Space-View Rezension :: Season-7-DVD-Box

Voyager

Season-7-DVD-Box

Feels Like Coming Home:


Alles hat ein Ende – und im Falle von „Star Trek“-Serien konnte man auch jahrelang genau sagen, wann selbiges kommen würde: nämlich mit der siebten Staffel. Eigentlich gibt es keinen Grund, nach genau sieben Staffeln aufzuhören – abgesehen davon, dass TNG diese Tradition begründet hat. Fakt ist: Episode 100, auf die jeder Sender schielt, um ein ordentliches Syndication-Paket schnüren zu können, ist zu diesem Zeitpunkt meist weit überschritten, mindestens zwei gute und zwei weniger gute Staffeln wurden produziert und die Charaktere haben sich entweder unglaublich oder überhaupt nicht entwickelt. Abgesehen davon geht eine Serie in der letzten Staffel qualitativ entweder furchtbar den Bach runter oder aber die Autoren schwingen sich in einer Art Torschlusspanik zu ungeahnten, kreativen Höhen auf (möglicherweise um sich damit gleichzeitig für ihren nächsten Job zu bewerben). Für „Voyager“ ist dankbarerweise letzteres der Fall.

Rundumschläge ...

Dabei sind es diesmal weniger die großen, roten Fäden, die begeistern würden, sondern der Unterhaltungswert der Einzel- und zahlreichen Doppelfolgen. Zum Einstieg kann mit „Unimatrix Zero, Teil II“ (7.01) Captain Janeway ihrer wiederkehrenden Kontrahentin, der Borg-Queen, eine schwere Schlappe zufügen, die das Kollektiv mit Renegaten-Borgs durchsetzt. In „Aus Fleisch und Blut, Teil I & II“ (7.09) wird die Loyalität des Holo-Docs auf die Probe gestellt, als er auf ein Schiff mit Hologrammen gerät, die den Hirogen entflohen sind, die bei einer früheren Begegnung die Holo-Technologie von Janeway zur Neugestaltung ihrer Jagdkultur erhalten hatten. Als sich die Holo-Figuren plötzlich von Gejagten zu Jägern verwandeln, verkompliziert sich die Situation. In „Die Arbeiterschaft, Teil I & II“ (7.15 & 7.16) werden Mitglieder der Voyager einer Gehirnwäsche unterzogen und beginnen als Arbeitskräfte auf dem Planeten Quarra ein neues, glückliches Leben – bis einige die Manipulation bemerken. Und in „Endspiel, Teil I & II“ (7.24) schließlich trifft eine Admiral Janeway aus der Zukunft auf der Voyager ein, um eine Zeitlinie, in der noch 17 undankbare Jahre der Heimreise auf die gemischte Sternenflotten-Crew warten, zu korrigieren.

Von solch einem Serienende erwartet man natürlich immer etwas Besonderes. Und tatsächlich haben sich die Macher bezüglich der Schauwerte absolut nicht lumpen lassen. Vor allem das Finale gegen die Borg ist dramatisch und explosiv. Und das Abschlussbild, das die Voyager inmitten einer repräsentativen Flotte von Sternenschiffen (etwa einer Excelsior-Klasse für die Kinofilme, einer Galaxy-Klasse für die TNG und einer Defiant-Klasse für DS9) Richtung Erde fliegend zeigt, dient gleichzeitig als würdiger Abschluss der aktuellen „Star Trek“-Zeitlinie. Das täuscht auch in gewisser Weise über die an sich fragwürdige Prämisse der Heimkehr hinweg. Denn eigentlich sollte die Voyager erst viel später zur Erde zurückkehren, wie man zu Beginn durch eine alternde Admiral Janeway erfährt – und nicht alle Mitglieder der Familie sollten dieses Ende erleben. Um also zwei oder drei tote oder kranke Freunde zu retten, setzt Janeway eine komplette Zeitlinie aufs Spiel und macht Jahrzehnte ungeschehen! Die unglaublichen Implikationen eines solchen Eingriffs – und seine moralische Verurteilung! – durfte man noch in Staffel 4 mit „Ein Jahr Hölle“ (4.08 & 4.09) erleben. Aber bereits in der fünften Staffel wurden dann ja zum 100-Folgen-Jubiläum mit „Temporal Paradoxie“ (5.06) völlig arglos 15 Jahre eine möglichen Zukunft von Harry Kim und Chakotay aus vergleichsweise egoistischen Gründen ausgelöscht. Letztendlich geht „Star Trek“ hier ziemlich lax mit Zeiten und Dimensionen um – und auch nicht ganz ohne Doppelmoral.

... und Rückblicke

Zu den Einzelepisoden-Highlights der siebten Staffel zählen etwa „Eingeschleust“ (7.06), in der ein Hologramm von Reginald Barclay, der im Alpha-Quadranten mit dem Projekt Pathfinder ja eifrig an der raschen Rückkehr der Voyager werkelt, eintrifft und Captain Janeway eine waghalsige Abkürzung nach Hause unterbreitet, außerdem „Zersplittert“ (7.10), in der die Voyager von einer Reihe Verzerrungswellen getroffen wird, die das Schiff in Bereiche vorwärts und rückwärts in der Zeit aufbricht, sowie die beiden Holo-Doc-Folgen „Die Veröffentlichung“ (7.19), in der der Doc einen Holoroman mit fragwürdigen Anleihen an sein wahres Leben schreibt, und „Renaissance Mensch“ (7.23), die den Doktor als Opfer erpresserischer Aliens sieht, für die er den Warpkern der Voyager stehlen soll – unter Einsatz all seiner Vielseitigkeit.

