an dieser inhaltlich und optisch sehr liebevoll produzierten DVD-Box ihre helle Freude haben.

Datenblock



GB 1986. Regie: Robert Young, Gerry Mill, u.a.; Buch: Richard Carpenter, Anthony Horowitz u.a.; Produzent: Paul Knight. Darsteller: Jason Connery, Judi Trott, Clive Mantle, Ray Winstone, Mark Ryan u. a.

4 DVDs
Länge: 772 min.
Vertrieb: KochMedia
Erschienen am 08.02.2006
Listenpreis: 28,95 €

Bonusmaterial: 9 Audiokommentare, 3 Music Only Tracks, The Making of Robin Hood 3 + 4, Outtakes, Interview mit Clannad, US-Titelvorspann, Eine Anleitung zum Schwertkampf, „It’s Showtime“ Location Report, Beitrag aus dem Frühstücksfernsehen, Fotogalerien (440 Motive), Booklet

Regionalcode 2, DVD 9
Bildformat: 1,33: 1 (4:3)
Tonformat: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch


geschrieben von: Bernd Perplies



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