Space-View Rezension :: Season-3-DVD-Box

"Star Trek: Enterprise"

Season-3-DVD-Box

Der Weltraum – unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2153. Dies ist das dritte Jahr der Abenteuer der Enterprise, des ersten Warp-5-Raumschiffes, das unter dem Kommando von Captain Jonathan Archer unterwegs ist, um all die Wunder der Galaxis zum ersten Mal zu erleben, um neue Völker und neue Zivilisationen kennen zu lernen und um der Menschheit ihren Weg ins All zu ebnen. Doch nun tritt ein neue Bedrohung auf, die die Zukunft der gesamten Menschheit ausradieren könnte ...

Die neue Bedrohung

Zwei Jahre lang war die Crew der Enterprise als Botschafter der Menschheit im All unterwegs . Dabei hat sie sich durchaus einen Namen bei anderen, großen, raumfahrenden Völkern gemacht. Die Vulkanier betrachten die ersten Schritte ihrer Schützlinge nach wie vor mit großer Skepsis, zu den blauhäutigen Andorianern, und hierbei insbesondere dem ehrbewussten Raumschiff-Kommandanten Shran, hat sich eine gleichermaßen auf Misstrauen wie gegenseitigem Respekt begründete Allianz gebildet, die Klingonen bezeichnen Archer unterdessen rundheraus als Feind des Reiches. Der anfängliche Konflikt mit den Suliban und ihren geheimnisvollen Drahtziehern ist derweil nach und nach im temporalen Sande verlaufen.

All dies wird jedoch nebensächlich, als ein gewaltiger Killersatellit einen Graben von Florida bis Venezuela schneidet und dabei 7 Millionen Menschen tötet. Entwickler der Sonde sind die so genannten Xindi, denen aus der Zukunft eingeflüstert wurde, die Menschheit würde ihre Heimatwelt dereinst vernichten, wenn man ihnen nicht zuvorkäme. Zu diesem Zweck befindet sich eine noch ungleich größere Massenvernichtungswaffe im Bau. Um die Xindi aufzusuchen und – so oder so – von ihrem mörderischen Unterfangen abzubringen, bricht die Enterprise in „Die Ausdehnung“ auf, eine Art galaktisches Bermuda-Dreieck, aus dem noch kaum ein Schiff zurückgekehrt ist ...

Die dritte Staffel

Mit der dritten Staffel von „Star Trek – Enterprise“ ließen sich die Macher auf ein großes Wagnis ein. In klassischer Serien-Tradition hatte man sich bislang vor allem auf Einzel- und Doppelfolgen verlassen. Ab und an wurden zwar Fäden wieder aufgegriffen, etwa der „Temporale Krieg“ oder der schwelende Konflikt zwischen den Vulkaniern und den Andorianern. Doch einen richtig großen, komplexen und möglichst ununterbrochen fortlaufenden Handlungsbogen hatte es seit dem Dominion-Krieg in „Deep Space Nine“ nicht mehr gegeben. Das sollte nun anders werden.

Die Suche nach den Xindi und die letztendliche Auseinandersetzung mit dem aus fünf unterschiedlichen Spezies bestehenden Volkes bestimmt fast die gesamte dritte Staffel von „Enterprise“. Zunächst haben Schiff und Crew mit den enorm häufig auftretenden Raumanomalien zu kämpfen – etwa in (nomen est omen) „Anomalie“, in der sie auch gleich von Piraten in den Umgangston der Ausdehnung eingeführt werden. Später entwickelt sich daraus das mit dem Volk der Xindi und ihren Mordgelüsten verknüpfte Rätsel um die Sphären, gigantische Metallkugeln im All.

Nur ganz wenige Folgen lassen den großen Handlungsbogen links liegen. Und obwohl diese teilweise klassische Trek-Themen verhandeln – wie seltsame Viren in „Transformation“, die Ausbeutung von Schwächeren in „Faustrecht“ oder den Wert des Wohls weniger ungeachtet des Wohls vieler in „Ebenbild“ –, fallen diese Episoden irgendwie aus der Staffel heraus. Man hat das Gefühl, hier Füllmaterial vorgesetzt zu bekommen, wenngleich – wie im Falle von „Ebenbild“, in der Archer einen Klon von Trip züchten muss, um ihn als Spender für seinen im Sterben liegenden Ingenieur zu missbrauchen – von teils hoher Qualität.