Sehr schön zieht sich durch die ganze Staffel ein allgemeines Gefühl des Rundumschlags und Rückblicks. Noch einmal wird alles, was „Star Trek“ für uns Fans bedeutet, hervorgeholt, etwa der Marquis, Klingonen, Ferengi und Q. Zudem verweisen zahlreiche Folgen auf das bekannte Universum des Alpha-Quadranten, etwa wenn Idens Hologramme als Cardassianer, Bajoraner und Romulaner auftreten. Zuletzt erlauben Folgen wie „Zersplittert“ eine Rückbesinnung auf frühere Staffeln „Star Trek: Voyager“ und fügen das Ganze so abschließend ein wenig zusammen.

Hinsichtlich der Präsentation der Serie drucke ich einfach den Standardtext ab: Die 24 Episoden (wobei zwei davon Doppelepisoden in Spielfilmlänge sind) sind auf sieben DVDs abgelegt, wobei auf der siebten DVD zusätzlich die Extras untergebracht wurden. Das Boxendesign entspricht der Reihe: rote Hülle, silberner Aufdruck, neckisch „ausgesägte“ Fenster, farblich abgestimmte Pappummantelung im Inneren und lieblos schmale Klarsichthalterungen samt Klebestreifen zur Aufbewahrung der eigentlichen Bildträger. Das Startmenü lässt diesmal die Voyager in der ablativen Panzerung einer zukünftigen Föderation aus vier Richtungen anfliegen.

Das Bonusmaterial

Auch bezüglich der Specials gibt es für die Staffel 7 kaum Neues zu vermelden. Audiokommentare und Deleted-Scenes haben die Macher den Staffelboxen standhaft verweigert – für mich eines der größten Mankos der gesamten Reihe. Dafür finden sich die sonst üblichen Features auch hier wieder (man beachte, dass die Titel im DVD-Menü und im Booklet zu 75% nicht übereinstimmen). „Mutig ins Unbekannte: Staffel 7“ (18:02) bietet den obligatorischen Überblick, der diesmal eher ein Rückblick geworden ist, mit Schwerpunkt auf der Charakterentwicklung. Auf den ersten Blick ärgerlich ist der umfangreiche Abspann, der über eine Minute dauert, glücklicherweise in allen Folgefreatures aber stark verkürzt angehängt wurde.

Sehr schön diesmal: die „Voyager Zeitkapsel“ (15:00), die sich dem Doktor widmet und ein veritables Portrait des Hologeschöpfes zeichnet. Nette Schlussworte spricht das Feature „Willkommen zu Hause: Die letzte Folge“ (12:28), das nicht frei von Melancholie das Ende von „Voyager“ feiert. Nach einer Pause in der letzten Staffel darf diesmal auch wieder André Bormanis „Reelle wissenschaftliche Bezüge“ (13:51) herstellen, die diesmal einen interessanten Essay über den aktuellen Stand der irdischen Weltraumforschung bilden.

„The Making of Borg Invasion 4D“ (9:23) erfüllt endlich den seit mehreren Staffeln gehegten Wunsch, zu zeigen, was es mit dem Event, dessen Trailer gleich mehrere Bonusmaterialsammlungen der letzten Staffeln zierte, auf sich hat. Erwartungsgemäß handelt es sich um einen Theme Ride, der Teil von „Star Trek: The Experience“ im Hilton-Hotel in Las Vegas ist, ziemlich genial wirkt und beim nächsten Amerika-Besuch unbedingt auf dem Programm stehen sollte.

„Die Entstehung der Landschaften“ (12:21) ist der etwas blödsinnige Titel eines Features mit Mike Okuda, der mit seinem Team für die Inhalte und Hintergründe der zahlreichen Bildschirme auf allen Alien- und Föderationsraumschiffen verantwortlich zeichnet und ein paar interessante Einblicke in seine Arbeit gewährt.

Effektspezialist Dan Curry muss sich dagegen diesmal mit einer Rolle als Herr der Easter Eggs begnügen. Ein eigenes Feature wurde ihm nicht gegönnt, dafür darf er sich in drei der fünf in der Hülle der Voyager versteckten Mini-Features austoben, deren Laufzeit dafür sogar teilweise auf bis zu viereinhalb Minuten angehoben wurde. Eine Galerie, Storyboards und DVD-Trailer beschließen einmal mehr die Special-Features-Rubrik.

Fazit:

Die DVD-Box der siebten Staffel von „Star Trek: Voyager“ bildet einen würdigen Abschluss der Serie, der mit vielen sehenswerten Einzel- und Doppelfolgen aufwarten kann, die noch einmal in zahlreichen Details das heraufbeschwören, was für uns „Star Trek“ bedeutet. Lässt man die moralischen Implikationen außen vor, kommt die Reise der Voyager-Crew zudem schließlich zu einem guten, hinreichend dramatischen Ende. Das Bonusmaterial ist von gehobenem Mittelmaß. Obschon einen kaum überraschend neue Features erwarten, werden einige lose Enden geschlossen und der Unterhaltungswert der einzelnen Beiträge ist diesmal fast durch die Bank sehr hoch – dabei sind Anfälle von Abschiedsschmerz beim Sehen ausdrücklich erlaubt.

geschrieben von: Bernd Perplies

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