Ähnliches gilt auch für Episoden, die den Xindi-Plot nur als Aufhänger nehmen, um etwas völlig anderes zu erzählen, darunter „Impulsiv“, eine ‚Halloween‘-Folge mit mutierten Vulkaniern, die Archer und sein Außenteam durch ihr wrackes Schiff hetzen, oder „Exil“, die auch „Die Schöne und das Biest – im All“ heißen könnte, will doch ein tierhafter Telepath die sensible Hoshi auf sein einsames Schauerschloss einladen und im Austausch gegen Informationen über die Xindi gleich dort behalten. Das ist mal spannender, mal uninteressanter – im Grunde zieht es den Serien-Fan jedoch jedes Mal innerlich zurück zum Hauptplot der Staffel.

Im Großen und Ganzen kann die Staffel 3 für „Enterprise“ als machtvoller Schritt in die richtige Richtung bewertet werden. Die zwei verknüpften Erzählstränge um die Xindi-Waffe und die geheimen Pläne der Sphärenbauer erzeugen von der Startepisode „Die Xindi“ über Folgen wie „Rajiin“, „Die Ladung“, „Carpenter Street“, „Testgebiet“, „Kriegslist“ und „Der Vorbote“ für einen langsam aber stetig zunehmenden Spannungsaufbau, und der 7-teilige Endspurt, während dem Schiff und Crew wirklich übel einstecken müssen, sorgt für ein Finale, das an Dramatik nichts zu wünschen übrig lässt.

Die Rasse der Sphärenbauer irritiert anfänglich ein wenig, denn man könnte sie für Mitverschwörer im Temporalen Krieg halten – einerseits weil sie in die Zukunft sehen können, andererseits, weil Archers Zeitreise-Freund Daniels diverse Male wieder auftaucht –, doch tatsächlich sind sie eine eigenständige Bedrohung; die Verbindung zu dem geisterhaften Fremden, dem ‚Future Guy‘, der Archer am Ende der zweiten Staffel vor der Xindi-Bedrohung gewarnt hatte, wird leider nicht erneut hergestellt. Aber vielleicht wäre das auch zuviel des Guten gewesen.

Das Bonusmaterial

Widmen wir uns dem Drumherum der dritten Staffel. Das Boxendesign ist natürlich vollkommen identisch zu den Vorgängern, darum sei an dieser Stelle etwas abgekürzt: Im hübschen Pappständer steht eine schicke, graue Box mit Ausfräsungen und eingeprägtem Enterprise-Symbol. Darin befindet sich eine bedruckte Klarsichtummantelung, die einen blauen Plastik-Digistack sowie das 10-seitige Booklet enthält. Die sieben Silberlinge sind schmucklos, farblich erstrahlt die Staffel nach violett und rot diesmal in blau. Das animierte Menü zeigt uns eine anfliegende Xindi-Flotte und ein Schiff der Reptilianer bildet den Menü-Hintergrund.

Das Bonusmaterial setzt auf Altbekanntes. So erfreuen uns die Macher mit zwei sehr guten Audiokommentaren (von Regieassistent Michael Demeritt zur Episode „Faustrecht“ und von Autor/Produzent Manny Coto zu „Ebenbild“) sowie drei Texkommentaren (von Michael und Denise Okuda zu „Die Xindi“, „Impulsiv“ und „Countdown“). Gerade Demeritt gewährt wortreich detaillierte Einblicke in die Produktion, während Manny Coto über seinen Einstand bei „Enterprise“ berichtet und die Okudas erneut Querverweise und Hintergrundinformationen zu Requisiten und Darstellern geben. Weiterhin befinden sich zu vereinzelten Folgen „deleted scenes“ direkt auf den verschiedenen DVDs. Der Großteil des Bonusmaterials schließlich ist auf Disk 7 abgelegt. Neben zwei Werbe-Trailern, der obligatorischen Fotogalerie und drei NX-Files (= Easter Eggs, die in den Abbildungen des Reptilianer-Schiffes links vom Menü gefunden werden können) erwartet einen Folgendes:

• „Die Xindi-Saga beginnt“ (13:09): ein grober Überblick über den Handlungsbogen von Staffel drei, während dem die Macher erklären, auf welche Weise sie „Enterprise“ im dritten Jahr einen neuen Dreh verleihen wollten. John Billingsley spricht dabei aus, was alle denken: dass der Angriff der Xindi auf die Erde und alle damit verbundenen Folgen (Soldaten auf der Enterprise, Missionserfolg ‚um jeden Preis‘) natürlich vom Post-11.09.-Schock durchzogen war, auch wenn man sich die metaphorische Auseinandersetzung nicht offiziell auf die Fahnen geschrieben hatte.

• „Enterprise Momente: Staffel 3“ (12:56): wenn man so will, Teil 2 des Staffelüberblicks, diesmal mit Schwerpunkt auf ‚starke Einzelepisoden‘. Rick Berman, Manny Coto, Connor Trineer und andere sprechen beispielsweise über „Dämmerung“, die Folge, in deren alternativer Zeitlinie die Xindi die Menschen besiegt haben, natürlich über die zum Highlight erklärte Klon-Episode „Ebenbild“ und über die unsagbar blöd aufgelöste Folge „Das auserwählte Reich“, in der religiöse Fundamentalisten die Enterprise in ihren heiligen Krieg hineinziehen.

• „Enterprise Profil Connor Trinneer“ (17:14): ein wirklich schönes Interview mit Trip-Darsteller Connor Trinneer, der sich dankbar zeigt für die deutliche Entwicklung seines Charakters sowie die schauspielerischen Herausforderungen, die ihm die Staffel mit dem Verlust von Trips Schwester und der Romanze zwischen Trip und T'Pol beschert hat. Und, nein, eine Duschszene mit Jolene Blalock hat nichts prickelndes an sich!

• „Ein Tag im Leben eines Regisseurs: Roxann Dawson“ (17:26): Die Folge selbst ist eher mau, doch wie uns die Ex-B'Elanna Torres-Darstellerin und jetzige Regisseurin Roxann Dawson über das Set von „Exil“ führt, ist interessant und kurzweilig zu verfolgen. Einmal mehr werden Einblicke ins Seriengeschäft geboten, hier vor allem in Bezug auf den unglaublichen Zeitdruck, unter dem so eine Episode entsteht.

• „Outtakes“ (6:12): Ablachen heißt es wieder in diesem kurzen Feature. Allerdings scheint den Darstellern mit Staffel drei der Sinn für Blödsinn ein wenig verloren gegangen zu sein. Das Feature ist kürzer als sonst und dreht sich eher um Versprecher als um die Streiche, die sich Scott Bakula in früheren Staffeln erlaubt hat.

• „Hinter der Kamera: Marvin Rush““ (15:43): Ein bisschen desorientiert, aber durchaus sympathisch, spaziert Trek-Veteran Marvin Rush mit uns einmal quer über das Set von „Der Vorbote“. Dabei spricht er wahllos Teammitglieder an und demonstriert stolz die Special Effects rund um die Raumkapsel, in der Archer und Co den Fremden finden.

• „Geheimnisse der Enterprise“ (4:11): 2nd Assistent Director David Trotti gibt sich erneut die Ehre und plaudert diesmal über Filmschauplätze rund ums Studiogelände von Paramount sowie die studioeigene „New York Street“-Kulisse, in der verwinkelte Straßenzüge mit unterschiedlichsten Gebäudefassaden maximale Abwechslung an Drehorten liefern.

Fazit:

Kaum ein Fan wird wohl widersprechen: Staffel 3 von „Star Trek: Enterprise“ hat der Serie zu frischem Wind und einer neuen Richtung verholfen. Die spannende Reise durch die Ausdehnung samt Xindi, Sphärenbauern und Raumanomalien zieht sich durch fast alle 24 Episoden und verleiht dem Prequel-Universum eine bislang nicht da gewesene Dichte. Das Bonusmaterial befindet sich auf ordentlichem „Star Trek“-Serien-Niveau. Alles in allem kann man nur sagen: Die von den Machern gewünschte Wende wurde erfolgreich eingeleitet!

geschrieben von: Bernd Perplies

Hintergrundberichte

Rezension: "Star Trek: Enterprise" - Season-1-DVD-BoxRezension: "Star Trek: Enterprise" - Season-2-DVD-Box